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Elektromobilität: E-Autos sind hier unerwünscht

Keine Elektroautos in der Tiefgarage

Im September 2020 brannte es in einer Tiefgarage im oberfränkischen Kulmbach. Dabei wurde die Anlage so stark beschädigt, dass drei Betonreihen mit Stahlträgern abgestützt werden mussten. Die Sanierungsarbeiten dauerten drei Monate und kosteten 195.000 Euro. Einen derartigen Schaden will die Stadt zukünftig verhindern - indem keine Elektroautos mehr in die Tiefgarage fahren dürfen, auch keine Hybridfahrzeuge. Dasselbe gilt für eine weitere Tiefgarage in Kulmbach und eine in Leonberg bei Stuttgart. Müssen Fahrer von E-Autos fürchten, dass sie bald in keine Tiefgaragen und Parkhäuser mehr einfahren dürfen?

Das wäre auch für den Ausbau der Ladeinfrastruktur ein Problem, denn dabei spielen Parkhäuser eine wichtige Rolle. An Einkaufszentren, Flughäfen, Messe- und Kongressgeländen stehen die Fahrzeuge für mehrere Stunden. Ausreichend Zeit für eine vollständige Aufladung.

Der Fall in Kulmbach sorgt für Unverständnis, weil damals kein Elektroauto, sondern ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor in Flammen aufging. Doch die Verantwortlichen in Kulmbach argumentieren, dass brennende Elektroautos in Tiefgaragen noch schwerer zu löschen seien. Dort komme man mit einem Abschleppwagen nicht hinein. Die enorme Hitze könne zudem den Beton zum Abplatzen und die darunter liegenden Stahlträger zum Einknicken bringen. Dann bestehe Einsturzgefahr.

Experten halten Maßnahme für übertrieben

Der ADAC kann die Entscheidung der Stadt nicht nachvollziehen. Grundsätzlich könne nie vollständig ausgeschlossen werden, dass sich ein Fahrzeug aufgrund eines Defektes selbst entzünde - das gelte aber für alle Antriebsarten. Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass Elektroautos eher zum Brennen neigen als Autos mit Verbrennungsmotor, heißt es vom Automobilclub.

Peter Bachmeier hält die Maßnahme in Kulmbach ebenfalls für übertrieben. Er ist Vorsitzender des Fachausschusses Vorbeugender Brand- und Gefahrenschutz der deutschen Feuerwehren. Auch Elektrofahrzeuge seien löschbar, wenn auch etwas schwieriger als Verbrenner, sagt Bachmeier. Die Gründe: Zum einen entstehen beim E-Auto-Brand giftige Dämpfe, die zu Verätzungen der Haut führen können. Entsprechende Schutzkleidung ist notwendig. Zum anderen erfordert der Löscheinsatz deutlich mehr Wasser, denn die Batterie muss nach dem Löschen weiter gekühlt werden. Sonst können Kurzschlüsse in den einzelnen Zellen zu einer erneuten Entzündung führen, die dann von einer zur nächsten Batteriezelle übergreift. Bei der Zersetzungsreaktion wird Sauerstoff freigesetzt, der einen Brand zusätzlich beschleunigt.

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