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Rent a Kunstwerk

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Kunstausstellungen sind im Grunde eine eigenartige Sache. Meist schreitet man im Museum an Gemälden, Skulpturen oder Installationen vorbei, sieht sie wenige Minuten lang an und vergisst es dann schnell wieder.

Klar, einige Kunstwerke werden direkt für das Museum geschaffen - aber die meisten Künstler wollen eine Botschaft in die Welt senden, Menschen zum Denken anregen und Gefühle erzeugen. Im Museum oder einer Galerie kann das bestenfalls ansatzweise passieren. Besser geeignet wäre das eigene Zuhause. Aber nur wenige können es sich leisten teure Originale ins traute Heim zu hängen.

Günstiger als jedes Netflix-Abo

Obwohl, das stimmt nur halb. Tatsächlich gibt es eine sehr einfache und preisgünstige Möglichkeit auch als Privatperson Kunst zuhause genießen. Denn in vielen deutschen Städten gibt es so genannte Artotheken oder Bildereien, die originale Werke von Künstlern kaufen und sie anschließend verleihen. Getragen werden diese Einrichtungen zum Beispiel von öffentlichen Bibliotheken, Kulturämtern, Museen oder Kunstvereinen. Deren Ziel ist es, Kunst und Künstler zu fördern und Menschen, unabhängig von ihrer Finanzkraft, den Zugang zu Kunst zu ermöglichen. Die Leihgebühr ist in aller Regel deutlich preisgünstiger als etwa ein monatliches Netflix- oder Spotify-Abo.

Beispiel München: Die Artothek in der bayrischen Landeshauptstadt kauft Bilder, Fotografien und zum Teil auch Skulpturen von Künstlern, die in der bayrischen Hauptstadt leben oder von hier stammen. Mehr als 1.800 Kunstwerke hat die Münchner Artothek inzwischen im Bestand. Oft sind es Werke von jungen und noch eher unbekannten Künstlern, die auf diese Weise eine besondere Gelegenheit bekommen sich einem Publikum zu präsentieren. Zu den wertvollsten Stücken der Sammlung zählen zwei Werke von Joseph Beuys. „Unsere Kunden kommen aber nicht wegen der großen Namen, sondern lassen sich von den Werken in unserem Ausleihraum inspirieren", sagt Stephanie Lyakine-Schoenweitz, die für die bayrische Landeshauptstadt den Bereich Kunstvermittlung betreut.

Der Charme des Analogen

Das Angebot der Artotheken scheint ein klein wenig aus der Zeit gefallen, vor allem weil viele der staatlich geförderten Anbieter, anders als viele andere der trendigen Tausch- und Sharingangebote, nicht besonders internetaffin sind. Auf der Webpräsenz des Artothekenverbands ist es zum Beispiel nicht gerade einfach auf der Karte herauszufinden, an welchen Standorten sich die über 150 Bildereien in Deutschland finden. Eine Facebook-Präsenz oder Instagram-Account? Fehlanzeige.

Andererseits macht gerade das analoge die Artotheken zu einem besonderen Erlebnis. „Ein Kunstwerk sieht in echt oft ganz anders aus als auf dem Computerbildschirm. Im Fundus kann man das Bild, seine Farben und seine Komposition, auf sich wirken lassen - genau wie zuhause dann auch", beschreibt Lyakine-Schoenweitz die Vorzüge des Analogen. Auch einen Katalog führt die Artothek in München deswegen nicht. Wer ein Bild will, kommt und sucht sich eines von denen aus, die gerade da sind. Für drei Euro im Monat kann man das Gemälde für einige Zeit in den eigenen vier Wänden bestaunen.

Kunst im Alltag

In den Leihgebühren ist auch die Versicherung der Bilder enthalten. Denn obwohl die Kunden den Werken große Wertschätzung entgegen brächten, so Lyakine-Schoenweitz, könne natürlich auch mal ein Malheur passieren. Vom Fußball, der im Kinderzimmer versehentlich auf der Leinwand landet, Schäden beim Transport oder bis hin zum Kaffeefleck sei alles schon dabei gewesen. Schlimm sei das aber nicht. „Unseren Künstlern ist bewusst, dass ihre Werke im richtigen Leben stattfinden", sagt Lyakine-Schoenweitz.

Die Ausleihe ist befristet, häufig auf zwei bis vier Monate. Eine Zeitspanne, in der die Entleiher, Familienangehörigen und Besucher das Bild in aller Ruhe bewundern können. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt zu dem das Werk wieder zurückgeben werden muss. „Nicht selten erzählen die Kunden, dass sie das Kunstwerk liebgewonnen haben - dann führt die Trennung zu echtem Herzschmerz", sagt Lyakine-Schoenweitz. In solchen Fällen hilft dann nur der Kontakt zum Künstler, den das Team der Artothek gerne herstellt.

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