Corinna Fuchs-Laubach

freie Journalistin für Wirtschaft und Kultur , Großenkneten / Landkreis Oldenburg

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Zeitlose Hingucker

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Provokant bedruckt, zeitlos im Design: Das sind die T-Shirts des kleinen Bremer Labels "Stylesucks". Seit elf Jahren experimentiert Gründer Stefan Meichau als unkonventioneller Modedesigner, ohne sich dem Diktat der Modewelt zu unterwerfen. Gut 160.000 Shirts hat er bislang verkauft. Auf den ganz großen Durchbruch wartet er geduldig und feilt derweil an neuen Motiven.

Das kleine Büro im Bremer Szene-Stadtteil Viertel ist multifunktional: Schreibtische mit formschönen Computern für die hauptsächliche Arbeit als Werbender an der einen Seite des Raumes, an der anderen Längsseite eine Kleiderstange mit Musterstücken der aktuellen "Stylesucks"-Kollektion. In der Ecke eine improvisierte Umkleide mit Vorhang. Abgewetzter Holzboden und hohe Decken. Wer zu Stefan Meichau kommt, tut dies vor allem wegen seiner T-Shirts und Kapuzenpullis mit frechen Motiven - nicht, weil er ein aufgeräumtes, trendiges Verkaufsambiente sucht. Dafür trifft der Käufer auf Individualität. Kaffee und eine bequeme Chippendale-Couch gibt es inklusive.

Gefertigt wird in Europa

Denn, wer die kleine Treppe in den ersten Stock hinaufsteigt, der will weniger Mode kaufen als ein Statement: Ein Lebensgefühl auf Textil gebannt. "Stylesucks" steht zwar für einen Independent-Charakter, aber Meichau ist es durchaus ernst mit seinen Shirts. Cool und zugleich nachhaltig soll das Kleidungsstück sein, das ebenso zur Jeans als auch zum Anzug getragen wird. Mit "Stylesucks" legt Label-Gründer Meichau Wert auf hohe Qualität und gute Stoffe, gerne Bio, gefertigt wird in Europa.

Doch mindestens ebenso penibel achtet er auf das Außergewöhnliche. Die T-Shirts haben eine Aussage. Kein Träger - zum Großteil Männer zwischen 25 und 40 Jahren - wählt ohne Bedacht sein Wunschmotiv. Der Gleichklang Sex, Drugs und Rock 'n' Roll spielt eine große Rolle. "Wir stehen nicht für Mainstream", betont der 42-Jährige. Vielmehr spiegele man den Zeitgeist. Und ein Shirt aus der Bremer Kollektion kann durchaus Begehrlichkeiten wecken. Aus einer Motivreihe werden immer nur 999 Exemplare gefertigt - ausgenommen die "classics".

Klassiker Hansepunk

Zu solch einem Klassiker zählt auch "Hansepunk". Vor dem Hintergrund eines Hansewappens sitzt eine spärlich bekleidete, vollbusige Frau, die Finger vor dem Schritt obszön zu einem V geformt. Das Startmotiv ziert auch als übergroßes Wand-Tattoo das "Stylesucks"-Büro. Kein Motiv für Jedermann. Beschwerden habe es allerdings nur in der Anfangszeit gegeben, sagt Stefan Meichau, der Frauen mit den oftmals leicht anstößigen Motiven keinesfalls vor den Kopf stoßen will. Er spielt nach eigenen Angaben vielmehr mit den ewigen Männerthemen vom Geschwindigkeitsrausch, großer Freiheit und noch mehr freizügiger Liebe.

Soeben ist "Hansepunk 2" an den Start gegangen - hier schlängelt sich in Manier einer Pole-Tänzerin eine halbnackte Frau um einen Anker. Dass das nicht billig wirkt, ist dem Modemacher wichtig. "Die Message unserer Mode steht für sich", betont Meichau. Sie kann, soll und will nicht interpretiert werden.

