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Jazz auf Spotify: Das sind die besten Alben für Einsteiger

Foto: Getty Images

Nichts für faule Tröten, diese Jazz-Alben... zum Beispiel von dem legendären Louis Armstrong.

Jazz. Das ist und bleibt für viele ein uneinsehbarer Mythos. Irgendwie cool, geheimnisvoll, erhaben. Aber eben doch auch so unnahbar, so sperrig, so komplex, dass man sich als Laie nicht so recht rantraut. Wo, um Himmels Willen, soll man bei diesem ausufernden Genre auch anfangen? Klar, Miles Davis kennt man. Zumindest vom Namen. John Coltrane auch. Und die große Billie Holiday ist ebenfalls gerade in aller Munde, weil mit The United States vs. Billie Holiday ein Biopic über sie im Programm der gängigen Streaming-Anbieter gelandet ist. Aber The Dave Brubeck Quartet? Cannonball Adderly? Modern Jazz Quartet? Wir bringen mal ein bisschen Licht ins Dunkel.

Die besten Jazz-Alben für Einsteiger gibt's auch auf Spotify

Einfach die Spotify-App öffnen und los. Denn die folgenden Jazz-Alben sollte man mal gehört haben.

Diese Platte war das erste Jazz-Album, das sich über eine Millionen Mal verkauft hat - und das, obwohl es im gleichen Jahr erschien wie DAS Jazz-Album schlechthin: Kind Of Blue von Miles Davis. Doch auch heute ist noch vollkommen nachvollziehbar, warum Time Out kommerziell so erfolgreich war. Denn obwohl es fast durchgängig in ungeraden Taktarten gehalten ist (ein Markenzeichen des Quartetts), nehmen einem die Melodien, das Gefühl der Kompositionen und diese perfekte Mischung aus Cool- und West-Coast-Jazz sofort gefangen. Insbesondere das federnde Schlagzeug von Joe Morello und das pointierte Altsaxofonspiel von Paul Desmond machen es einem auch als Einsteiger leicht, sofort Zugang zum Album zu finden. Nicht zu vergessen: Mit Take Five befindet sich ein lupenreiner Superhit auf der Platte. Und wer mal ein Stück im 9/8-Takt hören will, der höre sich den ebenfalls tollen Opener Blue Rondo à la Turk an. Bestes Stück: Take Five

Miles Davis ist der wohl bekannteste und bedeutendste Jazzer der Welt. Punkt. Wenn es um sein bestes und wegweisendstes Album geht, ist man sich gemeinhin einig: Kind Of Blue. Doch für Einsteiger ist es nur bedingt geeignet. Da bietet Miles Ahead, das Davis zwei Jahre zuvor mit dem Gil-Evans-Orchester eingespielt hat, einen etwas einfacheren Zugang. Diese Zugänglichkeit ist wohl in erster Linie dem Arrangeur und Pianisten Gil Evans zu verdanken, dem es gelungen ist, Miles Davis' Spiel nicht ausufern zu lassen, ohne ihm dabei die Spielfreude zu rauben. Die Big Band, die Evans für die Aufnahmen zusammenstellte, harmonierte perfekt und insbesondere die swingenden Rhythmen von Paul Chambers am Bass und Art Taylor am Schlagzeug treiben einem das ganze Album tief ins Herz hinein. Miles Ahead ist ein eher ruhiges Album, recht reduziert, fast statisch, aber genau darin liebt sein Reiz - zumal sich Davis - der auf der Platte übrigens nicht Trompete, sondern Flügelhorn spielt - ganz in den Dienst der Big Band stellt. Super gechilltes Album. Bestes Stück: The Duke

Allein diese Stimme. Diese Eindringlichkeit, dieser Schmerz, den sie mitbringt, diese Wehmut - das alles sucht seinesgleichen, auch wenn man das alles auch bei einigen zeitgenössischen Ausnahmekünstler*innen heraushören kann, zum Beispiel bei Beth Gibbons von Portishead. Doch Billie Holiday war besonders. Vor allem in der Melodieführung, mit der sie Songs, die meist nicht aus ihrer Feder stammten, zu ihren machte. Dazu gehörte auch das auf Billie Holiday enthaltene Strange Fruit, eines der wichtigsten Stücke der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung und die musikalische Einforderung der Menschenwürde für Schwarze. Holidays Leben an sich war jedoch alles andere als leicht - davon kann man sich im aktuellen Biopic The United States vs. Billie Holiday ein Bild machen: Vergewaltigt mit elf Jahren, Aufenthalt im Erziehungsheim, Arbeit im Bordell, Drogensucht, Gewalt, dazu die ständige Diskriminierung - es muss die Hölle gewesen sein. Und all diese schmerzhaften Erfahrungen legte Billie Holiday in ihre Stimme, wie man auf Billie Holiday wunderbar hören kann. Bestes Stück: Strange Fruit

Ja, Selbstbewusstsein hatte der Jazzsaxofonist Sonny Rollins immer schon - wie unschwer am Plattentitel zu erkennen ist. Aber er hat eben auch Recht, wie er mit diesem Album beweist. Denn Saxophone Colossus ist eines der besten Jazz-Alben der Welt. Es beginnt mit dem unwiderstehlichen Calypso St. Thomas, benannt nach dem karibischen Herkunftsort seiner Mutter, der früh zum Jazz-Standard wurde. Was viele nicht wissen: Auf der Platte gibt es mit Moritat auch eine leicht düstere Version aus Berthold Brechts und Kurt Weills Dreigroschenoper, die damals sehr populär war. Das energetische, manchmal etwas überzogene, aber immer sehr melodische und herausfordernde Spiel von Sonny Rollins machen ihn zu Recht zu einem der wichtigsten Tenorsaxofonisten neben John Coltrane. Bestes Stück: St. Thomas

