Dietmar Braun

Fachjournalist, Hochschuldozent, Heilbronn

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Artikel

Allianz und Wüstenrot gehen voran

Allianz und Wüstenrot setzen auf Digitales und Home-Office

Die deutsche Assekuranz hat in der Corona-Phase das Home-Office entdeckt. Viele Führungskräfte realisieren zum ersten Mal, was technisch aufgrund der Digitalisierung bereits möglich ist.


(db finanzwelt 2020-08-18) Für eine Konferenz ist heute kostengünstiges Equipment völlig ausreichend. Alles kann ad-hoc und auf dem Handy via Zoom gestartet werden, Instrumente wie Slack fördern Kommunikation, die besser ist, wie früher die langweilige und unnötige E-Mail.


Die Mitarbeiter kannten teilweise schon das Arbeiten im Home-Office. Sogar die Produktivität stieg. Gleichzeitig entstand eine neue Natürlichkeit in der Kommunikation und im Umgang mit den neuen Medienkanälen oder Konferenz-Diensten wie Zoom. Zoom erwies sich vor allem als die Plattform, welche seltener abstürzt, als bei Konferenzen auf Skype.


Marktführer in Bewegung

„Die Allianz erwarte, dass längerfristig bis zu „40 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause arbeiten" werden, sagte Allianz-Vorstand Christof Mascher dem Handelsblatt. „Aber auch eine höhere Zahl ist möglich.".


Der Deutschlandchef der Unternehmensberatung Bain & Company, Walter Sinn, geht davon aus, dass künftig 20 bis 30 Prozent der Büroarbeitsplätze in Deutschland überflüssig werden. Nach Berechnungen der Berater könnten in den nächsten fünf bis sieben Jahren zwischen drei und fünf Millionen Beschäftigte ihren Arbeitsplatz aus dem Firmenbüro wegverlagern." ( Handelsblatt 9.8.2020 und Allianz Presseerklärung)


Die Überraschung war dem Marktfürer der Versicherer gelungen. Die Allianz SE bekennt sich zum Home Office. Allerdings hatte bereits vor der Corona-Pandemie der mächtige Allianz-Chef Oliver Bäte angekündigt die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Auf der Bilanzpresse-Konferenz in 2019 sagte er wörtlich als Warnung an Führungskräfte die nicht mitziehen wollen: „ Wer mit uns den neuen Weg nicht geht, kann gehen."


„Bisher setzte die Allianz - wie viele andere Großkonzerne auch - darauf, ihre Mitarbeiter in Firmenzentralen und großen Büros an einem Ort zusammenzubringen. Allein auf dem Campus des Versicherers in München-Unterföhring, wo die Zentrale der Allianz Deutschland in einem Gewerbegebiet residiert, arbeiten derzeit noch rund 8.000 Beschäftigte auf einer Fläche von gut 390.000 Quadratmetern. Doch die neue Allianz nach Corona könnte künftig deutlich digitaler und dezentraler aussehen als bisher." „Jetzt sehen wir, dass wir zentrale Betriebsfunktionen virtuell darstellen können", so der Allianz Vorstand Christof Mascher. „Wir können digital um einen Tisch sitzen. Deswegen werden wir künftig mit kleineren Büros arbeiten."

Krise bei Gewerbe-Immobilien?


Werden jetzt die gewerblichen Flächen entmietet und alle im Bau oder Planung befindliche Projekte gestoppt? Ist die Zeit des eigenen persönlichen Arbeitsplatzes im Unternehmen vorbei? Haben die Mitarbeiter künftig nur noch einen ‚Roll-Container' wenn sie vor Ort sind? Die Antworten auf diese Fragen sind wohl ein deutliches Ja.


Die Sorgen bei den Vermietern von gewerblichen Großflächen in den Innenstädten wachsen an, weil vor allem Banken und Versicherer sich zurückziehen oder verkleinern werden. Während die Preise für Immobilien im privaten Bereich stagnieren oder sogar steigen, fallen wegen der ausbleibenden Mieten die Preise im Sektor Gewerbe-Immobilien. Den Rest wird den Vermietern von gewerblichen Flächen in den Innenstädten die ansteigende Zahl von Insolvenzen in Folge von Corona geben. Aber es gibt einen Ausweg, die Wandlung der gewerblichen Immobilien in Wohn-Immobilen. Dann leben auch wieder mehr Menschen in den Innenstädten, was in sich auch einen Mehrwert darstellt.


Wüstenrot wie der Marktführer


Ein erstes Anzeichen dass in der Bau-Branche ein Wandel gelingt sind die Quartalsberichte von der Bausparkasse Wüstenrot, der W&W Vorstand berichtet aktuell von stabilen Geschäftszahlen und kündigt sogar einen Jahresgewinn für 2020 an. Auffällig bei der Wüstenrot & Württembergische (W&W AG) ist, dass die Experten aus Baden-Württemberg, genauso wie der Marktführer Allianz SE, Erfolge mit den Mitarbeitern im Home-Office und in der Digitalisierung der Assekuranz verkünden.


Alternative Medien in Heim-Arbeit


Es bleibt spannend. Auch die klassischen Medien verspüren jetzt schon den Druck durch viele neue alternative Medien, welche geschickt die Vorteile und Mehrwerte der Digitalisierung nutzen. Die Kosten für eigene Druckmaschinen oder Redaktions-Räume entfallen bei den freien Journalisten.


Dietmar Braun, freier Fachjournalist (DFJV)

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