7 Abos und 0 Abonnenten
Artikel

Der Opel mit den drei Gastanks

Der Opel Vivaro-e Hydrogen fährt mit Wasserstoff

Opel bietet noch in diesem Jahr einen Transporter mit Brennstoffzellenantrieban. Wir sind den Vivaro-e Hydrogen Probe gefahren und haben uns die Produktion angeschaut.

Es ist sowohl ein Versuch als auch ein Kompromiss. Noch lohnt sich keine eigene Produktionsstraße für die Brennstoffzellenversion des Opel Vivaro. Somit werden batterie-elektrische Versionen bei der Abteilung Opel Special Vehicles angeliefert und dann umgerüstet.

Die Transporter stehen an Arbeitsstationen in einer Halle auf dem Opel-Gelände in Rüsselsheim. Arbeiter demontieren die elektrische Antriebseinheit aus der Front sowie den Akku aus dem Boden. Letzterer wird durch drei Wasserstofftanks mit jeweils 25 mm Wandstärke ersetzt. Die drei Röhren sind in einem Rahmen befestigt, dessen Größe dem Akku entspricht. Er wird an denselben Stellen wie der Akku mit dem Fahrzeug verschraubt. E-Motor und Leistungselektronik werden um eine Brennstoffzelle mit Protonen-Austausch-Membranen ergänzt und eingebaut.


Kombination aus Akku und Brennstoffzelle

"In der Phase des Hochfahrens dieser Technologie haben wir uns für ein Mid-Power-Concept entschieden", sagt Lars Peter Thiesen, Manager für die Brennstoffzellenstrategie bei Stellantis, dem neuen Mutterkonzern von Opel. Die Brennstoffzelle ist mehr als ein Range-Extender. Doch mit 45 kW Leistung gehört sie nicht zu den stärksten.

Zum Vergleich: Im Toyota Mirai arbeitet eine Zelle mit 128 kW und im Hyundai Nexo eine mit 95 kW. Beide Pkw transportieren keine 1.000 kg Zuladung. Bei Beschleunigung, Überholvorgängen sowie der Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h hilft ein 10,5-kWh-Lithium-Ionen-Akku. Er ist unter den beiden Frontsitzen montiert und stammt aus der E-Version des Peugeot 508.


Zum Kompromiss gehört auch, dass man diesen Akku mit einem Typ-2-Stecker (11 kW) aufladen kann. Sind die 50 km Akkureichweite verbraucht, kann man nachladen. Dafür findet sich schneller eine Ladesäule als eine Wasserstofftankstelle. Laut H2 Mobility liefern in Deutschland 95 Tankstellen gasförmigen Wasserstoff.

Sind die drei Tanks im Boden mit maximal 4,4 kg Wasserstoff gefüllt, liegt die Gesamtreichweite bei 400 km nach dem Prüfzyklus WLTP. Ein vollständiger Tankvorgang soll drei Minuten dauern. Beim Praxistest an der Shell-Station in Weiterstadt landen innerhalb von zwei Minuten nur 1,72 kg in meinen Tanks. Das mag daran liegen, dass an diesem Tag ein halbes Dutzend Vivaro-e dort tanken.


Es dauert, bis die Säule den erforderlich Druck sowie die Temperatur erreicht hat. Bei meinem vorangegangenen Wasserstofftankstopp kostete das Kilogramm 9,50 Euro. Dieses Mal zeigt die Anzeige 12,85 Euro. Der Vivaro verbraucht circa 1,2 kg auf 100 km. Die Strecke kostet somit 15,42 Euro, was deutlich mehr als bei einem Elektroauto ist.

Zum Original