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George Clooney wird 60: Vom Schuhverkäufer zum bestbezahltesten Schauspieler

Würde man eine „Coole Leute"-Liste von Hollywood-Schauspieler*innen erstellen, der Name George Clooney würde ziemlich weit oben stehen. Nicht nur, dass er uns als Darsteller, Regisseur und Produzent in unzähligen Filmen und Serien grandios unterhalten hat, er scheint auch abseits des Filmsets jemand zu sein, mit dem man gerne mal ein kaltes Erfrischungsgetränk zu sich nehmen würde; ein Kumpeltyp, der sich weder auf seinen heutigen Promi-Status, noch auf seinen Geldbeutel etwas einbildet - und sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Und das ist - das wissen wir aus den Gazetten dieser Welt - alles andere als selbstverständlich.

George Clooney: Früher Schuhverkäufer, heute Mega-Star

Dass George Clooney so geerdet wirkt, hat sicherlich viele Gründe. Einer davon ist aber bestimmt der, dass er in frühen Jahren bereits als Schuhverkäufer, auf Tabakplantagen und, kein Witz, als Cartoon-Zeichner in Einkaufspassagen gearbeitet hat (nicht auszudenken, was so eine frühe Clooney-Zeichnung heute wert wäre). Er weiß also durchaus, was es heißt, einem ehrbaren „normalen" Job nachzugehen.

Warum George Clooneys Schauspielkarriere 10 Jahre lang auf sich warten lies

Was man außerdem nicht vergessen darf: Seine Schauspielkarriere war nicht von Anfang an von Erfolg gekrönt - im Gegenteil. Zehn Jahre lang hangelte er sich von einer Nebenrolle zur nächsten, spielte in Streifen mit klanghaften Namen mit wie Die Rückkehr der Killertomaten und landete kleinere Engagements in Eighties-Serien wie Trio mit vier Fäusten und Street H awk. Weil er damit kaum genug Geld für eine eigene Wohnung verdiente, pennte er knapp zwei Jahre lang bei einem Freund - und zwar, ebenfalls kein Witz, auf dem Boden eines Wandschranks.

George Clooney und seine best buddies: kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

30 Jahre später, da zählte Clooney längst zum bestbezahltesten Schauspieler der Welt mit einem Vermögen von rund 200 Millionen Euro, hat er sich mit einer kleinen Geste bei seinen Freunden für ihre Treue bedankt - und 14 von ihnen bei einem gemeinsamen Essen je 1 Million Dollar in Aktenkoffern überreicht. Mit den Worten: „Leute, ihr bedeutet mir unendlich viel. Ohne euch wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ich bin wahnsinnig dankbar dafür, euch in meinem Leben zu haben." Klar, wahre Freundschaft ist nicht in Geld aufzuwiegen, aber es spricht natürlich für Clooney, dass er nicht auf seiner Kohle sitzt - zumal er viel von seinem Geld für gute Zwecke einsetzt und unzählige Hilfsorganisationen unterstützt.

George Clooney: Der Durchbruch kam mit Emergency Room

Aber nochmal zurück zum Anfang von Clooneys Karriere, als Mitte der Neunziger endlich der große Erfolg kam: durch die Fernsehserie Emergency Room, in der Clooney den Kinderarzt Doug Ross spielte - und ihn auch bei den Filmproduzenten in Hollywood auf den Schirm brachte. Das war die Zeit, in der Clooney auch gerne mal mit seinem damaligen Haustier zu Interviews erschien: Max, einem Hausschwein. Er hatte es Ende der 80er Jahre seiner damaligen Freundin Kelly Preston geschenkt, es nach deren Trennung aber behalten - ganze 19 Jahre lang.

Vom Arzt zum Ganoven: George Cloony in "From Dusk Til Dawn"

Schauspielerisch ging es für Clooney nach Emergency Room richtig los. Eine seiner ersten und gleichzeitig coolsten Rollen war kurz darauf die des gefährlichen, halstätowierten, aber nicht minder charmanten Ganoven Seth Gecko im Roadmovie-Vampirsplatter From Dusk Til Dawn an der Seite von Quentin Tarantino, Juliette Lewis und Harvey Keitel - der heute als absoluter Kultfilm durchgeht und ohne George Clooney sicher nur halb so überzeugt hätte.

Der komplette Gegensatz dazu war sein Auftritt in der romantischen Komödie Tage wie dieser, wo er einem an der Seite von Michelle Pfeiffer das Herz höher schlagen ließ - aber eben nicht auf diese käsige Klischee-Romantik-Art und Weise, sondern durchweg mit dem nötigen Verve und Stil.

Die hohe Kunst der tiefen Schläge: Für diesen Film schämt sich George Clooney heute noch

Allzu viele Flops hatte George Clooney in der Folge nicht mehr zu verbuchen, aber einen eben doch: Batman & Robin, der bis heute als schlimmster Teil des ansonsten sehr erfolgreichen Batman-Franchise gilt. Clooney selbst schämt sich bis heute für den Film. Ihn sich anzusehen, gestand er letztes Jahr in der FAZ, würde ihm körperliche Schmerzen bereiten. Dennoch hängt bis heute ein Plakat des Films über dem Schreibtisch seines Produktionsbüros. „Als Erinnerung daran, dass ich mit diesem Film das gesamte Franchise ruiniert habe - falls mir der Erfolg jemals zu Kopf steigt."

