Dietmar Braun

Fachjournalist, Hochschuldozent, Heilbronn

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Trend 2018 für InsureTech

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Die Angst der Etablierten in der Assekuranz vor FinTech- und InsureTech-Startups hat sich in eine nüchterne Betrachtung gewandelt. Die Branche erkennt die eigene Kompetenz und unterstützt ihre Talente.


(db) Die EY Innovalue Managementberatung, eine Tochter der Ernst & Young Group, meldet das Ergebnis einer Befragung von 69 Vorständen deutscher Versicherer und Geschäftsführern von Maklerunternehmen, Assekuradeure und einzelner angrenzender Dienstleister. Die befragten Versicherer repräsentieren mehr als 90 Prozent des deutschen LV-Marktes.


Als wichtigsten Treiber für die Entwicklung von Marktinnovationen begreifen die Vorstände und Geschäftsführer deutscher Versicherer, Versicherungsmakler und Assekuradeure sich selbst. Den Aufbau und Erhalt einer innovativen Unternehmenskultur sowie die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Fachkräfte und Talente verstehen sie als wichtige Voraussetzungen für eigene Innovationen. Aspekte wie eine moderne Arbeitsumgebung und IT-Infrastruktur oder finanzielle Anreize scheinen dafür aber nur für eine Minderheit der Versicherungsmanager entscheidend.


InsureTech hausgemacht

In der Umfrage verneinen fast 70 Prozent der Manager, dass die eigene Branche innovativ sei. 86 Prozent nennen das Einverständnis der Vorstandschaft als einen der wichtigsten Treiber für Innovationen, 62 Prozent zählen zudem die Verfügbarkeit von Talenten und gut ausgebildeten Mitarbeitern dazu. Eine große Mehrheit (78 Prozent) listet hier den Aufbau und Erhalt einer innovativen Unternehmenskultur auf. Eine moderne Arbeitsumgebung (20 Prozent), moderne IT-Infrastruktur (38 Prozent) oder finanzielle Anreize (6 Prozent) spielen nur aus Sicht weniger Manager eine entscheidende Rolle.


„Die Einschätzung der Branche bezüglich ihres aktuellen Innovationsgrades zeugt von großem Realismus. Und eine entschlossene Führung ist ganz sicher einer der zentralen Erfolgsfaktoren für das Erzeugen von Aufbruchsstimmung in Sachen Innovation. Aber das alleine wird nicht ausreichen, um eine nachhaltige Innovationskultur zu erzeugen. Gerade für viele junge Talente lassen sich eine veraltete IT-Infrastruktur und eine tradierte Arbeitsumgebung, die teilweise an die Fernsehserie Stromberg erinnert, kaum mit Innovationswillen in Verbindung bringen. Ein Ansatz kann sein, Innovationsteams zumindest temporär räumlich auszulagern oder ihnen mit Hilfe von Kooperationen Zugang zu modernen Arbeitsumfeldern zu ermöglichen", erklärt Christian Mylius, Managing Partner bei EY Innovalue.


InsureTech sind keine Bedrohung

Nur ein knappes Drittel der Befragten glaubt, dass die „digitalen Versicherer" wie Nexible, FRIDAY, ONE und andere Neulinge ein neues digitales Zeitalter einläuten. Zwar finden mehr als 90 Prozent der befragten Manager, dass die bessere Nutzer-Animation noch einen Mehrwert der digitalen Geschäftsmodelle darstelle. Aber nur 12 Prozent betrachten diese als Bedrohung für ihr bestehendes Geschäft. Moderne, innovative Produkte, flexible IT-Plattformen, innovatives Pricing, kreative Arbeitsmethoden und eine moderne Unternehmenskultur sind ebenfalls nur aus Sicht einer Minderheit noch Vorteile dieser Ansätze.


„Die von einigen Gründern zu Beginn forsch postulierte Disruption ist bisher nicht eingetreten, vor allem aus Sicht der Versicherer. Zudem weiß man auf den Vorstandsetagen mittlerweile ziemlich genau, womit man es zu tun hat. So sind Faszination und Angst einer gewissen Beruhigung gewichen, dass es offensichtlich doch nicht so einfach ist, alles anders zu machen und dabei gesetzliche Vorgaben einzuhalten und Kompatibilität mit bestehenden Schnittstellen zu garantieren", erläutert EY-Experte Mylius.


Mylius warnt die Branche an einer anderen Baustelle zu höchster Aufmerksamkeit: „Bisher müssen die Platzhirsche um ihre Rolle kaum fürchten, im Notfall könnten sie die erfolgreichen Startups auch einfach kaufen, so wie es Google oder Facebook vormachen. Aber die derzeitigen Aktivitäten von Amazon werfen ganz andere Schatten voraus."


Routinen werden rationalisiert

Finanz- und Geldwissen sieht als Gründe für das wachsende Selbstbewusstsein in der Assekuranz und bei Versicherungsmaklern im Thema Digitalisierung vor allem im Vorsprung gegenüber InsureTech- und FinTech-Startups in bestehenden Kundenbeziehungen, der Kompetenz in Service und Beratung vor Ort, aber auch in der Nutzung gemeinsamer Plattformen und Kooperationen. Spannend dürfte die künftige Nutzung von künstlicher Intelligenz und Applikationen im sogenannten Standard-Sektor sein. Für Versicherer ermöglichen standardisierbare Prozesse und Routinen ein sehr hohes Potential zur Rationalisierung und bei Versicherungsmaklern entlasten sie Verwaltungsaufwand zugunsten der individuellen Beratung und Risiko-Management vor Ort.


Dietmar Braun (db)

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