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Alles andere als kalter Kaffee

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Kaffee kann ja so einiges: er lässt uns morgens so richtig auf Touren kommen, regt die Verdauung an und soll gut für die Leber sein. Die überbrühte Kaffeebohne ist mit Abstand das meist getrunkene Getränk in Deutschland. Der Pro-Kopf-Konsum lag laut Kaffee-Verband im Jahr 2015 bei 162 Litern.

Und bei jeder Tasse Kaffee fällt eine Menge Müll an. Nein, es geht hier jetzt nicht um die Alu-Nespresso oder Ein-Weg-Becher, die kein Mensch braucht. Hier geht es um den Kaffeesatz. Daraus lässt sich beispielsweise Geschirr herstellen - oder Biomasse-Pelletts. Das Londoner Unternehmen bio-bean produziert „Kaffee-Briketts" für Holzöfen, indem das überbrühte Pulver getrocknet wird. Der Kaffeesatz habe einen höheren Energiegehalt als Holz, das bedeutet es brennt heißer und länger, so Arthur Kay, Gründer von bio-bean.

Die Idee für den grünen Brennstoff kam Kay während seines Architekturstudiums. Er hatte die Aufgabe, ein Café zu entwerfen und versuchte es besonders nachhaltig zu gestalten. Dabei erkannte Kay, dass der primäre Abfall in einem Café Kaffeesatz war, analysierte dessen Eigenschaften und entdeckte das Potenzial zur Nachnutzung. Die Idee für ein neues Start-up war geboren.

Seit 2015 verarbeitet die weltweit erste Kaffee-Recycling-Fabrik in Alconbury, Cambridgeshire das braune Pulver zu Pellets. Bis zu 50 000 Tonnen Kaffeeabfall pro Jahr können dort verarbeitet werden - das entspricht einer von zehn getrunkenen Tassen Kaffee in Großbritannien.

Organisation des Kaffee-Abfalls macht's möglich - und nötig

Um an seine Rohstoffe zu kommen konzentriert sich bio-bean auf die Abfallströme von großen Kaffee-Ketten, wie Starbucks, und Kaffeefabriken in und um London, von denen Kooperationspartner den Kaffeesatz einsammeln.

Das funktioniert, weil das Entsorgungssystem in Großbritannien anders organisiert ist als in Deutschland. Hierzulande werden organische Abfälle bereits zu großen Teilen in Biogas- und Kompostieranlage verwertet. In Großbritannien, genauso wie in vielen anderen Ländern, wird Müll nicht richtig sortiert und Kaffeereste landen nicht im Biomüll, sondern auf der Deponie. Weil der Platz auf den Müllkippen immer knapper wird, müssen Unternehmen für diesen Entsorgungsweg teuer bezahlen. Das macht den Service von bio-beans für viele Kaffeeanbieter auch finanziell attraktiv.

Die Idee, aus Müll ein ökologisch wertvolles Produkt herzustellen, hat viele namhafte Partner und Investoren auf den Plan gerufen. Zuletzt hat die Unternehmerlegende Richard Branson bio-bean in einem Wettbewerb als Gewinner gekürt und die Geschäftsidee als „suberb" geadelt.

Bei Briketts und Pellets will Arthur Kay es nicht belassen. Mittelfristig soll aus dem Kaffeepulver Öl gewonnen werden, das sich als Biotreibstoff verwenden lässt. Wer sich vor Augen führt, dass nicht durch Deutsche dem braunen Getränk verfallen sind, sieht schnell die Möglichkeiten dieser Geschäftsidee.

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