Dirk Kunde

Technologie-Journalist, Hamburg

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Tesla-Fabrik in Brandenburg: Remote, Germany

Tesla-Produktion in Fremont - demnächst in Brandenburg

Elon Musk versteht zu überraschen - immer wieder. Bei Berlin, in der Nähe des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg, soll bis Ende 2021 die Gigafactory 4 entstehen. Mit dem Goldenen Lenkrad für das Model 3 in der Hand, kündigte Elon Musk im Gespräch mit Moderatorin Barbara Schöneberger diese Neuigkeit an. Bei Axel Springers Preisverleihung verriet Musk den Standort der nächsten kombinierten Batterie- und Autofabrik.

Später unterbrach er seine selbst auferlegte Twitter-Abstinenz und schrieb: "GIGA BERLIN". Mit Herzen in Deutschland-Farben. Musk als Deutschland-Fan und Neu-Berliner. "Ich komme oft nach Berlin. Berlin rocks", sagte er bei der Preisverleihung. Begeisterung in Brandenburg. Enttäuschung in Niedersachsen. Als eigentliche Favoriten für den Standort galten Emden, Dörpen und Papenburg im niedersächsischen Emsland. Die sind nicht so sexy wie die Hauptstadt, doch vieles sprach für den nordwestlichen Rand der Bundesrepublik.

Alles sprach für das Emsland

Die Argumente für diese Orte leuchten ein: Es gibt einen Zugang zur Nordsee und damit zum tideunabhängigen Tiefseehafen Jade-Weser-Port. Günstiger und vor allem grüner Strom hätte aus Offshore-Windparks aus der Nordsee bezogen werden können. In der Region leben und arbeiten etliche Auto-Fachkräfte, die bislang an diversen Volkswagen- und Daimler-Standorten (Bremen) beschäftigt sind. Da die klassischen Autohersteller in Zukunft Jobs abbauen, wären sicherlich etliche Facharbeiter bereit für einen Wechsel, ohne gleich umziehen zu müssen.

Aber auch die logistische Nähe zu wichtigen Absatzmärkten wie den Niederlanden sprachen für das Emsland. Es wäre sogar ein Ausbau des bereits bestehenden Montage-Standortes im niederländischen Tilburg wahrscheinlicher gewesen.

Einiges spricht für Berlin 

Doch Elon Musk ist berühmt für seine Alleingänge und Sonderwege. Neben der Fertigung in Brandenburg soll in Berlin ein Design- und Entwicklungszentrum entstehen. Zusammengenommen könnten die Vorhaben bis zu 10.000 neue Jobs schaffen, vermutet die Bild-Zeitung. Obwohl Berlin in den 1920er Jahren als größte Industriestadt Europas galt, ist nach dem Zweitem Weltkrieg und Mauerfall nicht mehr viel davon übrig geblieben. Immerhin gibt es noch die Mercedes-Werke in Marienfelde und Ludwigsfelde (Brandenburg) sowie die BMW-Motorradproduktion in Spandau mit zusammen 6.500 Mitarbeitern.

Für das Design- und Entwicklungszentrum ist Berlin hingegen der perfekte Standort. Als Startup-Hochburg in Deutschland leben hier viele Talente. Etliche Großunternehmen betreiben in der Stadt ihre digitalen Forschungslabors. Die Mobilitätsdienstleister von Daimler und BMW unter der Marke Share Now, Volkswagens Moia, aber auch der Innovation-Hub der Lufthansa sitzen in der Hauptstadt.

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