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Ikea verkauft Solarspeicher

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Auch Ikea will vom Boom der erneuerbaren Energien profitieren. Seit Kurzem bietet das schwedische Möbelhaus Solarstromspeicher zum Verkauf an. Vorerst allerdings nur in Großbritannien. Kein Wunder, dass sich Ikea England als Testmarkt herausgesucht hat - denn die vermeintliche Regeninsel hat Deutschland bei den Zubauzahlen von Solarstromanlagen überholt. Die Solarspeicher bezieht das schwedische Möbelhaus vom südkoreanischen Hersteller LG oder der deutschen Firma sonnen.

„Wir sind der Meinung, dass Nachhaltigkeit für die vielen Menschen möglich sein sollte und kein Luxus, den sich nur wenige leisten können. Deshalb sorgen wir dafür, dass Solarzellen für Wohnhäuser verfügbar und erschwinglich werden, damit die Menschen ihre Stromrechnung durch die Produktion von sauberer Energie reduzieren können", sagt Nathalie Biallas, Unternehmenssprecherin von Ikea Deutschland.

Das Angebot der Batteriespeicher ist Teil der seit 2016 eingerichteten Solar-Shops mit Ikea Logo in den Ikea-Einrichtungshäusern. Das Angebot umfasst ein Sortiment bestehend aus Solarmodulen, energieeffizienter Beleuchtung und Technologien rund um das Thema „Smart Home". Auch in den Niederlanden und der Schweiz gibt es diese Solar-Shops bereits - jedoch ohne Speicher im Sortiment.

Rein altruistisch ist dieser Vorstoß von Ikea natürlich nicht, sondern bedient eine steigende Nachfrage nach Batteriespeichern. Ähnlich wie in Deutschland kürzte der Gesetzgeber in England nach und nach die Einspeisevergütung für Solarstrom, die den Kauf solcher Anlagen anfänglich fördern sollte. Das hat Nutzung von Solarstrom durch private Konsumenten in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Während es vor einigen Jahren noch darum ging, möglichst viel Fotovoltaik-Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen, um die Einspeisevergütung zu erhalten, wollen heute immer mehr Menschen ihren produzierten Strom selber nutzen.

Solarstrom selbst verbrauchen lohnt sich

Das hat einen einfachen Grund: Betreiber privater Fotovoltaik-Anlagen können damit erheblich Energiekosten sparen. Der Haushaltsstrompreis liegt derzeit bei etwa 28 Cent pro Kilowattstunde. Kalkuliert man die Anschaffungskosten und die Betriebskosten über 20 Jahre, kostet der Strom aus einer neuen Fotovoltaikanlage je nach Typ und Standort zwischen 11 und 13 Cent pro Kilowattstunde. Das heißt, für jede Kilowattstunde, die man vom eigenen Dach verbraucht, kann man zwischen 15 und 17 Cent sparen. Das entspricht einer Rendite von bis zu fünf Prozent - wesentlich mehr als man heutzutage für sein Geld auf einem Festgeldkonto bekommt.

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Bereits mit einer normalen Fotovoltaik-Anlage und bei einem normalen Nutzungsverhalten kann der Hausbesitzer bereits zwanzig bis dreißig Prozent des erzeugten Stroms selber verbrauchen. Wer jedoch in ein Batteriesystem investiert, kann den Anteil des selbstverbrauchten Stroms noch deutlich steigern. Denn der Speicher ist in der Lage, den tagsüber überschüssig produzierten Strom auch in den Abend- und Nachtstunden für den Eigenverbrauch verfügbar zu machen.

Die Kosten für Speichersysteme sind laut Bundesverband Solarwirtschaft stark gesunken - Tendenz weiter fallend. Eine installierte Kilowattstunde Speicherkapazität kostet im Moment etwa 1.000 Euro, stark abhängig von der Auswahl des Systems und der Technologie. In Deutschland wird die Anschaffung von Speichern noch gefördert, etwa über zinsgünstige Kredite bei der KfW-Bank.

Wunsch nach Energieautarkie

Der Gedanke an Rendite ist aber offenbar nicht die treibende Kraft hinter der Kaufentscheidung der Verbraucher. „Früher ging es den Kunden darum mit einer Solaranlage Profit zu erzielen. Heute ist das anders. Wir verkaufen auf Wunsch der Kunden heute 80 Prozent der Solaranlagen mit Batteriesystemen und zwar nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil sie unabhängig sein wollen", sagt Willi Harhammer, Solarhandwerker aus Oberfranken.

Dass große branchenfremde Anbieter wie Ikea auch in diesen Markt drängen, könnte den Konkurrenzkampf der Hersteller weiter beleben und die Kosten von Speichersystemen weiter senken. Auf der britischen Webseite von Ikea kann man sich seine Wunschanlage mit einem Online-Tool zusammenstellen. Ob ein ähnliches Angebot auch bald in Deutschland gibt, ist noch unsicher. Die Möglichkeiten würden derzeit geprüft, heißt es dazu bei Ikea.

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