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Volksschulen: Männliche Lehrer gesucht

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Volksschulpädagogen sind zum allergrößten Teil weiblich. In der Volksschule Vorgartenstraße 208 unterrichten allerdings gleich fünf Männer.

LEOPOLDSTADT. Während Philipp Helmich an der Tafel Deutsch unterrichtet, übt Manuel Laudenbach vor der Klasse mit zwei Schülern das Lesen - alltägliches Teamteaching in der Volksschule Vorgartenstraße 208. Ein klassenführender Volksschulpädagoge im Team mit einem weiteren männlichen Lehrer - das ist in Wien und ganz Österreich derzeit aber noch die Ausnahme.

Aktuellen Zahlen aus dem Schuljahr 2016/2017 zufolge, sind nur sieben Prozent der Volksschullehrer in Wien männlich. In der Volksschule Vorgartenstraße sind gleich fünf der 38 Lehrkräfte Männer. „Ein überdurchschnittlicher Anteil", erzählt Direktorin Irene Krehan. „Es gibt Volksschulen, in denen es keinen einzigen männlichen Pädagogen gibt."

In vielen Köpfen sei nämlich noch immer das Klischee festgesetzt, dass Volksschullehrer ein Frauenberuf sei, zudem sei die Bezahlung nicht gerade überdurchschnittlich. „Als Volksschullehrer eine Familie zu ernähren ist schwierig", meint auch Laudenbach. Zudem habe er oft damit zu kämpfen, dass das Ansehen von Männern in Volksschulen nicht besonders gut sei. Für ihn sei es dennoch ein super Job, zwar sehr intensiv, aber vor allem der unmittelbare Umgang mit den Kindern mache ihm Spaß.

Pädagogen erwünscht

Direktorin Krehan wünscht sich sich noch viel mehr männliche Pädagogen, denn vielen Kindern würden die männlichen Vorbilder fehlen. Denn Kinder, deren Eltern getrennt leben, würden noch immer sehr frauendominiert aufwachsen. Besonders Buben hätten zu wenige Möglichkeiten, auch die männliche Rolle kennen zu lernen. „Wenn man dann in der Schule erst wieder nur von Frauen unterrichtet wird und es keine Männer gibt, bildet das die Wirklichkeit nicht ab."

Klassenvorstand Helmich ist sich dessen bewusst, dass er für manche Kinder eine wichtige männliche Bezugsperson ist: „Viele Kinder wachsen ohne Vaterfigur auf. Diese will ich zwar nicht ersetzen, aber man kann den Kindern zeigen, wie es ist, wenn sie auch einmal auf den Herrn Lehrer hören müssen, anstatt nur auf die Mama."

Keine Unterschiede

Vorteile habe es auch im Lehrerkollegium, wenn Männer ihre Sicht der Dinge einbringen würden, meint Krehan. Auf die Initiative der Männer hin habe es in der Volksschule Vorgartenstraße etwa zum ersten Mal ein Sportfest gegeben. Besonders in der Volksschule könne man zudem gezielt Geschlechterklischees abbauen, weil Kinder sehen, wie auch der männliche Lehrer im Werkunterricht zur Stricknadel greift oder die weibliche Pädagogin im Sportunterricht Fußball spielt.

Dabei würden die Kinder selbst keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen als Lehrer machen. „Die Arbeit an sich müssen Männer und Frauen gleich leisten. Bei den Kleinen ist viel Empathie gefragt - von Männern und von Frauen, da gibt es keinen Unterschied."

Autor: Dina Brunnbauer aus Josefstadt

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