Daniel Hautmann

Freier Journalist (Technik, Energie, Umwelt), Hamburg

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Stephan Wrage / Sky Sails

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SkySails

Heute sitzt der Visionär im Nadelstreifenanzug im Besprechungsraum seiner Firma in Hamburg-Harburg. Gerade ist er von einem Termin zurückgekommen, hat sich aus seinem Büro noch schnell etwas zu essen geholt und geht gleich in die Vollen: „Mit dem Skysail lassen sich jährlich 100 Millionen Tonnen CO2 einsparen." Das Modell seiner Vision steht vor ihm: Ein etwa achtzig Zentimeter langes Abbild der „Michael A". Ein Frachtschiff der Reederei Wessels, das mit seiner Erfindung - dem Skysail - fährt und beweist, dass Wrages Idee bei weitem kein Schwachsinn ist. Mit 160 Quadratmetern ist der Kite, der Zugdrachen, im Original ungefähr so groß wie ein Tennisplatz. Er bewegt sich in bis zu 300 Metern Höhe und fliegt eine programmierte Figur ab. Über ein Seil ist er mit dem Schiffsbug verbunden, so zerrt er mit gewaltigen acht Tonnen an dem Frachter. Das spart bis zu 35 Prozent Treibstoff. Vier Schiffe fahren heute mit Wrages Zusatzantrieb - sie gehören zu den Reedereien Wessels aus Haren an der Ems, Beluga aus Bremen und Parlevliet & Van der Plas B.V. aus den Niederlanden. Im Dezember 2011 wird ein Boot hinzukommen, das der Nahrungsmittelproduzent Cargill gechartert hat.

Natürlich sollen es noch viel mehr werden. Das Potenzial ist riesig: Ein Großteil der 60.000 Handelsschiffe, die über die Weltmeere kreuzen, könnte mit einem Zugdrachen ausgerüstet werden. Die internationale Schifffahrtsorganisation hat in einer ihrer Studien zur Eindämmung von Emissionen aus der Schifffahrt berechnet, dass sich mit Hilfe des Skysails - als einzigem Anbieter dieses Produktes - jährlich rund 100 Millionen Tonnen CO2 vermeiden ließen. Theoretisch. Denn die Branche ist erzkonservativ. Reeder wollen handfeste Beweise, sonst geben sie kein Geld aus. Was sich nicht seit 40 Jahren bewährt hat, taugt nicht, lautet ein Bonmot der Branche. „Wir sind noch nicht zur Überzeugung gelangt, dass das Skysail unter den alternativen Antriebssystemen das Nonplusultra ist", sagt Olaf Mager vom Germanischen Lloyd, der als weltweiter Schiffszertifizierer einen guten Marktüberblick hat. Und dann ist da noch die Investition. Inklusive Installation kosten die Kites zwischen 500.000 und zwei Millionen Euro. Nach drei Jahren hat sich die Anschaffung amortisiert.

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