Daniel Hautmann

Freier Journalist (Technik, Energie, Umwelt), Hamburg

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Frische Brise

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Frachter auf der Elbe

Zerklüftete Berghänge, kristallklares Wasser - zahlreiche Besucher bestaunen Norwegens Fjorde alljährlich. Vor allem vom Schiff aus. Doch ausgerechnet der maritime Tourismus hinterlässt Spuren: Die Abgase der Motoren legen sich über das Idyll.


Damit sich die Naturschönheiten auch in Zukunft sehen lassen können, fördern die Skandinavier nun saubere Schiffsantriebe. Ein Aktionsplan soll Norwegen als grüne Seefahrtsnation etablieren und der heimischen Industrie einen Technologievorsprung sichern. Hybridsysteme, Elektro- und Gasmotoren spielen darin eine zentrale Rolle.


Können die alternativen Antriebe die Schifffahrt revolutionieren - während sie in den Autos an Land nicht recht vorankommen? Immerhin bieten die E-Antriebe nicht nur Umweltvorteile, sondern Wassersportlern auch jede Menge Spaß. Sie bringen Surfboards und Aquascooter ebenso auf rasante Fahrt wie Motorboote. Und sie transportieren sauber große Lasten.


Die weltweit erste batteriebetriebene Auto- und Personenfähre legte im vergangenen Mai in Norwegen ab. Der Schiffseigner Norled betreibt dort zahlreiche Fährverbindungen, darunter die über den Sognefjord 80 Kilometer nördlich von Bergen. Die nur sechs Kilometer kurze Überfahrt kommt dem von Siemens gelieferten Elektroantrieb entgegen: Dort pendelt nun die 80 Meter lange „Ampere", angetrieben von einer zehn Tonnen schweren Lithium-Ionen- Batterie. Die speichert 1000 Kilowattstunden, was etwa 1500 Standard-Autobatterien entspricht. Das ist mehr als genug für die Überfahrt - und nach nur zehn Minuten Liegezeit im Hafen ist der Akku wieder voll.


Durch den Wechsel zum Batterieantrieb sinken die Treibstoffkosten um bis zu 60 Prozent. So spart die Reederei eine Million Liter Dieseltreibstoff pro Jahr. Und bewahrt die Umwelt vor 570 Tonnen Kohlendioxid sowie 15 Tonnen Stickstoffoxid. Ganz zu schweigen vom Ruß. Doch das umweltfreundliche Antriebssystem kostet: „Im Vergleich zum Dieselmotor rund das Zehnfache", sagt Fridtjof Rohde, Manager bei der Pella-Sietas-Werft in Hamburg.


Dennoch gilt die Norled-Fähre als Meilenstein auf dem Weg hin zum emissionsfreien Fährverkehr. Allein in Norwegen könnten solche Schiffe auf mindestens 50 weiteren Strecken im Land eingesetzt werden - und zusammen jährlich bis zu 100 Millionen Liter Dieseltreibstoff einsparen. Einsatzmöglichkeiten sehen Experten auch andernorts: „Etwa auf Binnengewässern", so Narve Mjøs, der beim Technik-Dienstleister DNV GL für maritime Batterieprojekte zuständig ist. Denkbar seien zudem batteriegetriebene Containerschiffe. Die Konzeptstudie für einen autonomen E-Frachter liegt bereits vor.


Während der reine Elektroantrieb auch auf See eher ein Thema für die Kurzstrecke ist, bieten Hybridsysteme aus Elektro- und Verbrennungsmotor große Reichweiten. Und sie erlauben es, etwa bei der Einfahrt in einen Fjord auf sauberen Elektroantrieb umzuschalten. „Tatsächlich setzen sich Behörden weltweit zunehmend für strengere Emissionsvorschriften in der Schifffahrt ein, besonders in sensiblen Gebieten und in Häfen", sagt Mjøs.


Davon ist man in Deutschland noch meilenweit entfernt. Die Reederei Scandlines, die unter anderem die sogenannte Vogelfluglinie von Hamburg nach Kopenhagen betreibt, baute immerhin im Jahr 2013 ihre bestehende Flotte zu Hybridschiffen um. Jeweils einer der fünf Dieselmotoren eines Schiffs wurde ausgebaut, zwei bleiben meist abgeschaltet. Die übrigen Motoren laufen dafür auf Hochtouren, auf Wunsch sogar im Hafen - der Strom wandert dann in die Batterie. Beim Ablegen, wenn die Fähre viel Energie verbraucht, speisen die Motoren direkt den E-Antrieb. „Durch die Kombination der Dieselgeneratoren mit Batteriepaketen können die Motoren permanent optimal ausgelastet werden - so vermeiden wir Leerlauf", sagt Scandlines-CEO Søren Poulsgaard Jensen.


