Daniel Hautmann

Freier Journalist (Technik, Energie, Umwelt), Hamburg

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Dicke Luft auf hoher See

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smoke on the water ....

Seit dem VW-Skandal stehen Dieselfahrzeuge in der Kritik - dabei sind Schiffsabgase viel schlimmer.



Stampfend schiebt sich die „Barzan" aus dem Hamburger Hafen. Zwei Tage lang lag der Container-Koloss am Kai. Krane hievten Tausende Kisten von Bord und packten neue darauf. Um fünf Uhr morgens heißt es: „Leinen los!" Als „grünsten Megafrachter der Welt" bewirbt die Reederei UASC den modernen Koloss: 400 Meter lang, fast 60 Meter breit, knapp 57 000 Tonnen Stahl. Voll beladen schleppt er sagenhafte 18 800 Standard-Container.


Ein Sinnbild - 90 Prozent des Welthandels laufen über die Meere. Doch kaum einer will wahrhaben, was für aberwitzig große Mengen Schadstoffe die Frachter ausstoßen.

Auch die angeblich so grüne „Barzan", die sich kurz nach Weihnachten durch den Suezkanal zwängt, macht da keine Ausnahme. Sie spuckt jährlich Tausende Tonnen giftige Abgase in die Luft - auf See und in den Städten, die sie anläuft. Das klimaerwärmende Kohlendioxid (CO 2) ist noch das geringste Problem. Aus ihrem Schornstein quillt Schwefeldioxid, der sauren Regen verursacht und die Schleimhäute schädigt. Stickoxide, die die Atemwege reizen und Smog verursachen. Feinstäube, die in die Atemwege gelangen und gefährliche Lungenkrankheiten und Krebs auslösen können. Katalysatoren wie bei Autos? „Gibt es auf Schiffen praktisch nicht", sagt Dietmar Oeliger, Verkehrspolitik-Leiter beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu).


Volkswagen hat sich wegen überhöhter Abgaswerte eine Menge Ärger eingehandelt. Doch über den Diesel-Skandal kann Nicolai Völckner, technischer Direktor beim maritimen Ingenieurbüro Thiiink, nur lachen: „Ein Witz im Vergleich zu dem, was auf See passiert. Allein der Seetransport eines Fahrzeugs von Emden in die USA verursacht rund fünfmal so viel Stickoxid wie das Auto während eines 300 000 Kilometer langen Lebens."


Studien weisen seit Jahren auf das Problem hin. Erst vor Kurzem haben schwedische Wissenschaftler Daten veröffentlicht, die ein erschreckendes Bild für die Ostseeanwohner zeichnen: „Die Luft entlang der Küsten ist voller giftiger Nanopartikel, die einen größeren Schaden für den Menschen darstellen als bislang gedacht", schreiben Adam Kristensson und seine Kollegen von der Universität Lund im Fachmagazin „Oceanologia". „Rund die Hälfte der Partikel stammt von Schiffen." Oeliger behauptet gar: „ An den Schiffsabgasen sterben pro Jahr rund 40 000 Europäer frühzeitig."


Dabei gelten seit Kurzem niedrigere Schwefelgrenzwerte für Schweröl. Doch das heißt nicht viel: Im Vergleich zu Tankstellen-Diesel sind sie noch immer bis zu 3500-mal höher. Wirkliche Linderung wird es wohl erst mit einer für 2025 geplanten Absenkung geben. Für Alfred Hartmann, Präsident des Verbands Deutscher Reeder, ist das ausreichend: „Bei Schwefelemissionen hat die Schifffahrt ihre Hausaufgaben gemacht." Auch für Stickoxide gelten seit letztem Jahr neue Regelungen - aber nur für neu gebaute Schiffe. ..... 



http://www.focus.de/wissen/natur/wie-schiffe-die-luft-verpesten-die-luft-ist-nicht-rein-auf-hoher-see_id_5258156.html




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