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Rom: Wenn der Bus nicht kommt, gibt es ein Eis

Ach, Italien! Es gibt kaum einen schöneren Seufzer, um unserer ewigen Sehnsucht nach mehr Lebensfreude und Genuss Ausdruck zu verleihen. Unsere Sommerkolumne nimmt Sie mit auf die Reise.

Der römische Regen, ein Wolkenbruch eher, treibt mich ins Kino. Ich kaufe an der Bar einen Chinotto, ein Getränk, das aus der Chinottofrucht gemacht wird, die in Deutschland kaum bekannt ist: eine Citrusfrucht, die ein wenig aussieht wie eine Orange und dessen Saft eine bräunliche Färbung und einen charakteristischen, süß-herben Geschmack hat. Im Kinosaal warte ich gespannt. Und warte gespannt. Bis rund zwanzig Minuten nach dem geplanten Vorstellungsbeginn eine junge Frau hereinkommt und sagt: " Scusateci!", entschuldigt!, sie könnten den Film doch nicht zeigen, ein Schlüssel fehle, genauer wird sie nicht. Das Kino würde allen Gästen ein Getränk ausgeben.

Das darf ja nicht wahr sein!, denke ich - ein Kino, das den Film spontan doch nicht zeigt, dass ich nicht lache! Ich will mich gerade lautstark beschweren, als ich merke, dass alle anderen Gäste schon ihr Geld an der Kasse zurückgeholt haben und aus der Tür gegangen sind. Ciao, ciao, sagen sie noch, arrivederci, bis zum nächsten Mal, tranquilli, alles gut, non c'é problema. Nicht einmal das Gratis-Getränk bestellen sie. Sie spannen den Schirm auf und gehen ihrer Wege.

Römische Gelassenheit muss man erst mal lernen, gerade wenn man aus Deutschland kommt. Ich übe noch. Wer sich hier aufregt, im Zentrum der Ewigen Stadt, gilt schnell als lächerlich. Lockerheit gehört zum Leben und zum Selbstverständnis dazu, deshalb dürfen Römerinnen und Römer beim Einparken auch an die Autos vorne und hinten anditschen. Entspannt euch, sind bloß Stoßstangen.

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Am besten, man übt mit meiner Monatskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel. Es wurde schon genug gespottet über ATAC, so heißt das städtische Verkehrsunternehmen . Klar, es ist absurd, dass im Bus fast nie die Haltestellen angesagt werden. Dass Busse, auf die man 25 Minuten wartet, an einem vorbeibrettern, obwohl man den Arm ausgestreckt hält. Dass Touristen Busfahrer fragen müssen, wo sie denn Tickets kaufen können, weil es online nicht geht, keine Automaten an den Haltestellen stehen und der Tabaccaio, auf den dann gerne verwiesen wird, geschlossen ist oder keine Biglietti mehr hat. " Ehhhhh", sagt der Busfahrer dann, zuckt mit den Schultern, schließt die Türen, lächelt freundlich und rumpelt davon. " Ehhhhh?" denken sich viele Touristen, an der Bushaltestelle zurückbleibend, vermutlich auch.

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