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Mit alter Seife Leben retten

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In fast jedem Hotel liegen kleine, verpackte Seifen am Waschbecken. Nach dem die Gäste abgereist sind, liegen sie dort immer noch - denn wer kann schon eine ganze Seife während des oft nur drei, vier Tage dauernden Aufenthalts aufbrauchen? Und so wandern diese Hygieneartikel oft in den Müll.

Der US-Amerikaner Shawn Seipler wollte etwas gegen diese sinnlose Verschwendung unternehmen. 2009 kündigte er seinen gut dotierten Job in der freien Wirtschaft und gründete das Sozialunternehmen „ Clean the World ". Seine Idee: die von den Hotelgästen in den Badezimmern zurückgelassenen Seifen im großen Stil einsammeln, aufbereiten und Menschen in Entwicklungsländern zukommen lassen, die sich Hygieneprodukte nicht leisten können.

Wäscht man seine Hände 30 Sekunden lang intensiv mit Seife, dann tötet das nahezu alle Bakterien und Keime. Nur unter das Wasser halten bringt nichts - erst das Reinigungsmittel macht den Krankheitserregern den Garaus. Durch den Einsatz der Seife kann also die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie etwa Cholera verhindert werden. Insbesondere für kleine Kinder kann dies über Leben oder Tod entscheiden.

44 Millionen recycelte Seifen

Das „Clean The World"-Projekt hat sich über die Jahre stark professionalisiert und viele renommierte Hotelketten wie Hilton Hotels, Disney World und InterContinental als Partner gewonnen. Die inzwischen über 5000 teilnehmenden Hotels bezahlen monatlich einen kleinen Betrag für die Teilnahme an dem Programm, dafür dürfen sie mit dem sozialverantwortlichen Projekt werben. Darüber hinaus finanziert sich das Non-Profit-Unternehmen übder Spenden und Sponsoren sowie über den Verkauf von - wie sollte es anders sein - Seifen.

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„Clean The World" stellt Behälter zur Verfügung, mit denen das Hotelpersonal Hartseifen- und auch Duschgelreste einsammeln kann. Wurde zu Beginn des Projekts noch manuell die äußerste Schicht von der Hotelseife abgeschabt, anschließend zerhackt, zu Paste verkocht und in eine neue Form gepresst, ist der Prozess des Seifenrecyclings inzwischen automatisiert. Ein antibakterielles Mittel wird der Seifenrohmasse zudem beigefügt. Laut „Clean The World" konnten bereits mehr als 44 Millionen Seifenstücke an Menschen in 127 Länder weitergereicht werden. Bislang hat die Non-Profit-Organisation Recyclingcenter in Orlando, Las Vegas, Montreal und Hongkong. Mit Großbritannien hat das Projekt auch einen Standort in Europa.

Inzwischen gibt es einige Nachahmer der bestechenden Idee, etwa die 2014 gegründete Schweizer Aktion Sapocycle. Natürlich bemühen sich auch viele andere Hotels, möglichst wenige Abfälle zu produzieren und mit Recyclern zusammen zu arbeiten. Der durchdachte Ansatz von „Clean The World", Recycling mit Gesundheitsvorsorge für ärmere Menschen zu verbinden, macht das Projekt zu etwas Besonderem. Einschäumen unter der Dusche macht da gleich doppelt Spaß.

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