Und wer weiß: Wenn Clooney nach Batman & Robin direkt ein weiteres Mal einen Flop gelandet hätte, wäre seine Karriere womöglich anders verlaufen. Hat er aber nicht. Denn mit Steven Soderberghs smarter und sexy Romanverfilmung Out Of Sight im darauffolgenden Jahr konnte er direkt wieder punkten - und sein Image als upcoming Sexiest Man Alive weiter verfestigen.

Ocean's Eleven: Wie George Clooney Julia Roberts rumkriegte

Im Anschluss folgten Filme wie das mehrfach Oscar-nominierte Kriegsepos Der schmale Grat von Terrence Malick und O Brother - Where Art Thou? der Coen-Brüder, bis er mit dem Heist-Movie Ocean's Eleven einen richtigen Blockbuster landete. Die Neuverfilmung der 60er-Jahre-Gaunerkomödie Frankie und seine Spießgesellen war von Regisseur Steven Soderbergh meisterlich komponiert und inszeniert, lieferte perfekte Unterhaltung und bestach durch ein Darsteller-Ensemble der Superlative: Andy Garcia, Matt Damon, Brad Pitt und eben George Clooney.

Auch Julia Roberts war mit von der Partie, aber sie zu bekommen, war gar nicht so leicht. Damals bekam sie 20 Millionen Dollar pro Film. Weil aber nicht nur Soderbergh, sondern auch der restliche Cast Roberts unbedingt dabei haben wollte, schickte ihr Clooney, der Roberts bis dato nicht kannte, das Skript mit einem angehängten 20-Dollar-Schein und der Nachricht: „Ich hab gehört, du kriegst jetzt 20 pro Film." Julia Roberts sagte daraufhin zu.

Wie sich Brad Pitt und George Clooney ständig Streiche spielen

Der Dreh verlief für alle Beteiligten so angenehm und ohne irgendwelche Zickereien, dass zwei weitere Teile folgten und sich zwischen den Schauspielern eine Freundschaft entwickelte. Matt Damon gehört seither zum engsten Freundeskreis Clooneys. Und Brad Pitt und Clooney haben ein merkwürdiges Jungs-Ding am Laufen, bei dem sie sich stets gegenseitig Hops nehmen.

Wer damit angefangen hat, ist nicht so ganz klar. Vermutlich Clooney, weil er noch ein bisschen davon angefressen war, dass Pitt ihm 1991 eine Rolle im Roadmovie Thelma & Louis weggeschnappt hat, mit der wiederum Brad Pitt seine Weltkarriere begann. So klebte Clooney einen Cannabis- und „Fuck Cops"-Aufkleber hinten auf Pitts Auto - der kurz darauf tatsächlich von Cops angehalten wurde und sich erklären musste. Pitt wiederum erzählte beim gemeinsamen Dreh mit Clooney am Set herum, Clooney sei eine Diva und man solle sich vor ihm in acht nehmen - löste das Ganze aber natürlich wenig später auf. Clooney wiederum schickte im Namen von Pitt Briefe und Pakete an Schauspielerkollegen. Meryl Streep beispielsweise bekam eine CD-Collection mit Dialekten und eine Nachricht, dass ihr das vielleicht bei ihren nächsten Rollen helfen könne. Ihre Verwirrung ob dieses merkwürdigen Präsents kann man sich in etwa vorstellen.

Clooney war unterdessen auf dem Zenit seines Schaffens angekommen, sowohl als Schauspieler als auch als Regisseur. Er bestach mit Good Night, And Good Luck, Syriana, Michael Clayton. Und natürlich in der grandiosen Tragikomödie Up In The Air von Jason Reitman, wo er vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise die Coming-of-Age-Geschichte eines Mittvierzigers so brillant auf die Leinwand brachte, dass man ihn einfach nur mal in den Arm nehmen wollte.

Während er auf der Leinwand weiterhin mit jedem Film einen Treffer nach dem anderen landete, darunter solche Perlen wie The American, The Ides Of March, The Descendants und Gravity, sammelte er Unmengen an Geld für gute Zwecke wie den Klimaschutz, setzte sich aktiv für die LGBT-Community ein, engagierte sich sozialpolitisch und half bei der Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen. Ein guter Einfluss war das sicherlich seine bis heute anhaltende Beziehung zur Menschenrechtsanwältin Amal Clooney, die er 2014 heiratete.

Viel klüger, souveräner, ehrlicher und würdevoller kann man als Hollywood-Superstar kaum altern. Wirklich begeistert ist er zwar nicht darüber, tatsächlich 60 Jahre alt zu werden, wie er gegenüber Entertainment Tonight verriet, aber auch diesen Umstand nimmt er mit Humor: „Es ist zumindest besser, als tot zu sein."

Alles Gute, George! Bleib, wie du bist!

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