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Satelliten setzen das Auto in die Spur

Mitsubishi Electric liefert die Satelliten für eine präzise Fahrzeugpositionierung

Mitsubishi Electric ist ein hierzulande unbekannter Industrie-Gigant. Neben Aufzügen und Klimaanlagen wollen die Japaner das autonom fahrende Auto zentimetergenau auf einer Fahrspur positionieren. Dabei hilft auch eine KI mit dem fantasievollen Namen Maisart.

"Auf eine Reifenbreite genau halten wir das Fahrzeug in der Spur", sagt Kiyotake Fukuyoshi, Senior General Manager für das High Precision Positioning System von Mitsubishi Electric. Für das hochautomatisierte Fahren (Level 4) nutzt das Unternehmen neben eigenen Satelliten, selbst erfassten HD-Karten sowie Fahrzeugsensoren Kameras aus eigener Herstellung. Lediglich ein eigenes Auto fehlt. Mit der gleichnamigen Automarke hat Mitsubishi Electric (ME) keine Verbindung. Seit 1921, also seit fast hundert Jahren, konzentriert sich ME auf Industrietechnik. Heute arbeiten 145.000 Menschen für den Konzern mit 40,7 Mrd. Dollar Umsatz. Im WIPO Patent-Ranking belegte ME 2018 mit 2.812 Anträgen Platz 2.

Fukuyoshi klickt weiter durch seine Präsentation. Hätte der Raum in der ME-Zentrale Fenster, würde man auf den Hauptbahnhof der japanischen Hauptstadt Tokio blicken. Alle paar Minuten verlässt ein Shinkansen-Schnellzug den Bahnhof. Sie fahren mit bis 320 km/h in den Norden und Süden der Insel. Den Betrieb nahmen die Schnellzüge 1964 zu den Olympischen Spielen auf. Im kommenden Jahr ist Tokio erneut Ausrichter der Sommerspiele. 2020 will die japanische Autoindustrie erste autonome Fahrzeuge rechtzeitig zum Transport von Athleten und Zuschauern auf der Straße haben.

Korrektur von Satellitensignalen

Entscheidender Baustein beim autonomen Fahren ist das Quasi Zenith Satellite System. ME lieferte der japanischen Regierung vier Satelliten, die nun in Form einer Acht über Japan, Indonesien, Papua-Neuguinea und Australien kreisen. Mit ihren Signalen werden die Fahrzeuge auf der Fahrspur ausgerichtet. Die Regierung betreibt dazu rund 300 Referenzstationen am Boden, die Fehler in den Satellitendaten korrigieren. Atmosphärische Störungen in der Tropos- sowie Ionosphäre beeinflussen die Laufzeiten der Satellitensignale. Das führt zu ungenauen Positionsberechnungen. Da die Standorte der Referenzstationen bekannt sind, kann die Abweichung berechnet und korrigiert werden. ME liefert dazu den Korrekturalgorithmus.

Die Korrektur fehlerhafter Satellitendaten ist eine globale Herausforderung. Darum gründete ME zusammen mit Bosch, Geo++ und U-Blox in Europa das Unternehmen Sapcorda mit Hauptsitz in Berlin. Der Name steht für Safe And Precise Correction Data.

Das Ergebnis aus den korrigierten Satellitendaten bezeichnet ME als Centimeter Level Augmentation Service (CLAS). Welcher japanische Autohersteller CLAS nutzen wird, verrät Fukuyoshi noch nicht. ME kombiniert beim autonomen Fahren die Satellitendaten mit den Sensordaten aus dem Fahrzeug. Das ermöglicht autonomes Fahren auch in Gegenden, für die kein HD-Kartenmaterial vorliegt, beispielsweise Firmengelände, private Grundstücke oder entlegene Wohngebiete.


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