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Nur Tesla legte in der Krise zu

Erfolgsmodell Tesla Model 3

Für die Autoindustrie war 2020 ein hartes Jahr. Wer im Homeoffice arbeitet und auch sonst zu Hause bleibt, braucht kein neues Auto. Doch in einem schwierigen Umfeld entwickelten sich die E-Auto-Verkäufe sehr gut.


Eine Analyse von Dirk Kunde

Das Coronavirus wirkt sich auf Autoverkäufe aus: 2020 war dafür in Europa das schwächste Jahr dieses Jahrhunderts, wie das Beratungsunternehmen PWC herausgefunden hat. Weltweit falle das Marktvolumen auf den Stand von 2011 zurück. Für Deutschland macht das eine Grafik des Kraftfahrtbundesamts deutlich. Der hellgrüne Neuzulassungs-Verlauf blieb bis August unter den beiden Vorjahren. Die rückläufigen Absatzzahlen bei den einzelnen Marken sind durch rote Balken geprägt. Um die 40 Prozent weniger Neuzulassungen verzeichneten Dacia, Mazda und Suzuki. Bei Smart waren es sogar knapp 70 Prozent. In der KBA-Grafik findet man nur einen einzigen grünen Balken. Der gehört zum einzigen reinen Elektroautohersteller.


Nur Tesla legt zu

Tesla verzeichnet ein Zulassungsplus von 37,2 Prozent. Das ist die gute Nachricht: Die Zulassungen von Autos mit elektrischen Antrieben gingen in Deutschland spürbar nach oben (+ 206 Prozent). 1,06 Millionen Elektroautos und Plugin-Hybride kamen in der EU, Island, Norwegen und der Schweiz auf die Straßen. Reine Elektroautos lägen dabei mit 53 Prozent leicht vorn, schreibt Schmidt Automotive Research.

Dabei dominiert Deutschland den E-Markt. Bis Ende Oktober wurden hierzulande mehr Steckerfahrzeuge zugelassen als in Großbritannien und Frankreich zusammen. 2019 wurden in Deutschland rund 63.000 Elektroautos angemeldet. 2020 lag die Zahl laut KBAbei 194.000. Auch die Anträge für den Umweltbonus zeigen einen deutlichen Trend. 2020 wurden mehr Anträge gestellt (bis November 208.000) als in den gesamten vier Jahren zuvor (165.000). Elektromobilität ist in Deutschland angekommen.


Volkswagen (VW), einer der größten Autohersteller der Welt, wollte 2020 endlich in den Massenmarkt einsteigen. Doch die Premiere des ID.3 verlief nicht wie geplant. Mehrere Verschiebungen und massive Softwarefehler erschwerten den Start des elektrischen Kompaktautos. So wurden im vergangenen Jahr nur 7.144 Modelle des Hoffnungsträgers von VW hierzulande zugelassen.

Die ersten Käufer konnten wählen: Warten auf die finale Software oder mit der Beta-Version fahren und einen Satz Winterreifen geschenkt bekommen. Immerhin konnten sich Erstkäufer über ihre Probleme in einem Online-Forum austauschen - VW hörte zu und gab Antworten. Das ist schon ein Novum in Wolfsburg. Bis zum Dieselskandal wurden Diskussionen mit Kunden eher von oben herab als auf Augenhöhe geführt.


Diess muss kämpfen

Die finale Software wird nun sukzessive bei Werkstattbesuchen aufgespielt. Danach sollen Over-the-Air-Updates möglich sein. Auch bei der Ladeleistung will man beim ID.3 auf bis zu 170 kW nachlegen. Doch berichten Auto-Tester in ihren Videos von einer enttäuschenden Ladeleistung in den aktuellen Versionen, die nicht an die angegebenen 100 kW heranreichen


Der ID.4 wird nun ausgeliefert - und mit ihm weitere Modelle auf der MEB-Plattform. Doch die Weihnachtsspiele von Wolfsburg lassen nichts Gutes erahnen. Vorstandschef Herbert Diess konnte sich mit seinen Vorstellungen nicht gegen den Aufsichtsrat, bestehend aus der Porsche-Familie, dem Land Niedersachsen und den Arbeitnehmervertretern, durchsetzen.



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