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Interview

„Die Mehrheit in Sachsen ist rechts eingestellt“ - Interview mit Werner Patzelt, Berliner Morgenpost, 24. Aug. 2018

DRESDEN – Werner Patzelt ist Politikprofessor an der Technischen Universität Dresden und Pegida-Experte. Ein Gespräch über sächsisches Selbstverständnis, die Rolle der Polizei und Wege aus der Polarisierung.

Berliner Morgenpost: Warum ist immer wieder Sachsen Schauplatz rechtsgerichte- ter Demonstrationen und Ausschreitungen?

Werner Patzelt: Pegida, der Vorbote des deutschen Rechtspopulismus, ist nun einmal ein sächsisches Gewächs. Dazu führte auch, dass viele Sachsen stolz da- rauf sind, nach landesüblicher Meckerei zu DDR-Zeiten Mutterland der friedli- chen Revolution geworden zu sein. In deren Tradition verorten sich viele Pegi- da- und AfD-Anhänger. Außerdem pflegen viele Sachsen eine grundständige Aufsässigkeit gegenüber politischen Entscheidungen, die sie nicht verstehen wollen oder können. Ziemlich wenig Verständnis gibt es dafür, dass Deutsch- land zwar sehr viele Migranten aufneh- men, sich allerdings um möglicherweise auch schwierige Folgen keine Sorgen machen wollte. Jene Sachsen, die zu Pegida gegangen sind, sind stolz darauf, die Vorhut einer allgemeinen Ernüchterung gewesen zu sein. Die heutigen Wahlergebnisse der AfD bestätigen sie in ihrer Lagebeurtei- Pegida-Expertelung. 

Welches Verhältnis besteht zwischen dem Freistaat Sachsen, Pegida und der Polizei?Die Mehrheit in Sachsen ist rechts eingestellt – ausweislich der Wahlergebnisse. Es muss also nicht wundern, wenn das im Staatsapparat nicht anders ist. Bei der Polizei kommt hinzu, dass sie von Linken immer wieder heftig kritisiert wird. In Leipzig, einer Hochburg des deutschen Linksradikalismus, werden Polizisten auch immer wieder von Linken attackiert. Pegida-Demonstranten hingegen sind so gut wie nie auf Polizisten losgegangen.

Was muss passieren, damit sich was ändert?

Im Großen müssen weiterhin Fehler unserer Migrations- und Integrations- politik abgestellt werden. Und im Klei- nen muss jeder seinen eigenen Beitrag zur Befriedung unserer Gesellschaft leis- ten. Es gilt zu erreichen, dass aus unse- rer tiefgreifenden gesellschaftlichen Polarisierung wieder ein ganz normaler Streit zwischen politisch unterschiedlich Denkenden wird. Dazu trüge viel bei, wenn die einen nicht länger darauf be- harrten, dass ein jeder, der ein besseres Leben sucht, in Deutschland aufgenom- men wird. Das hat den Rechtspopulis- mus wachsen lassen. Die anderen sollten auf ein Einwanderungsgesetz hinwirken, das denen, die wir im Lande brauchen, eine leichte Einwanderung und rasche Integration ermöglicht.