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Holoride: Gar nicht übel

Mit dem Nachrüst-Set (Puk) können Passagiere auf der Rückbank VR-Spiele im Auto nutzen

Holoride bietet VR-Spiele im Auto, bei denen keine Reiseübelkeit aufkommt, da die Fahrbewegung Teil des Spiels wird. Ein Selbstversuch in Las Vegas.


Es ist bereits meine zweite Autofahrt mit einem VR-Spiel von Holoride. Zwischen beiden Fahrten liegen vier Jahre. Bei der ersten ging es mit hoher Geschwindigkeit über eine Rennstrecke am Rande von Las Vegas. Heute geht es im öffentlichen Verkehr über den Strip, vorbei an den großen Casinos. Der größte Unterschied: die Brille.


Damals war es eine Oculus Rift, heute hat sich Holoride für eine HTC Vive Flow entschieden. Die Brille wiegt weniger als 200 Gramm, was eine längere Nutzung erleichtert. Als Brillenträger lasse ich meine Brille auf, obwohl sich bei dem VR-Gerät die Dioptrienzahl anpassen lässt. Mit einem Controller in der Hand, der einem klassischen Sony-Playstation-Controller nachempfunden ist, wähle ich eines von rund zehn Spielen aus dem Holoride-Angebot.

"Zunächst geht es uns ums Gaming, aber langfristig werden wir es um Edutainment- und Produktivitätsanwendungen erweitern. Je autonomer sich ein Fahrzeug bewegt, umso mehr Bedarf besteht für die Insassen, Zeit anders zu nutzen", sagt Nils Wollny, Gründer und CEO von Holoride, im Gespräch mit Golem.de.


In jedem Auto einsetzbar

Angefangen hat alles als Audi-Projekt. Holoride hat das Produkt dann als selbstständiges Unternehmen zur Serienreife gebracht. Audi ist immer noch Partner und bietet bei etlichen seiner Fahrzeuge ab Modelljahr 2023 eine Holoride-Integration ab Werk. Um die VR-Spiele auch in älteren Autos beziehungsweise Fahrzeugen anderer Marken nutzen zu können, bietet Holoride ein Nachrüstset für 900 Euro an, bestehend aus Controller, Puck und Brille.

Das runde Gerät in der Größe eines Smartspeakers wird mit einem Saugnapf an der Frontscheibe befestigt. Wichtig für die VR-Spiele ist der Zugriff auf die Fahrzeugdaten. Werden Bewegungen im Spiel mit den Fahrzeugbewegungen synchronisiert, die der Körper verspürt, sinkt das Risiko für Reiseübelkeit.


Conbox aggregiert Bewegungsdaten

Im Audi aggregiert eine sogenannte Conbox die Daten vom GPS-Sensor, Beschleunigungs-, Brems- und Lenkinformationen. Per Bluetooth-Verbindung leitet die Box die Informationen verschlüsselt an Holoride weiter. Beim Nachrüstset liefern GPS-Antenne und Gyrosensor die Fahrdaten. "Wir haben das Set eigentlich für Spieleentwickler zu Testzwecken entwickelt. Schließlich hat nicht jeder Zugriff auf ein neues Audi-Modell", sagt Wollny. "Die Erfahrung der Entwickler war so positiv, dass wir uns entschlossen haben, es als Retrofit-Produkt anzubieten. Denn im Durchschnitt ist ein Auto in Deutschland elf Jahre alt."

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