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Hyundai Nexo: Wasserdampf im Rückspiegel

Hyundai Nexo im Test

Als Kind fand ich Captain Kirk in der Fernsehserie Star Trek klasse. Doch wenn wir das nachgespielt haben, war ich lieber Lieutenant Sulu. Der saß an einer beeindruckenden Schalttafel und hatte die Enterprise im Griff. Im Hyundai Nexo kann ich meinem Vorbild noch einmal nacheifern. Auf der breiten Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen habe ich 40 Knöpfe und Drehräder unter meinen Fingern. Temperatur runter, Lautstärke rauf - und das 12,3 Zoll große Display soll mir meine Navi-Angaben zeigen.

Der Nexo ist der absolute Gegensatz zu Teslas Elektroautos, in denen fast alles über ein Touch-Display gesteuert wird. Allerdings verstecken sich dort einige Funktionen in Untermenüs. Hier habe ich hingegen direkt jede Funktion im Griff. Optisch wirkt die Konsole altbacken, aber sie offenbart mit dem Direktzugriff ihren praktischen Nutzen.

Um keine Zweifel aufkommen zu lassen: Der Hyundai Nexo ist absolut auf der Höhe der Zeit. In wenigen Schritten habe ich die Bluelink-App und das Auto verbunden. Damit kann ich das Auto aus der Ferne orten, öffnen, vorheizen und die verbleibende Reichweite ablesen. Meine Routen plane ich beim ersten Kaffee am Küchentisch und sende die Ziele ans Auto. Interessant ist auch der Blick auf die Auswertung vom Vortag: Wie weit bin ich gefahren, mit welchem Verbrauch und welcher Durchschnittsgeschwindigkeit?

Tanken will geplant sein

Für die Testfahrt benötige ich noch eine zweite App. H2.Live vom Anbieter H2 Mobility liefert einen Überblick der aktiven Wasserstofftankstellen in Deutschland. Das erledigt zwar auch das Navi im Nexo, aber die Daten sind nicht tagesaktuell. Eine Säule im Hamburger Westen ist defekt. Aufgrund der Coronapandemie kann ein Ersatzteil nicht sofort aus dem Ausland beschafft werden.

Der Hyundai Nexo mit Brennstoffzelle. (Bild: Dirk Kunde)

über duerenhoff GmbH, Raum Adenbüttel Fidor Solutions AG, München

Tanken will also geplant sein, denn aktuell sind gerade einmal 83 Tankstellen aktiv - in ganz Deutschland. In diesem Jahr sollen es 100 werden, doch das Coronavirus könnte den Ausbau verlangsamen.

Ich tanke in den zwei Wochen dreimal, mehr aus Neugier als aus Notwendigkeit, die Reichweite des Nexo liegt bei 666 Kilometern (WLTP). Das Tanken klappt alle drei Male reibungslos und vor allem schnell. Von fast leer bis auf die maximal 6,33 kg in den drei Tanks dauert es fünfeinhalb Minuten.

Schnell tanken, hohe Reichweite, geringeres Gewicht

Einzige Besonderheit: Abgerechnet wird nach Kilogramm, ein Kilo kostet 9,50 Euro. Auf meinen 1.500 Testkilometern mit hohem Autobahnanteil liegt mein Verbrauch bei 1,1 kg pro 100 km (0,95 kg WLTP).

Somit zahle ich 10,45 Euro pro 100 km. Das geht mit Strom und Benzin günstiger, liegt aber an der Herstellungsmethode von Wasserstoff und der geringen Abnahmemenge für Autos. Wasserstoff wird hierzulande noch vorwiegend mit konventioneller Energie für die Bereiche Glas, Metallurgie und Chemie produziert. Eine industrielle Elektrolyse mit grünem Strom würde nicht nur die Mobilität CO2-frei, sondern vor allem auch günstiger gestalten.

Aber im Fall von Wasserstoff fehlt beides, also Henne und Ei. Es gibt kaum Serienfahrzeuge, wenige Tankstellen und fast keinen grünen Wasserstoff. Dieser Teufelskreis wird in Deutschland so bald nicht durchbrochen, zumindest nicht bei Pkw.


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