Dietmar Braun

Fachjournalist, Hochschuldozent, Heilbronn

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Ausverkauf bei privaten Renten

Jetzt in Richtung private Rente ist noch rentabel.

Zinsen, Rendite, Garantien - das sind Gründe sich noch eine rentable Renten-Police nach aktuellen Bedingungen zu sichern. Die Zukunft der bald „alten" Policen ist rentabel.


(2020-07-03 db finanzwelt) Vor dem Beginn der Corona-Pandemie war von Experten für private Renten, Lebensversicherungen und Fondspolicen erwartet worden, dass der Höchstrechnungszins bereits zum 1. Januar 2021 gesenkt wird.


Auf ihrer Website empfiehlt die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) die deutliche Absenkung des Rechnungszinses von aktuell 0,9 auf dann 0,5 Prozent. Der Hintergrund sind die Marktzinsen, wo sich das schwache Zinsniveau der vergangenen Monate in näherer Zukunft kaum spürbar verbessern wird.

Daher sei eine Absenkung des Höchstrechnungszinses für Neuverträge ab 2021 notwendig. Der aktuelle historische Tiefstand würde dadurch erneut unterschritten werden. Zwischen den Jahren 1994 und 2000 betrug der Rechnungszins noch satte 4,0 Prozent.


Rechnungszins bestimmt die Rendite

Der Rechnungszins dient als elementare Kalkulationsgrundlage für Lebensversicherungen und dies nicht nur für klassische Policen, sondern auch für Fondspolicen mit Garantien. Die vertraglich zugesicherten Garantien werden teilweise über den Deckungsstock des Versicherers dargestellt, der je nach Tarifgeneration auf Basis des für den Tarif gültigen Höchstrechnungszinses verzinst wird.


Termin der Zinssenkung offen

Bei der Suchanfrage „Rechnungszinssenkung" im Internet, erhält man widersprüchliche Aussagen, ob die Rechnungszinssenkung nun kommt oder nicht. Auf eine kleine Anfrage (Drucksache 19/17953) der FDP-Fraktion im Bundestag hat die Bundesregierung zur Semkung des Rechnungszins geantwortet, dass bisher keine Entscheidung getroffen wurde. Somit ist die Rechnungszins-Senkung weder beschlossen noch vom Tisch.


Dieser Schwebezustand hat aber Auswirkungen auf die Assekuranz

Eine Rechnungszinssenkung bedingt eine Neukalkulation der betroffenen Produkte, die wiederum in den IT-Systemen der Versicherer abgebildet werden muss. Eine Umsetzung in weniger als sechs Monaten ist bei vielen Anbietern unrealistisch.


Makler kaufen jetzt ein

Die Senkung des Höchstrechnungszinses wird - sofern es keine elementaren Veränderungen an den Finanzmärkten gibt - kommen wahrscheinlich nicht direkt zum 1. Januar 2021, sondern erst etwas später umgesetzt. Die Auswirkungen auf die aktuellen Produktwelten sind dann aber sehr groß, da mit einem Höchstrechnungszins von 0,5 Prozent der Zinsertrag zu gering ist, um eine Beitragsgarantie auf die Bruttobeiträge zum Rentenbeginn zu geben. Damit wird es die „Fondspolice mit 100 Prozent Bruttobeitragsgarantie" bald nicht mehr geben. Realistisch sind dann nur noch Produkte mit maximal 80 Prozent Beitragsgarantie.


Sobald die Höchstrechnungszinssenkung konkret terminiert ist, wird es zu einem Schlussverkauf von Fondspolicen mit Bruttobeitragsgarantie kommen. Wer als Versicherungsmakler oder Maklerin klug für seine Mandanten einkauft, handelt im Interesse der Versicherten bereits jetzt.


Dietmar Braun, freier Fachjournalist (DFJV)

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