Dirk Kunde

Technologie-Journalist, Hamburg

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Die Gezeigtwagen-Messe

Der Porsche Taycan wurde eine Woche vor der IAA der Öffentlichkeit präsentiert

Das Wort Neuheit wird von den Autoherstellern bei der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt dehnbar eingesetzt. Insbesondere, wer neue Elektroautos sehen will, wird bei einem Besuch enttäuscht. Die meisten Modelle wurden bereits vorab gezeigt. Einige Hersteller bieten gar nichts Neues und überdecken diese Tatsache mit futuristischen Konzeptautos, die es nie auf öffentliche Straßen schaffen werden.

Das Motto der 68. IAA lautet zwar "Driving tomorrow", doch ausgerechnet die erfolgreichsten E-Auto-Verkäufer wie Renault (Zoe), Tesla und Nissan (Leaf) haben keinen Stand auf der Messe. Aus dem französischen PSA-Konzern darf nur Opel den Corsa E präsentieren.

Der ID-3 dominiert

So bestimmt Volkswagen mit dem ID.3 die Schlagzeilen. Auch wenn man die poppig-bunte Version bereits in diversen Testvideos gesehen hat, und VW-Chef Herbert Diess mit Bundestrainer Jogi Löw damit zum Pokalfinale in Berlin fuhr, wird die Enthüllung in Frankfurt als Weltpremiere gefeiert. Dieses Elektroauto ist für den Konzern so wichtig wie der Käfer oder der Golf. Es ist der Einstieg in den batterie-elektrischen Massenmarkt für den größten deutschen Autokonzern.

Kritiker behaupten, erst der Dieselskandal habe es Diess ermöglicht, die ID-Fahrzeugserie und den modularen Elektrobaukasten (MEB) im Konzern durchzusetzen. Den Neuanfang inszeniert Volkswagen mit einer schlichteren Logoversion. Man gibt sich menschlicher, weiblicher (Sprecherin bei TV-Spots) und verspielter. Das Fahrpedal im ID.3 trägt ein Play-, die Bremse ein Pause-Logo. Die Frontscheinwerfer scheinen ihren Besitzern beim Öffnen zuzuzwinkern.

Der ID.3 wird im Frühjahr 2020 mit zwei Motorvarianten (110/150kW) und drei Akkugrößen (45, 58, 77 kWh) ausgeliefert. Die leichteste Version wiegt 1.720 kg und kommt 330 km weit. Rechnerisch liegt dabei der Verbrauch bei 13,6 kWh auf 100 km. Per CCS-Stecker lädt der ID.3 mit bis zu 100 kW. Das Auto bekommt seine eigene App, um den Ladestand aus der Ferne kontrollieren zu können.

Damit potenzielle Käufer nicht von der Ladethematik abgeschreckt werden, bietet Volkswagen einen ID-Charger (Wallbox), einen Ökostromtarif sowie eine Ladekarte (We Charge) zur Nutzung an 150.000 öffentlichen Ladesäulen in Europa. Der Einstiegspreis für den Volkselektrowagen liegt knapp unter 30.000 Euro.

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