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Sie fahren ein E-Auto? Hier sind 100 Euro

Für ein E-Auto kassiert der Halter jährlich mindestens 100 Euro dank THG-Quote

Das neueste Geldgeschenk vom Staat für E-Autofahrer kommt sperrig daher. Es entspringt der Treibhausgasminderungsquote, abgekürzt THG-Quote. Noch kennen die nur wenige, aber für Halterinnen und Halter von Elektroautos bedeutet sie ab 2022 einen Zuschuss. Mindestens 100 Euro jährlich - und in Zukunft voraussichtlich noch mehr - kann man dann mit wenig Aufwand einstreichen. Dabei spielt es keine Rolle, welches E-Auto die Fahrer nutzen, wo sie laden, ob es Ökostrom ist und wie viele Kilometer sie pro Jahr fahren. Es genügt ein Onlineantrag mit einem Foto vom Fahrzeugschein. Was wie ein willkürliches Geschenk vom Staat klingt, ist ein Baustein im Maßnahmenkatalog für emissionsfreien Verkehr. Bis 2030 soll sich der CO2-Ausstoß des Verkehrs im Vergleich zu 1990 halbieren. Und die THG-Quote soll dazu beitragen.

Wer Mineralölprodukte in den Handel bringt, etwa Tankstellenbetreiber wie BP, muss die Quote erfüllen. Sie legt einen jährlichen Satz fest, um den die CO2-Emission der verkauften Kraftstoffe sinken muss. Aktuell liegt die Vorgabe bei sechs Prozent. Wer in diesem Jahr eine Million Liter klassisches Benzin verkauft, darf im kommenden Jahr nur noch 940.000 Liter absetzen. Ansonsten drohen Strafzahlungen. Die THG-Quote steigt schrittweise bis 2030 auf 25 Prozent. Tankstellenbetreiber müssen aber nicht zwingend weniger Benzin verkaufen, um die Quote zu erreichen. Sie können auch auf Kraftstoffe umstellen, die weniger CO2 emittieren, wie Biodiesel und Benzin mit einem höheren Anteil Bioethanol, etwa E5 oder E10. Auch der Verkauf von Ladestrom für E-Autos fließt in die Berechnung der Quote ein. Aktuell wird Ladestrom sogar mit dem Faktor drei multipliziert und hilft besonders effektiv bei der Quotenerfüllung.

Handel mit CO2-Emissionen

Und die Ölfirmen können sich die CO2-Einsparung von Elektroautos - egal ob privat oder gewerblich genutzt - kaufen und bei ihrer Quote anrechnen lassen. Für jedes E-Auto werden pauschal rund 2.000 Kilowattstunden Energie pro Jahr und die entsprechende CO2-Differenz im Vergleich zum Benzin angerechnet.

Man kennt das System von Autoherstellern, die ebenfalls sinkende CO2-Vorgaben für ihre Flotte einhalten müssen. Sie dürfen dazu in Europa Allianzen bilden. So verkauft Tesla seine Null-Emission an Fiat. Volkswagen bildet rechnerisch einen CO2-Pool mit mehreren chinesischen Autoherstellern. Doch während die Zahl der Autohersteller übersichtlich ist, sieht es bei der Autonutzung anders aus. Die Mineralölkonzerne müssten in Deutschland mit aktuell rund 480.000 Halterinnen und Haltern von E-Autos Kontakt aufnehmen - und zukünftig voraussichtlich sogar mit Millionen. Die Verhandlungen wären viel zu aufwendig. Darum bringen sich mehrere Onlineplattformen als Vermittler in Stellung.

"Wir starten mit einer jährlichen Barprämie von 100 Euro je Elektroauto und bieten 50 Euro je geworbenem Freund. Werben darf jeder, nicht nur E-Autofahrer", sagt Luca Schmadalla. Zusammen mit Partnern gründete er die Plattform Geld-fuer-eauto.de. Auf der digitalen Plattform können sich Interessierte bereits anmelden, auch wenn die neue Verordnung erst ab dem 1. Januar 2022 greift. "Wir übernehmen die Meldung des Fahrzeugs beim Umweltbundesamt und lassen die eingesparten Emissionen zertifizieren. Danach bündeln wir die THG-Quoten für den Verkauf an interessierte Unternehmen", sagt Schmadalla.

Noch gibt es einige offene Fragen. Genügen 100 Euro pro Jahr, um viele Fahrzeughalter anzulocken, sich zu registrieren? Bekommen alle Anbieter ausreichend E-Autos zusammen, um Ölkonzernen ein interessantes Angebot zu machen?

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