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„Wir fahren alle bereits autonom, ohne uns Gedanken darüber zu machen"

Robert Falck von Einride will Güter autonom und elektrisch über die Autobahn transportieren

Der autonom fahrende Einride-Truck ist auch auf der IAA Transportation ein Hingucker. Im Interview spricht CEO Robert Falck über die nächsten strategischen Schritte, die Ursprünge der Firma und die wachsende Relevanz der Nutzungszeit gegenüber der Reichweite.

Der Lkw ohne Fahrerhaus könnte aus einem Transformer-Film stammen. Das schwedische Unternehmen Einride zeigt auf der IAA Transportation seinen autonom fahrenden Lastwagen, den sie Pod nennen. CEO Robert Falck verkündet in Hannover den Deutschland-Start des Unternehmens. Schon bald wolle man für Kunden wie Electrolux Haushaltsgeräte autonom über öffentliche Straßen transportieren. Für Deutschland spreche neben Lage und Größe auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen autonomer Fahrten auf Autobahnen.


In den USA ist Einride bereits auf öffentlichen Straßen unterwegs. In Schweden transportiert das Unternehmen Waren für Lidl aus Lagern in die Läden. Weitere Kunden sind Maersk und Oatly. Nach Tests auf abgrenzten Firmengeländen mit Schrittgeschwindigkeit und Sicherheitsfahrer, wagt Einride den Schritt in den öffentlichen Verkehr. Sollte ein Fahrzeug Probleme bekommen, übernimmt ein Kontrollzentrum, in dem ein Mensch über die Weiterfahrt bestimmt. Den großen Unterschied zu anderen Transporteuren macht bei Einride allerdings nicht die rollende Hardware, sondern die Software.


NeMo: Wie würden Sie Einride in einem Satz beschreiben?

Falck: Wir sind ein Technologieunternehmen für digitale, elektrische und autonome Gütertransporte.


Sie sind also kein Fahrzeughersteller. Hier neben uns steht ein futuristisches Modell, dass Sie Pod nennen.

Wir brauchten zu Beginn eine Visualisierung unserer Idee. Ja, vielleicht wollten wir damit auch ein wenig provozieren. Langfristig werden wir unsere eigenen Fahrzeuge bauen, aber auf dem Weg dahin nutzen wir Fremdmarken.


Können Sie Beispiele nennen?

Momentan sind wir der größte Einkäufer von E-Trucks. Wir nutzen elektrische Modelle von Daimler und Scania, Paccar, Ford sowie BYD in Nordamerika. Die rüsten wir mit unserem Sensor-Set, Computern und einer Mobilfunkverbindung aus, so dass unser Kontrollzentrum die Fahrten überwachen als auch übernehmen kann.


Wer sind Ihre Kunden?

Unternehmen, die auf der Suche nach effizienten Warentransporten sind. In Schweden liefern wir beispielsweise für Lidl Waren von den Lagern in die Läden. Entscheidender Vorteil ist dabei unsere Frachtmobilitätsplattform Einride Saga. Damit optimieren wir, welche Waren wann und in welchem Laden angeliefert werden.

Warum haben Sie sich für autonome Gütertransporte entschieden? Menschen ohne Fahrer zu transportieren, dürfte wirtschaftlich reizvoller sein.

Als wir 2016 das Unternehmen gründeten, redeten alle über autonomen Personentransport, niemand über Güter. Wissen Sie, was heute das größte autonome Transportangebot der Welt ist?


Keine Idee.

Aufzüge. Millionen Menschen lassen sich täglich in vertikal-fahrenden Metallboxen transportieren. Wir fahren alle bereits autonom, ohne uns Gedanken darüber zu machen. In den Anfangstagen gab es viele Diskussionen über die Gefahr eines Absturzes. Liftboys übernahmen die Steuerung. Heute denkt darüber kaum jemand nach, wenn er oder sie einen Aufzug betritt.


Wie kamen Sie auf die Idee für Einride?

Ich war längere Zeit im russischen Lkw-Werk von Volvo in Kaluga tätig. Danach habe ich Werke in Japan, Brasilien und Indien besucht. Meine Aufgabe war es, die Transportsysteme innerhalb der Fabriken zu automatisieren. Es ist schon eine Ironie, dass sämtliche Bauteile eines Diesel-Trucks mit elektrischen und autonom fahrenden Transportern innerhalb der Fertigung unterwegs sind. Mir verlief der Wandel zum emissionsfreien Transport auf der Straße zu langsam. Von Seiten der Industrie kam zu wenig. Daher gegründet ich zusammen mit Linnéa Kornehed und Filip Lilja 2016 in Schweden Einride.

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