Dietmar Braun

Fachjournalist, Hochschuldozent, Heilbronn

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Von Finanz Experten lernen

(db finanzwelt) Es gibt Experten von denen können alle viel lernen. Vor allem wenn es um die Themen Selbstbewusstsein, Pension, Steuer, Flexibilität, also rund um Finanzen und Recht geht.


Oberste Wertpapieraufseherin in Deutschland war seit 1. Mai 2015 Elisabeth Roegele. Die Juristin leitete den entsprechenden Bereich bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (kurz: BaFin). Zuvor war sie Chefsyndikus bei der Deka Bank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen.


Fünfmal war die noch 2020 amtierende Vizepräsidentin der Finanzaufsicht BaFin zwischen den Banken als Privatwirtschaft und den Behörden hin- und hergewechselt.


Sie galt als „Allzweckwaffe" für so brisante Themen wie Cum-Ex und Wirecard. Selbst vor dem Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestages meinte die Managerin und Juristin „ich habe mir nichts vorzuwerfen". Da hat sie wohl absolut Recht. Neben den Spitzengehältern über sehr viele Jahre darf sie jetzt eine Rente und Pension erwarten, von der normale Bürger nur träumen, aber nie erreichen.


Expertin ist, wer eine Rolle spielt

Roegele war sogar in die Aufklärung eines Skandals eingebunden, in dem sie selbst eine Rolle spielte. Roegele war die Expertin der Sparkassen für Cum-Ex-Geschäfte. Jahrelang betrieben Banken und Investoren zufällig einen Aktienhandel, bei dem die Gewinne aus der Steuerkasse kamen.


Durch eine bestimmte Verschachtelung der Geschäfte erreichten die Beteiligten, dass Finanzämter eine nur einmal abgeführte Kapitalertragsteuer mehrfach erstatteten. Der entstandene Schaden für den Steuerzahler wird auf über zwölf Milliarden Euro geschätzt, also satte 12.000 Millionen Euro. Roegele arbeitete neun Jahre lang als Chefjuristin bei einer Bank, wo sie das dicke Geschäft betreute.


Roegele sieht ihre Verdienste

Als das Finanzamt endlich merkte, was geschah, und der Deka Bank der deutschen Sparkassen die Erstattung versagte, brachte die Chefjuristin Roegele selbstbewusst eine Klage auf den Weg. 2016 verlor die Bank und musste die erwarteten 53 Millionen Euro aus Cum-Ex-Geschäften doch noch endgültig abschreiben. Roegele war da schnell und clever als Vize-Chefin zur BaFin gewechselt.


Roegele will sich zu Einzelheiten im Cum-Ex Skandal verschwundenen 1,9 Milliarden Euro von Wirecard und ihre Rolle dabei nicht äußern. Nirgends stehe, dass die BaFin rechtskräftige Urteile braucht, um sich ein Bild zu machen, so darf spekuliert werden, da kenne sich die Insiderin wohl aus. Wenn die Behörde wirklich die komplette strafrechtliche Aufarbeitung abwarten will, wären noch Jahre vergangen, bevor sie hätte handeln können. Anders war das mit Journalisten die Hintergründe zu den Skandalen aufdeckten, gegen sie gingen die behördlichen Experten juristisch vor.


Aufsicht bedeutet: wegschauen

Der Finanzausschuss mied eine Frage, die über die prominente Roegele hinausgeht: Wozu braucht ein Finanzmarkt eine Aufsicht, wenn diese nicht durchgreifen will? Als 2016 die damals 26-jährige Bankerin Folter (der Name ist nicht geändert) den Wirecard Skandal in der Aufsicht erkannte, griff die dominante Chefin Roegele nicht zu, sondern spielte mit anderen das Thema sehr geschickt herunter.


Am Ende nahmen Frau Roegele und ihr Chef Felix Hufeld den Hut um in die „wohlverdiente" Pension zu wechseln. Aber vielleicht tauchen beide wieder als Experten auf, wer Milliarden-Löcher übersieht oder managen kann sind in bestimmten Kreisen immer gesucht. Von solchen Experten lässt sich viel lernen.


Dietmar Braun, freier Fachjournalist (DFJV)

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