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Sono Motors: Das Moos reicht nicht aus

Proberunde in der dritten Generation des Sion-Prototypens

Wie geht es weiter mit dem Solarauto Sion? Wir waren in München, haben eine Runde mit dem Prototyp gedreht und mit den Chefs von Sono Motors gesprochen.

Der Wettergott ist Sono Motors nicht gnädig. Mit Schneefall verziert er diesen Wintertag in München, kein Sonnenstrahl schafft es durch die dichte Wolkendecke. Der Bildschirm im Sion zeigt 0 Watt. Die 248 Solarzellen auf der Karosserie erzeugen weniger als 50 Watt Energie, "dann wird nur die 12-Volt-Batterie versorgt", erklärt Sono-Motors-COO Thomas Hausch. Nur wenn Gleichstrom in die Hochvoltbatterie im Fahrzeugboden fließt, zeigt der Bildschirm höhere Zahlen für die vier Seiten und das Dach an.


Es ist Tag eins nach der Bekanntgabe der erneuten Finanzprobleme durch die Gründer Laurin Hahn und Jona Christians. Das dritte Quartal wurde mit einem Verlust in Höhe von 43,5 Millionen Euro abgeschlossen. Der Hochlauf der Serienfertigung des Sion ist in Gefahr.


Gemütlich auf dem Flugplatz unterwegs

Eigentlich geht es heute um die dritte Generation der Vorserienmodelle, doch die Journalisten haben vor allem Fragen zur Zukunft des Unternehmens. Laurin Hahn nimmt die Besucher mit in die Prototypenwerkstatt bei einem Dienstleister. Hier entstehen gerade 18 Vorserienfahrzeuge des Sion. Sie sind nach Monden und Planeten benannt. In der Werkstatt stehen Titan, Neptune und Mars. Ein Exemplar ist bereits im spanischen Idiada zum Dauertest auf Kopfsteinpflaster unterwegs. Ein anderes ist für Bremstests in Detroit.


Neptune und Mercury kommen am Nachmittag mit aufs Vorfeld des Flugplatzes Schleißheim. Hier drehe ich einige Testrunden mit dem Solarauto. Es ist meine zweite Fahrt. Bereits im August 2021 durfte ich mit COO Hausch auf dem Beifahrersitz die zweite Generation fahren. Golem.de durfte mit dem Wagen im September 2021 einige Runden auf dem Firmenparkplatz drehen. Ich sehe und fühle die Fortschritte, auch wenn sie in meinem Empfinden klein ausfallen.

Etliche Funktionen im Bildschirmmenü sind noch nicht freigeschaltet. Die Lüftung hat Mühe, die Frontscheibe freizupusten. Mit maximal 60 km/h geht es über das Vorfeld. Später soll der Sion bis zu 140 km/h fahren. Wer schon einmal in einem E-Auto saß, wird von der Beschleunigungsleistung kaum beeindruckt sein. Man spürt: Dieser Wagen ist für die Stadt konstruiert. Mit 1,66 Meter Höhe sitzt man allerdings als großer Mensch gut im Sion. Doch das hat seinen Preis: Mit 0,32 fällt der cW-Wert hoch aus. Wem die Innenausstattung oder die Wagenfarbe nicht gefällt, hat Pech. Es wird nur diese eine Variante geben.

Die Integration der Solarmodule in die Karosserie ist sichtlich besser geworden. Doch Entwicklungschef Markus Vollmer spricht offen über die Probleme mit der sechsten Generation. "Der Übergang vom Solarmodul zum Polymer könnte Risse bilden und das Material ist noch zu wellig", sagt der CTO, der zuvor für Mercedes-Benz tätig war. Die Probleme bekomme man aber mit der siebten Generation in den Griff. Meine Einschätzung zur Fahrt mit dem aktuellen Prototyp muss auf Vollmer wie ein Schlag ins Gesicht wirken.


Produktionsbeginn auf 2024 verschoben

In der Werkstatt listete er Dutzende Punkte auf, die am Sion bereits verbessert wurden. Darunter auch ein Abspecken von rund 100 kg, um das Zielgewicht von 1.730 kg sogar knapp zu unterbieten. Bis März 2023 müssen alle Prototypen für Crash-Tests und Validierungsfahrten fertig sein. Dann stehen für den Rest des Jahres 2023 rund 100.000 Testkilometer auf dem Programm, um alle Kinderkrankheiten zu beheben.

Anfang 2024 soll die Produktion im finnischen Uusikaupunki bei Valmet starten. Bis zur Entwicklung der Serienreife reicht das Geld. Doch für die Produktion muss neues Kapital aufgetrieben werden. Mit der Aktion #saveSion sollen innerhalb von 50 Tagen rund 100 Millionen Euro zusammenkommen.

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