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Der Öko-Turm

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Der Eiffelturm ist nun auch ein Windkraftwerk. © SETE- E.Livinec

Der Eiffelturm ist heute eines der bekanntesten Gebäude der Welt und hat alleine im vergangenen Jahr über sieben Millionen Touristen angelockt. Er gehört damit zu den meistbesuchten Wahrzeichen der Welt. So beliebt war der Turm nicht immer. Wegen seiner eigenwilligen Konstruktion aus Eisenfachwerk wurde der Bau zwischen den Jahren 1887 und 1889 von wütenden Protestschreiben begleitet. Pariser Intellektuelle nannten ihn einen „schwindelerregenden, lächerlichen Turm", einen „Alptraum", der „wie ein riesiger, düsterer Fabrikschlot Paris überragt" und alle anderen Monumente der französischen Hauptstadt „demütigt".

Es ist nicht allzu lange her, dass auch die Windenergie mit allerlei negativen Worten bedacht wurde: Hässliche Monster seien die Anlagen, die wie Spargel in die Landschaft ragten und dabei noch Vögel schreddern würde. Doch wie viele Möglichkeiten die alternative Energieerzeugung parat hält, zeigt seit neuestem auch der Eiffelturm. Denn die Pariser Ikone ist jetzt auch ein Windkraftwerk.

Hochtechnologie im Oldschool-Design

Im Auftrag der Betreiberfirma Société d'Exploitation de la Tour Eiffel (SETE) hat das amerikanische Unternehmen UGE International zwei Kleinwindkraftanlagen oberhalb der zweiten Etage installiert. Die Montage sei eine Herausforderung gewesen, heißt es von Seiten der UGE. Denn jede einzelne Komponente der Vertikalachser musste per Seil 127 Meter in die Höhe gezogen werden.

Beide Anlagen sind rund sieben Meter hoch und drei Meter breit. Damit der weltbekannte Look des Eiffelturm nicht gestört wird, sind die Windräder der Farbe des Turms angepasst und von außen praktisch nicht zu erkennen.

Ende Februar wurden die Anlagen in Betrieb genommen - pro Jahr sollen rund 10.000 Kilowattstunden Strom produziert werden. Das ist immer noch nur ein Bruchteil der 6,7 Gigawatt die der Betrieb des 324 Meter hohen Turms verschlingt. Die Menge reicht aber immerhin aus, um die erste Etage der Touristenattraktion zu versorgen, die im vergangenen Jahr aufwendig saniert wurde.

LEDs in der Etage, Solarmodule auf dem Dach

Die Installation der Windräder ist Teil der Bemühungen der Betreiberfirma SETE ihren ökologischen Fußabdruck im Rahmen des Pariser Klimaplans zu reduzieren. Bereits seit Beginn des Jahres bezieht der Eiffelturm ausschließlich Strom aus erneuerbarer Energie, zur Beleuchtung des Pavillons auf der ersten Etage kommen energiesparende LEDs zum Einsatz, ein Teil seines Daches ist mit Solarmodulen belegt. Sie decken etwa die Hälfte des Warmwasserbedarfs in beiden Pavillons des Eiffelturms. Sie sind zudem mit Wärmepumpen ausgestattet, um die die Raumtemperatur umweltfreundlich zu regulieren. Ein Regenwasserwiedergewinnungssystem liefert das Spülwasser für die Toiletten im Pavillion.

In einem Land, in dem der derzeitige Anteil des Atomstroms am Energiemix immer noch rund 75 Prozent beträgt, kann der Eiffelturm schon fast als ökologisches Wahrzeichen gelten.

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