Dirk Kunde

Technologie-Journalist, Hamburg

8 Abos und 0 Abonnenten
Artikel

Nicht mehr vom Müllwagen geweckt werden

Elektrischer Müllwagen im Testbetrieb in Wien

In der Wiener Josefstadt bleibt es heute Vormittag ruhig. Dabei werden gerade die Mülltonnen geleert. Es ist nur noch ein leises Klappern zu hören, wenn die leeren Kunststoffbehälter nach dem Entleeren auf die Straße gesetzt und an ihren Platz zurückgeschoben werden. Die Erklärung für die morgendliche Ruhe steht an den Seiten des orangefarbenen Fahrzeugs: E-Power. Es ist Österreichs erstes elektrisches Müllfahrzeug.

Die Stadt Wien hat es in Zusammenarbeit mit den Unternehmen Framo, MUT und MAN entwickelt. Die zwei Batterien fassen 230 Kilowattstunden (kWh) Energie. Sie versorgen den Antrieb des 9,1 Meter langen Fahrzeugs, aber auch die Tonnenentleerung sowie die Müllverdichtung. Der Strom genügt für 100 Kilometer Reichweite und 18 Kubikmeter Sammelvolumen. Die Uni Wien begleitet den einjährigen Praxistest des elektrischen Müllautos. Es wird bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen innerhalb des Wiener Gürtels für die Restmüllsammlung sowie die Altpapierabholung eingesetzt.

In Basel ist man bereits weiter und will 20 alte Müllfahrzeuge durch die gleiche Zahl elektrischer Fahrzeuge ersetzen. Anschaffung, Unterhalt und Betrieb fallen bei den elektrischen Versionen um 36 Prozent teurer aus. Doch der geringere Schadstoffausstoß und weniger Lärm wögen die Mehrkosten deutlich auf, schreibt der Regierungsrat in seinem Antrag für die Geldmittel. Theoretisch kann die Müllentsorgung mit den leisen Fahrzeugen auch am Abend oder in der Nacht erfolgen. Das würde die morgendliche Verkehrssituation in Städten entzerren und die Schichtplanung bei den Reinigungsbetrieben vereinfachen.

Städtischen Betrieben, die nicht ihre komplette Flotte umstellen wollen, bietet das dänische Unternehmen Banke ein Umrüst-Kit. Dabei wird ein Lithium-Ionen-Akku zwischen Fahrerhaus und Aufbau montiert. Die Berliner Stadtreinigung testet eines der sogenannten E-PTO Systeme. Es treibt die Hydraulik zum Entleeren und Komprimieren der Abfälle mit Strom an. Der Dieselmotor bleibt währenddessen im Leerlauf. Neben Lärm spart der Banke-Akku bis zu 25 Prozent Treibstoff auf den Touren ein. Noch leiser und vollelektrisch wird der Müll in der Innenstadt von Utrecht eingesammelt.

Zum Original