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Rezension

"Borchert beglückt"

Thomas Borchert „beglückt“ seine Fans
Einen unterhaltsamen Abend lang singt der Entertainer Songs, die er schon immer singen wollte - aber nie durfte!

Der Star des Abends war richtig gut drauf. „Ich hab richtig Bock, den Song noch mal zu machen“, erklärte Thomas Borchert, kaum dass die letzten Töne von Elton Johns „Don´t let the sun go down on me“ verklungen waren. Und er erklärte auch, warum: Das Lied sei einer seiner Lieblingssongs, ein Song, der ihn zum Klavierspielen gebracht und ihn angespornt habe, selber Songs zu schreiben. Um selbst geschriebene Songs ging es an diesem Abend nicht im Oberhausener Ebertbad, auch wenn ein Konzert mit Liedern aus der Feder von Thomas Borchert unmittelbar bevorsteht. Der 15. Mai stand vielmehr unter dem Motto „Thomas Borchert beglückt oder Songs, die Thomas unbedingt einmal singen sollte, aber bislang noch nicht gesungen hat.“

Das Konzert gehörte zu der äußerst beliebten Reihe „Musicalstars in Concert“, die seit einigen Jahren regelmäßig Darsteller in das ehemalige Schwimmbad lockt. Auch Thomas Borchert hat dort bereits mehrere Soloabende gestaltet.
Die Besonderheit an diesem Best- of- Programm: Die Zuschauer hatten vorab selbst die Möglichkeit zu bestimmen, welche Songs der Musicaldarsteller singen sollte. Neben einer Auswahl an vorgegebenen Titeln, konnten sie auch eigene Vorschläge machen und für ihre Wunschnummern voten. Heraus kam eine bunte Mischung aus Jazz, Rock, Pop und natürlich Musical, bei der Thomas Borchert nicht nur beweisen konnte, dass er ein großer Musiker, sondern auch ein hervorragender Entertainer ist.

Begleitet wurde Borchert an diesem Abend von seiner Band, bestehend aus Gitarrist Harry Peller, Bassist Stefan Fürst und dem Drummer Gerald Gratzer, der im Übrigen auch Autor des Musicals „Tutenchamun“ ist. Am Klavier saß Marina Komissartchik, wobei Borchert es sich nicht nehmen ließ, bei dem ein oder anderen Song auch selbst mal in die Tasten zu hauen.
So auch bei „Angles“, der Eröffnungsnummer des Abends, die als Borcherts Interpretation sicher genau so ein Hit geworden wäre, wie die von Robbie Williams.
Mit einem seiner Lieblingssongs ging es weiter: „Mr Bojangles“, ein Jazz- Song aus der Feder von Jerry Jeff Walker, gefolgt von einem gefühlvollen „Bui doi“ aus Miss Saigion.
Besonders emotional war Borcherts Interpretation von „Send in the clowns“ aus Stephen Sondheims „A little night music“, das im Stück eigentlich von einer Frau gesungen wird. Gesungen von Thomas Borchert gehörte dieses Lied zu den berührendsten Momenten des Abends.

Richtig viel Spaß hatte Borchert an dem Swing- Klassiker „Singing in the rain“ und „Fly me to the moon“ von Bart Howard, bei denen er sich nicht nur als Sänger, sondern auch als Pianist ausleben und mit spontanem Umtexten und Improvisationen die Lacher des Publikums gewinnen konnte.
Neben Herbert Grönemeyers Kulthit „Männer“ wagte er sich auch- mit durchaus gelungenem Hüftschwung- an die Elivs- Nummern „In the ghetto“ und „Suspicious minds“, ehe er mit Randy Newmans „You can leave your head on“ das Publikum „antörnte.“

Auch musicaltechnisch nutze Borchert die Chance, Titel zu singen, die nicht zu seinem üblichen Repertoire gehören, denn erfreulicherweise gab er nicht die für jedes Best- of- Programm typischen Songs zum Besten, sondern entschied sich abgesehen von „Stars“ aus Les Misérables und „You´ll be in my heart“ aus Tarzan für selten gesungene Lieder. Dazu gehörte neben Sondheims oben schon erwähnter Ballade „Send in the clowns“ die kraftvolle Hymne „Anthem“ aus Chess, die der Gastgeber als einen der schönsten Musical- Songs bezeichnete oder Quasimodos Lied „Out there“ aus Disney´s „Der Glöckner von Notre Dame“, bei dem Borchert treffend die Sehnsucht nach Freiheit zum Ausdruck brachte.
Mit „You never walk alone“ präsentierte er ein Lied aus Caroussel, einem Musical aus dem Jahr 1945. Zu unbekannten Gefilden brach er auf, als er die Nummer „If I sing“ interpretierte, ein Lied aus dem Musical „Closer than ever“, das erst im April diesen Jahres in Hamburg seine deutsche Uraufführung gefeiert hatte und ihm selbst- und auf seine Nachfrage hin auch dem Publikum- bis dato unbekannt war.
Wie sehr Thomas Borchert an diesem Abend den verschiedensten Songs seinen Stempel aufdrückte wurde zum guten Schluss noch einmal besonders deutlich. Da präsentierte er eine Rock- Version des Scarlet- Pimpernel- Hits „Falcon in the dive“, die sicher auch bei Rock am Ring begeisternde Resonanz erhalten hätte.

Letztlich lässt sich der Abend in drei Worten zusammenfassen: Witzig, authentisch und persönlich. Borchert wirkte nie aufgesetzt, war immer nah am Publikum und belebte das an sich schon sehr abwechslungsreiche Programm zusätzlich mit Improvisationen, jeder Menge Humor und dem Schlagabtausch mit seinem Gitarristen Harry Peller.
Die Chance, Titel zu singen, die er immer schon mal singen wollte, hat er genutzt und dabei sowohl dem Publikum als auch sich selbst viel Freude gemacht. Und weil es eben so schön war, stimmte er am Ende eines rundum gelungenen Abends gemeinsam mit seinen Zuschauern die Zugabe an: „Don´t let the sun go down on me…“