Unorthodox

Viel Zeit investiert der Bremer in die Motivsuche und die grafische Aufbereitung am Computer. Ob "Freedom" (Bulli vor untergehender Sonne) oder "Guitarella" (Abbild aus halb Frau, halb Gitarre) - bei jedem geplanten Aufdruck muss es bis ins letzte Detail stimmig sein. Aktuell feilt er an einem Motorradmotiv. "Schön Old School" solle das werden. Stefan Meichau entwirft Mode; dem Diktat dieser Branche unterwerfen will er sich aber nicht. Und so nimmt er den zuweilen eitlen Modezirkus mit seinen Produkten durchaus aufs Korn. "Wir wollen keine Markenidentifikation bedienen, extra teuer sein oder alle paar Wochen die gesamte Kollektion austauschen, nur um etwas Neues zu bringen", erklärt Meichau.

Sein Hauptstandbein ist seine vor 14 Jahren gegründete Multimedia-Agentur Nachtlicht-Media, mit der er überwiegend für kleine und mittlere Mittelständler an der Entwicklung einer Corporate Identity arbeitet. Vor elf Jahren kam die T-Shirt-Produktion dazu. Der kreative Kopf möchte ganz unorthodox, dass die Käufer nicht nur Spaß an ihren Shirts haben, sondern dass diese auch langlebig sind. "Die Shirts halten locker vier Jahre, das ist fast schon eine kleine Mode-Auflehnung", schmunzelt Meichau.

Soziale Medien: Unverzichtbar

Fast 3.400 Freunde hat sein Label "Stylesucks" beim größten sozialen Netzwerk Facebook. Hier kann er gezielt für seine Produkte werben und auf sich aufmerksam machen. Sein wichtigster Absatzkanal ist der Online-Shop. Gut 160.000 T-Shirts hat Meichau bislang verkauft. Das hört sich viel an, "doch einen Ferrari hab ich nicht in der Garage stehen", grinst er. Die Gewinnmargen seien klein. Statt Massenproduktion geht es um Einzelaufträge, gefertigt wird nicht auf Halde.

Immer mal wieder versucht Meichau auch, Bands - "vor allem die, die ich cool finde" - mit seinen Shirts auszustatten. Musiker Lenny Kravitz hat er vor kurzem ein Shirt zukommen lassen. Ob der das tragen wird und ob Stefan Meichau davon jemals Wind bekommt, steht in den Sternen.

Zu 80 Prozent ist das Bremer Produkt eine Männermarke. Schauspieler Jürgen Vogel oder Fußballer Tim Wiese haben mindestens ein "Stylesucks"-Shirt in ihrem Schrank. Typen wie diese passten zum Label, sagt Stefan Meichau. Solche Charaktere seien zudem wichtige Multiplikatoren. "Es ist verdammt schwer, in der Modewelt eine Marke zu platzieren", sagt der Designer. Wahrgenommen werden, das ist ein hartes Geschäft. Viel Lehrgeld hat der T-Shirt-Macher auch für das Bedrucken der Shirts, die Logistik oder den Versuch des Vertriebs über den kleinen Einzelhandel gezahlt. Ans Aufgeben hat er dennoch nie gedacht. Dafür mache das Label zu viel Spaß. Ein enormer Antrieb - auch bei Rückschlägen.

Strampler für Babys

Mittlerweile hat Meichau auch Basics für Frauen, Strampler für Babys, Wand-Tattoos oder hochwertige Ledertaschen als Männer-Accessoire in der Produktpalette. Stefan Meichau und sein Ziehkind "Stylesucks", das ist "beileibe keine One-Man-Show", sagt er. Gemeinsam mit zwei Mitarbeitern kämpft er beharrlich für den Durchbruch und für den Beibehalt aller Individualität. Auch wenn der ganz große Erfolg ein Traum wäre - schließlich könne "der Bang" immer eintreffen - eines will Stefan Meichau mit "Stylesucks" nicht werden: ein gesichtsloser Riese.

6.274 Zeichen, Autorin: Corinna Laubach

Mehr unter: www.stylesucks.com

Pressekontakt:

Stefan Meichau Stylesucks Tel.: +49 421 79 01 18 40 E-Mail: stefan[at]stylesucks.com Erstellungsdatum: 25.08.2014

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