Neben Billie Holiday, von der sie stark beeinflusst war, gilt auch Nina Simone als eine der einflussreichsten und wichtigsten Protagonist*innen des Jazz und Blues. Um sich ihrem Werk zu nähern, könnte man sich ebenso gut das Live-Album Nina Simone In Concert anhören, das einige ihrer besten Stücke enthält. Aber auch I Put A Spell On You ist ein perfekter Einstieg, weil es als ihr wohl poppigstes und zugänglichstes Studioalbum gilt und mit dem Titel-Track und Feeling Good, dessen Sample man möglicherweise aus dem Song New Day von Kanye West und Jay-Z kennt, einige ihrer bekanntesten Lieder enthält. Bestes Stück: Feeling Good

Wer sich ein bisschen mit Jazz auskennt, wird beim Namen Charles Mingus sofort an dessen Meisterwerk Mingus Ah Um denken; ein Album, dessen Klasse hier in keiner Weise in Frage gestellt werden soll. Aber: Mingus Mingus Mingus Mingus Mingus ist im Vergleich zu diesem Klassiker doch ein wenig zugänglicher und taucht daher an dessen Stelle in dieser Liste auf. Zumal auch dieses Album eindrucksvoll aufzeigt, warum der große Improvisator zu den größten (Kontra-)Bassisten und Komponisten des modernen Jazz gehört. Doch so erstklassig auch sein Bassspiel war, so niederträchtig war sein Benehmen. Mingus galt zeitlebens als Choleriker, der sich regelmäßig mit Bandkollegen und Publikum anlegte, Clubinventar und Instrumente zertrümmerte und zeitweise in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wurde. Möglicherweise hat er sich da auch diesen Albumtitel ausgedacht. Bestes Stück: II B.S.

Ebenfalls einer der wichtigsten Jazzmusiker aller Zeiten ist Duke Ellington. Der begnadete Komponist und Stride-Pianist hat im Laufe seines Lebens knapp 2000 Stücke komponiert, von denen etwa 100 zu zeitlosen Jazzstandards wurden. Ellington hatte sich Zeit seines Lebens auf die Fahne geschrieben, den Jazz gesellschaftlich dadurch aufzuwerten, indem er ihm eine Konzerthaus-Seriosität verleiht - was nie so recht hingehauen hat, weil er ständig auf Tournee war. Seine Lösung: Die Erfindung der Suiten, bei denen seine Stücke oft ein wenig skizzenhaft blieben. Genau das machte aber stets ihren Charme aus, weil Ellington und seine Musiker improvisieren mussten und dadurch experimenteller, unkonventioneller und mutiger klangen. Eine der besten: die New Orleans Suite. Darauf führt Ellington den Jazz zurück an seinen Ursprungsort. Das macht diese recht zugängliche Suite so besonders - zumal Ellington bei der Aufnahme absolut in Bestform war. Folgerichtig bekam er für die Aufnahme 1971 auch eine Grammy verliehen. Bestes Stück: Portrait Of Louis Armstrong

Diese Platte gilt als Meilenstein des Hard Bop und als eine der besten Jazzplatten überhaupt. Nachdem Miles Davis 1957 auf Adderley aufmerksam wurde, holte er ihn in seine Band, was zu einigen der damals innovativsten Jazz-Aufnahmen führte: Milestones, Kind Of Blue und eben Somethin' Else. Man hört den Einfluss von Davis, aber auch von Charlie Parker. Trotzdem klingt Somethin' Else absolut eigen und zeigt Cannonball Adderley in absoluter Topform. Der berühmte österreichische Jazz-Pianist Joe Zawinul hat Cannonball mal als meistunterschätzten Musiker des Jahrhunderts bezeichnet - und da ist was dran. Leider verstarb er 1975 viel zu früh an den Folgen eines Schlaganfalls. Er wurde gerade mal 46 Jahre alt. Bestes Stück: Autumn Leaves

Denkt man an John Coltrane, denkt man als allererstes an A Love Supreme, das neben Miles Davis' Kind Of Blue für viele als bestes Jazz-Album aller Zeiten durchgeht. Doch nicht nur, dass auch Blue Train heute als Meisterwerk gilt, es ist auch um einiges zugänglicher. Das mag daran liegen, dass die Platte auf dem traditionsreichen Label Blue Note veröffentlicht wurde und man durchaus eine Orientierung an dessen Label-Sound heraushören kann. Zum anderen war Coltrane aber auch als Musiker noch nicht ganz so weit, hat sich insbesondere bezüglich der Harmonisierung der Bläser-Section noch nicht so weit aus dem Fenster gelehnt wie auf späteren Recordings, was die Platte für Einsteiger etwas weniger sperrig macht. Bestes Stück: Blue Train

Dem Modern Jazz Quartet gelang es seinerzeit, Menschen in die Konzertsäle zu locken, die sich bisher nicht für Jazz interessierten (beste Voraussetzung also, um in dieser Liste aufzutauchen). Die Gründe dafür waren vielfältig: Zum einen lag es daran, dass die Gruppe ihren Cool Jazz mit europäisch geprägter Kammermusik und anderen klassischen Formen kombinierten, was ihnen insbesondere in Europa Gehör verschaffte - zum anderen am Sound, für den auf Saxofon oder Trompete bewusst verzichtet wurde. Stattdessen dingt und dongt es unentwegt; die beiden Hauptprotagonisten Milt Jackson (Vibraphon) und John Lewis (Piano) trieben sich mit ihrem Gegensätzlichen Spiel stets zu Höchstleistungen an. Der perfekte Einstieg in die Welt des Modern Jazz Quartet ist The Complete Last Concert. Bestes Stück: Summertime

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