Elisabeth Werder

Freie Journalistin & Texterin, Diespeck

3 Abos und 0 Abonnenten
Artikel

Ohne Ehrenamt geht’s nicht

Ehrenämter sind ein Eckpfeiler unserer sozialen Gesellschaft. Durch die Corona-Pandemie erhält freiwilliges Engagement noch mal eine ganz neue Bedeutung. Warum Sie jetzt aktiv werden sollten.


Das Corona-Virus kann man nicht sehen, hören, riechen oder anfassen. Die Hilflosigkeit angesichts eines unsichtbaren Gegners kann lähmend sein. Eine Möglichkeit, aus der passiven Schockstarre in eine aktive Position zu wechseln, sind Ehrenämter. Das kann zum Beispiel eine digitale Nachhilfestunde oder Lernpatenschaft sein, um Eltern zu helfen, die Herausforderungen des Homeschoolings zu bewältigen. Oder ein Anruf für den Nachbarn, weil er selbst damit überfordert ist, sich digital um einen Impftermin zu kümmern.  Oder ein Dienst-Nachmittag als Fahrerin oder Helfer in einem Impfzentrum.


„Umso länger der Ausnahmezustand anhält, umso spürbarer sind die psychischen Folgen der Isolation. Deshalb gehören neben klassischer Nachbarschafts- und Einkaufshilfe vor allem Angebote, um mit Menschen in Kontakt zu kommen und zu bleiben, zu den wichtigsten Aufgaben. Die Caritas hat dazu zum Beispiel an verschiedenen Standorten Brief- und Postkartenaktionen und Telefondienste initiiert“, erklärt Michael Bergmann vom Deutschen Caritasverband.


Die Kontaktbeschränkungen in der aktuellen Corona-Pandemie führen leider auch dazu, dass viele ehrenamtliche Tätigkeiten derzeit nicht stattfinden können oder nur stark eingeschränkt möglich sind. Das betrifft beispielsweise die Besuchsdienste in stationären Einrichtungen. Hier wird dem Infektionsschutz der dort lebenden Menschen die höchste Priorität eingeräumt.


Sinnvolle Überbrückung der Job-Pause


Wer als Berufsanfänger einen Job sucht oder aufgrund von Corona zu einer Arbeitspause gezwungen ist, kann durch ein ehrenamtliches Engagement neue Fähigkeiten erwerben und Verantwortung übernehmen. Ein Ehrenamt im Lebenslauf kann auf die Jobsuche eine positive Wirkung haben: Es drückt aus, dass man sich auch um andere und die Gesellschaft kümmert und sie einem nicht egal sind. Im Bewerbungsgespräch kann ein Mindestmaß an Idealismus sicher punkten.


Als alleiniger Grund für ein Ehrenamt ist das Aufwerten des Lebenslaufs aber nicht geeignet: „Betrachten Sie Engagement nie primär als Nutzen für sich selbst – Sie könnten enttäuscht werden. Geben und Nehmen gehören zwar zusammen, aber nicht immer gibt es einen spürbaren und sofortigen Nutzungseffekt. Engagement ist zwar immer eigen-sinnig, sollte aber nie instrumentalisiert werden – werden von anderen, noch Ihnen selbst“, sagt Michael Bergmann.


Was ist das Richtige für mich?


Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, sollte zunächst herausfinden, welche Stärken und Kompetenzen er oder sie hat und welche Art von Engagement am besten passt. Dazu kann man sein persönliches Umfeld befragen und mit anderen Ehrenamtlichen sprechen. Auf der Caritas-Homepage gibt es sogar einen kurzen Test, der bei der Auswahl hilfreich sein kann (https://www.caritas.de/spendeundengagement/engagieren/ehrenamt/engagementtypen/test-engagementtypen).


Wer sich nicht langfristig, sondern zum Beispiel nur während der Kurzarbeit aufgrund der Corona-Pandemie engagieren möchte, kann das selbstverständlich machen. „Ein befristetes Engagement ist genauso wertvoll wie eine längere Tätigkeit. Wenn Sie nur für einen bestimmten Zeitraum aktiv sein können, teilen Sie dies ohne Umschweife gleich zu Beginn des Engagements mit. So lassen sich Missverständnisse und Enttäuschungen vermeiden“, sagt Michael Bergmann.


Beratung, Unterstützung, Vermittlung oder auch Qualifizierungsangebote bieten die örtlichen Orts- und Kreiscaritasverbände, Freiwilligen-Zentren oder Freiwilligenagenturen, andere Wohlfahrtsverbände mit ihren regionalen Einrichtungen, die Einrichtungen der Not- und Katastrophenhilfe wie der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter-Unfallhilfe oder das Deutsche Rote Kreuz oder auch der Kommunen.


Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?


„Leidenschaft, Interesse, die Lust anderen helfen zu wollen, Menschen am Rande Teilhabe zu ermöglichen oder „einfach nur“ die Welt ein wenig besser machen zu wollen und die nötige Zeit, das reicht als Voraussetzung für ein für alle bereicherndes Engagement. Ob Nord oder Süd, Ost oder West, Stadt oder Land – das spielt hier keine Rolle“, sagt Michael Bergmann. Die jeweilige Art des Engagements kann im Einzelfall aber durchaus besondere Voraussetzungen erfordern, beispielsweise in der Telefonseelsorge. Hier werden in der Regel spezifische Qualifizierungsangebote gemacht und es wird ein gewisses „Durchhaltevermögen“ erwartet.


„Ehrenamtliches Engagement macht stark, ist bereichernd und beglückend. Es gibt jeder und jedem Engagierten ein Vielfaches auf Aufmerksamkeit und Wertschätzung und das Gefühl des „gebraucht Werdens“ zurück. Aber Vorsicht vor Engagement-Romantik! Das Engagement kann auch anstrengend und fordernd sein. Aber auch solche Erfahrungen tragen zur persönlichen Reife bei“, resümiert Michael Bergmann.

 

---

Infokasten: Anlaufstellen für Freiwilligendienste

-          https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/ehrenamt-in-corona-pandemie-1745788 (Bundesregierung): Allgemeine Informationen zur aktuellen Lage

-          zusammengegencorona.de (Bundesgesundheitsministerium): Überblicksseite, welche Möglichkeiten der Freiwilligenhilfe es deutschlandweit gibt

-          ehrenamt.bund.de (Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat): Überblicksseite und Zugriff auf deutschlandweite Ehrenamt-Portale

-          nebenan.de: Plattform zum Aufbau und der Förderung von Nachbarschaftshilfe

-          wirhelfen.eu: Zentrale Anlaufstelle für Hilfsangebote, man kann sich als Helfer oder Hilfesuchender registrieren