Dietmar Braun

Fachjournalist, Hochschuldozent, Heilbronn

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Artikel

Der Zauber der Zukunft

Reisen als Urlaub könnten danach enttäuschte Erwartungen sein. Wir buchen uns den Traumurlaub und stellen uns vor, wie es sein könnte. Die Erfahrungen vor Ort können enttäuschend sein.


Der Strand ist nicht so schön wie gedacht oder das Essen schmeckt nicht. Einige bösartige Menschen verderben uns die Laune. Für die ökonomische Entscheidung waren all diese Erfahrungen wohl kaum relevant, sondern nur die Erwartung und Zuversicht im Vorfeld. Urlaub in der Fremde ist oft eine Art Lotterie. Der einzige Trost, in der Erinnerung verbleibt nur das Schöne, der Ärger verblasst schnell.


Kaufrausch und Ernüchterung

Als Verbraucher werden wir erst beim Konsum und Gebrauch ernüchtert. Dabei spielen Werbung und Marketing eine Rolle. Werbung zeichnet extrem positive Bilder von Produkten auf, die wir dann nachfragen, weil die Werbung gezielt mit unseren Emotionen spielt und uns in einen Rausch versetzt.

Das tatsächliche Erlebnis kann mit den Vorstellungen nicht mithalten. Dem Kaufrausch folgt die Kauf-Reue. Dagegen halten die Anbieter mit Garantien, Umtauschrecht oder Erstattung des Kaufpreises.


Neu als Zauberwort

In der kapitalistischen Wirtschaft lässt sich beobachten, dass wir einfach ständig neue Erwartungen entwickeln. Das Alte wird vergessen, unsere Projektionen richten sich auf andere neue Produkte. Neuheit ist da eine Art Zauberwort. Aber nicht jedem neuen Anfang wohnt ein Zauber inne.


Der Kreislauf-Mechanismus ist Grundlage für die Fortsetzung von wirtschaftlichem Wachstum und unseren Wohlstand. Der Mechanismus greift längst nicht nur beim Konsum. Nehmen wir die Investitionen von Unternehmen oder den Handel an den Aktien- und Finanzmärkten, da beobachten wir dasselbe. Selbst nach großen Enttäuschungen entstehen stets neue Projektionen.


Zukunft ist offen

Wirtschaftsprognosen versuchen Aussagen über die Zukunft zu treffen. Dabei beziehen sie oft die verfügbaren Informationen ein. Noch öfter liegen sie dennoch daneben, denn die Zukunft ist offen.


Entscheidungen sind mit fundamentaler Ungewissheit und teils noch unbekannten Risiken behaftet. Gerade die wichtigen, überraschenden Entwicklungen lassen sich nicht vorhersagen. Die Prognosen haben die Funktion, Orientierung für die Gegenwart zu schaffen. Die Akteure richten sich meist nur danach, wenn ihnen die Prognose glaubwürdig erscheint.


Risiken und Chancen

Eine Krise ist definiert durch die Zerstörung von Erwartungen. Genau das können wir jetzt gerade sehen. Die Wirtschaft leidet unter einer extremen Verkürzung des Zukunftshorizonts. Konsumenten buchen keine Reisen mehr. Unternehmen stoppen ihre Investitionen. Sie glauben nicht mehr an den Erfolg des Vorhabens. Liquidität kann in einer Rezession zur Falle werden. Oft wären sehr gut überlegte Investitionen in die Zukunft besser.


Der „Lock down" war die staatlich reglementierte Zerstörung ökonomischer Zukunftsperspektiven. Das ist absolut tödlich für die Wirtschaft. Da helfen jetzt Kredite vom Staat nur begrenzt und auf sehr kurze Zeit.


Sachwerte haben Preise

2008 stand der Zusammenbruch der Immobilienmärkte in vielen Ländern im Zentrum. Plötzlich konnte sich dort niemand mehr vorstellen, dass die Immobilienkredite je zurückbezahlt werden würden. Doch die Zinsen sind nur der Preis für ein Darlehen. Schlimm ist eine falsch bewertete Immobile, die viel zu teuer eingekauft wurde.


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Wirtschaft bleibt spannend. Ein gutes Risiko-Management und Mut zur Zukunft schließen sich nicht gegenseitig aus. Bleiben Sie als Leser/innen dem Blog Finanz- und Geldwissen treu. Es lohnt sich.


Dietmar Braun, freier Fachjournalist (DFJV), Hochschuldozent für Risiko-Management

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