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Elektroautos: Teslas Vorsprung schrumpft

Tesla-CEO Elon Musk zu Besuch in Grünheide

Teslas Siegeszug scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Im September war das Model 3 laut Marktforscher Jato das meistverkaufte Auto in Europa - vor dem VW Golf auf Platz vier. In Deutschland lag der Golf in der Zulassungsstatistik in dem Monat nur noch 58 Stück vor dem Model 3. Die Statistik ist zwar stark dadurch verzerrt, dass Tesla weniger von der Chipkrise getroffen ist als andere Hersteller. Doch es gibt noch weitere Anzeichen, dass Tesla den Automarkt zunehmend dominiert. Zuletzt kündete die Autovermietung Hertz den Kauf von 100.000 Model 3 an - ein Fünftel von Teslas gesamter Vorjahresproduktion. Das lässt den Aktienkurs die 1.000-US-Dollar-Marke nehmen, Tesla ist nun eine Billion Dollar wert.

Hertz kauft die Model 3 zufolge sogar zum Listenpreis, verzichtet also auf großzügige Rabatte, wie es sie von anderen Herstellern gewohnt ist. Dass Hertz sich darauf einlässt, zeigt eindrücklich, welchen Status sich Tesla in der Mobilitätswelt erarbeitet hat. Als erster Massenhersteller von E-Autos wurde Elon Musk lange belächelt. Doch inzwischen zahlt sich aus, dass er mit seinem Unternehmen glaubhaft für die Mobilität der Zukunft steht.

Die Vision reicht dabei über das Auto hinaus. Es gehe ihm darum, den Übergang zu nachhaltiger Energie zu beschleunigen, sagt Musk immer wieder. Kundinnen und Kunden sollen nicht nur emissionsfrei fahren können, sondern die Energie mit Tesla-Solarzellen auf dem eigenen Dach erzeugen. Steht das Auto nicht in der Garage, speichert eine Powerwall den Strom, bis er im Haus oder Auto benötigt wird. Wer einen Tesla fährt, kann sich damit selbst als Visionär fühlen. Das kam bei frühen Käufern gut an.

Inzwischen kommt die zweite Käuferwelle dazu. Sie reicht über die early adopter hinaus. Der neuen Kundschaft ist vor allem der Komfort und die Zuverlässigkeit des Tesla-Ladenetzwerkes wichtig. Das E-Auto zeigt auf seinem großen Bildschirm an, wo und wie lange geladen werden muss. Bei der errechneten Ankunftszeit sind Ladepausen bereits berücksichtigt. An den Supercharger genannten Säulen muss man sich nicht erst anmelden: Stecker rein und der Ladevorgang startet. So unkompliziert und zuverlässig funktioniert das sonst bei kaum einem E-Auto.

Technisch nicht mehr Vorreiter

Elon Musks Strahlkraft und der herausragende Ladeservice dürften derzeit viele zu Tesla ziehen. Mit technischer Überlegenheit hat die Dominanz dagegen nicht mehr viel zu tun. In der jüngeren Vergangenheit gab es kaum Neuerungen im Model 3 oder Model Y. Die Wettbewerberinnen haben die Zeit gut genutzt. Porsche und Audi, Hyundai und Kia setzen statt auf 400 nun auf 800 Volt Spannung in ihren Batterien, das erlaubt deutlich schnelleres Aufladen. Tesla ist noch bei den üblichen 400 Volt. Der Hyundai Ioniq 5 und der Kia EV6 kommen mit 240 Kilowatt Ladeleistung an die maximal 250 Kilowatt des Model 3 heran. Der Porsche Taycan und der Audi e-tron GT übertreffen es mit 270 Kilowatt sogar.

Der Autokonzern Hyundai, zu dem auch Kia gehört, lässt seine aktuellen Modelle sogar Strom wieder abgeben. Im Hyundai Ioniq 5 wie auch im Kia EV6 gibt es eine 230-Volt-Steckdose unter der Rückbank. Über einen Adapter kann das E-Auto so die Energie für beispielsweise ein E-Bike oder die Campingausrüstung liefern. Für den Ioniq 5 wird optional ein Solardach angeboten. Man kann über dessen Effizienz streiten, aber es ist ein innovativer Versuch, weitere Energie zu gewinnen. An solchen Innovationen muss sich Tesla messen lassen und konnte hier zuletzt wenig präsentieren.

Audis prädiktiver Fahrassistent in der E-tron-Reihe passt die Geschwindigkeit dem aktuellen Tempolimit an und bremst eigenständig vor scharfen Kurven oder Kreuzungen. Dazu nutzt das System seine Sensordaten sowie Landkarten. Es fühlt sich an wie ein Autopilot, auch wenn das System noch nicht so heißt.

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