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Gegen Facebooks Lügenwahn

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Paul Horner glaubt, dass er für den Einzug Donald Trumps verantwortlich ist. Wie das? Der 38-Jährige produziert Falschmeldungen, klickträchtige Hoaxes, am laufenden Band. Er war dabei so erfolgreich, dass seine erfundenen Geschichten sogar als Nachrichten bei Google auftauchten. So hatte er etwa geschrieben, dass Menschen Geldprämien erhalten würden, um gegen Trump zu protestieren. „Ich dachte, die Leute würden die Fakten checken, aber sie haben das einfach geteilt wie verrückt", sagte Horner in einem Interview mit der Washington Post.

Soziale Medien stehen wegen ihrer Rolle im US-Wahlkampf in der Kritik. Insbesondere Facebook, weil der Algorithmus des Netzwerks dazu beiträgt, dass Menschen oft nur das angezeigt bekommen, was ihre bestehenden Überzeugungen unterstützt - unabhängig davon, ob die Informationen wahr sind oder nicht. Auf diese Weise trage Facebook dazu bei, Menschen zu radikalisieren.

Es müsse doch möglich sein, bei Beiträgen auf Facebook kenntlich zu machen, ob es sich um Fake-News oder eine echte Nachricht handelt, dachte sich Nabanita De. Mit diesem Gedanken fuhr die Studentin der Universität Massachusetts letzte Woche zu einem Hackathon an der Princeton University und schlug ihren drei Teamkollegen vor, einen entsprechenden Algorithmus zu entwickeln. Und das ist ihnen gelungen - in nur 36 Stunden.

Plugin warnt vor Falschmeldungen

Sie nennen ihr Projekt FiB. Das Browser-Plugin für Chrome bewertet unter anderem die Nachrichtenquelle oder die Plausibilität der Inhalte durch einen Abgleich verschiedener Plattformen und warnt den Nutzer, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. Bevor man etwas teilt oder verlinkt, bekommt man einen Warnhinweis. Die Software ist als Open-Source-Lösung angelegt, wer will kann also dabei helfen das Programm zu verbessern.

Natürlich - Menschen, die digitale Medien nutzen, um ihre Propaganda zu verteilen oder klickträchtige Lügen und Drohungen nutzen, um über Werbeanzeigen auf ihren Webseiten massig Geld zu verdienen, wird so etwas nicht aufhalten.

Das Neuland gestalten

Zwar wurde viel gespottet über den Begriff „Neuland", den Bundeskanzlerin Angela Merkel einst für die neuen gesellschaftlichen Herausforderungen durch Internet und Digitalisierung verwendet hat. Die US-Wahl hat jedoch gezeigt, dass selbst die so genannten „Digital Natives", Menschen die mit dem Netz aufgewachsen sind, ungläubig auf die jüngsten Entwicklungen blicken und erst anfangen zu begreifen, welche Auswirkungen das haben könnte. Egal ob programmierte Bots, die den Diskurs verzerren, bezahlte Troll-Armeen, die Kommentarspalten fluten oder manipulierte Bilder und Falschmeldungen, die auf seriösen Nachrichtenseiten weiterverbreitet werden - die Macht, die von Fake-News und Propaganda ausgeht, erscheint zunehmend furchteinflößend.

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Da wirkt ein Browser-Plugin vielleicht nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber De Nabanita und ihre Kommilitonen haben das getan, was nach der Wahl von so vielen verlangt wurde: sie haben sich einem offensichtlichen Problem gewidmet und sich für seine Lösung engagiert. Sie haben angefangen, das Neuland zu gestalten.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg, der sich zunächst vehement gegen Vorwürfe wehrte, sein Unternehmen hätte den Ausgang der Wahl mitbestimmt, hat inzwischen in einem Post öffentlich anerkannt, dass manipulierende Fake-News ein ernsthaftes Problem sind, um das man sich nun kümmern wolle. In Massachusetts sitzt eine Studentin, die hätte da ein paar Ideen.

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