Dietmar Braun

Fachjournalist, Hochschuldozent, Heilbronn

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Artikel

Der Bär steppt - sie kann es

Dunkle Mächte rund um Prinzessin Doro. Die Macht kennt dunkle und schwarze Seiten.

Der Guttenberg ist wieder da. In einem Umfeld „wo der Bär los ist". Die für Digitales zuständige Dorothee Baer ist da nicht gemeint. Für die Skandale sind ja Männer-Bünde zuständig.


Der deutsche Ex-Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist als „President in Charge of General Affairs" von Augustus Intelligence eingetragen. Er ist Anteilseigner des Start-up Unternehmens mit dem prominenten Briefkasten-Sitz in New York (77. Sock, World Trade Center). Dort sitzt dem New Yorker Unternehmensregister zufolge die Beratungs- und Investmentfirma Spitzberg Partners. Spitzberg Partners gehört wiederum dem Karl-Theodor zu Guttenberg.


Deutsche Bosse von Augustus

Die Chefs von Augustus Intelligence sind mit Wolfgang Haupt und Pascal Weinberger zwei Deutsche. Das Unternehmen kam jetzt in die Schlagzeilen, obwohl es weder besonders nennenswerte Produkte oder Umsätze vorweist.


Das Unternehmen hat aber bekannte Lobbyisten wie Philipp Amthor (MdB CDU) und der Ex-Chef des deutschen Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen. Der Abgeordnete Amthor hatte laut „Spiegel" Lobbyarbeit für Augustus Intelligence betrieben und sich von dem Unternehmen in teure Hotels, wie in St. Moritz oder New York, einladen lassen, er habe sogar als Bundestags-Abgeordneter einen Direktorenposten bekleidet und dafür


Aktienoptionen als Lohn erhalten.

Im Herbst 2018 hatte, laut dem Nachrichten-Magazin „Spiegel", Amthor als MdB mit einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) um politische Unterstützung gebeten. Der Entwurf des Schreibens wurde dem Nachrichten-Magazin zufolge auf Briefpapier des Deutschen Bundestags verfasst und kursierte vor dem Versenden im Unternehmen und in informierten Kreisen.


Augustus sei ein Wunderkind

Augustus Intelligence ist ein Start-up im Bereich Künstliche Intelligenz mit gewaltigen Ambitionen: Im März 2020 hatte es nach eigenen Angaben 80 Mitarbeiter. Laut „Spiegel" gibt das Unternehmen an, in den USA Datenzentren zu betreiben und Software zur Gesichts- und Objekt-Erkennung anbieten zu wollen. Seit Anfang 2020 gehört auch das Unternehmen XBrain zu Augustus Intelligence.


XBrain soll zunächst an einer Art Assistenten für Autofahrer gearbeitet haben und soll dann auf die umstrittenen Chat Bots, also Sprach-Roboter für Multi-Marketing im Internet, für Unternehmen entwickelt haben.


Wenn die eigenen Angaben stimmen, würde Augustus mit den milliardenschweren Cloud-Töchtern von Amazon, Microsoft und Google konkurrieren. Das tun zwar viele KI-Start-up, aber das soll noch nichts heißen, speziellere Aspekte der Künstlichen Intelligenz, wie automatische Spracherkennung, Gesichtserkennung oder Übersetzung sind im Markt gefragt.


Amthor gibt auf

Philipp Amthor bezeichnete seine Arbeit für die US-Firma auf Nachfrage als einen Fehler. Zwar habe er seine Nebentätigkeit für das Unternehmen bei Aufnahme in 2019 der Bundestagsverwaltung offiziell angezeigt.


„Ich bin nicht käuflich", sagte Amthor, der Vorsitzender der Landes-CDU in Mecklenburg-Vorpommern werden will, letzte Woche. „Gleichwohl habe ich mich politisch angreifbar gemacht und kann die Kritik nachvollziehen. Es war ein Fehler."


Es kann nur eine geben

Was bleibt? Karl-Theodor zu Guttenberg muss sich einen neuen Lobbyisten suchen. Wie wäre es mit einer talentierten Politikerin aus Bayern und der CSU? Da wäre eine Expertin die sich mit künstlicher Intelligenz und Digitalisierung auskennt: Dorothee Bär. Aber die ist zu klug, um sich nur als eine Art von Lobby-Frau zu verdingen. Der Bär-Kollege Thomas Strobl, Digitalminister in Baden-Württemberg, hat besseres vor, als sich den Kreisen von Maaßen oder Amthor zuzuwenden.


Nicht ist spannender wie Wirtschaft - so wirbt ein deutsches Magazin. Der Deutschen Bank wäre das mit Augustus wohl nicht passiert, da dort Erfahrungen mit Roland Berger Beratern vorhanden sind.


Dietmar Braun, freier Fachjournalist (DFJV)

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