Weltweit sind derzeit rund 20 Hybridschiffe unterwegs oder befinden sich im Bau. Ähnlich wie auf der Straße werden zunächst solche Kombiantriebe Einzug halten und der Technologie den Kurs weisen, sagt Schiffbauer Fridtjof Rohde. Dann erst werden reine Elektroschiffe aufkreuzen.

Genau wie beim Auto spielen dabei auch die Wartungskosten eine Rolle: Die seien deutlich geringer, betont man in der Fachwelt - und warnt dennoch vor Euphorie. Reine E-Antriebe bergen auch Risiken, vor allem weil die Schiffe oft untermotorisiert seien, sagt Stefan Krüger, Ingenieur an der Technischen Universität Hamburg-Harburg: „In Extremsituationen, etwa bei Schlechtwetter, kann das gefährlich werden."


Auch so ziemlich alle Kreuzfahrtschiffe besitzen einen E-Motor. Damit sind die Schiffe vibrationsarm, leise und wendig. Die gut zahlenden Gäste an Bord wollen schließlich in Ruhe schlafen, bevor sie im nächsten Hafen aufwachen. Versorgt werden diese sogenannten Pod-Antriebe allerdings nicht von Akkus - so viel Strom könnte keine Batterie der Welt liefern -, sondern von zahlreichen Dieselgeneratoren.


Ob die monströsen Kreuzfahrtschiffe mit ihren Tausenden Passagieren jemals rein elektrisch fahren werden, ist fraglich. „Wir haben Batteriekonzepte für uns geprüft. Allerdings fehlt es bislang an der Einsatzreife für Kreuzfahrtschiffe. Bis jetzt sind Platzbedarf und Gewicht zu hoch, zudem sind die Konzepte nicht wirtschaftlich", sagt Jens Kohlmann von Aida Cruises.


Den Riesen einige Schiffslängen voraus sind beim E-Antrieb kleine Freizeit- und Touristenboote. Welle machte in den vergangenen Jahren das bayerische Unternehmen Torqeedo. Es bietet Elektromotoren für kleinere Boote und Jachten an - vom kleinen Außenborder bis zum 80-PS-Protz ist alles dabei. Die Motoren sind leise, stinken nicht und erlauben es, auch in sensiblen Gewässern „volle Fahrt voraus" zu geben. Ob das im Sinne des Umweltschutzes ist, darf allerdings bezweifelt werden. Das Unternehmen hat bereits rund 50 000 Stück verkauft, sagt Gründer Christoph Ballin.

Noch eine Nummer kleiner, dafür noch etwas spritziger unterwegs sind Elektro-Surfboards. Auch sie werden immer beliebter. Mit Akkus, E-Motor und Steuereinheit an Bord braucht der Surfer weder Wind noch Welle, um in Fahrt zu kommen.


Ein weiteres rasantes Kleingefährt ist der Seabob. Der Wasserschlitten wird nicht nur von betuchten Jachtbesitzern benutzt, sondern auch von Tauchprofis. Der Jet-Antrieb erlaubt es seinem Nutzer, in bester James-Bond-Manier abzutauchen. Heimlich, still und leise - und noch dazu ganz ohne Emissionen.


Seabob F5 Abtauchen wie James Bond Geschwindigkeit: 15 km/h Reichweite: 50 Minuten Leistung: 2,5 kW Preis: 7845 Euro Zugegeben: Der Aquascooter von Seabob ist eher Spaßgefährt als Mobilitätsrevolution. Bei einem Gewicht von 29 Kilo überzeugt er sowohl über als auch unter Wasser.

Fähre „Ampere" Grüner übers Wasser Geschwindigkeit: 18-22 km/h Reichweite: ca. 1 Stunde Leistung: 900 kW Preis: keine Angabe Der Akku der „Ampere" ist ein technisches Meisterwerk. Elf Tonnen schwer, mit der Kapazität von etwa 1500 Standard-Autobatterien. 34 Überfahrten macht die Elektrofähre täglich und bietet dabei Platz für 360 Passagiere und 120 Fahrzeuge.

Torqeedo Sauber und schnell Geschwindigkeit: 32-44 km/h Reichweite: 5-8 Stunden Leistung: 25 kW Preis: 19 000 Euro Das Unternehmen Torqeedo baut E-Antriebe sämtlicher Couleur. Unsere Daten entsprechen dem Modell Deep Blue 40 T.


Waterwolf MPX-3 Ohne Welle reiten Geschwindigkeit: 25-30 km/h Reichweite: 30-40 Min. Leistung: 5 kW Preis: 8000 Euro Elektrische Surfboards wie der Waterwolf ermöglichen es, auf Flüssen und ruhigen Seen zu surfen - unabhängig von Wind und Wellen.

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