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"Ein kultureller Frühling, und ein kalter politischer Winter"

Foto: Shii at English Wikinews; Public Domain

Wenn es um den Arabischen Frühling geht, fällt nur selten der Name Saudi-Arabien. Doch vieles am modernen saudischen Selbstverständnis lässt sich auch mit den Entwicklungen seit 2011 erklären.


"Heute? Heute herrscht in Saudi-Arabien ein dunkler, dunkler Winter." Man erreicht Madawi al-Rasheed an einem Novembermorgen in London, wo die Sozialanthropologin an der renommierten London School of Economics als Gastprofessorin arbeitet. Die 1962 geborene saudische Staatsbürgerin ist eine weithin geschätzte Wissenschaftlerin, zugleich aber auch Aktivistin und oppositionelle Politikerin. Im Exil, versteht sich: In Saudi-Arabien selbst sind Parteien verboten. Fragt man al-Rasheed also am Telefon, was aus dem Arabischen Frühling von 2011 geworden ist, kann sie gar nicht anders, als vom dunklen Winter erzählen, der sich seitdem über ihr Land gelegt habe.


Wenn es um den Arabischen Frühling geht, fällt nur selten der Name des Königreichs auf der Halbinsel. Doch vieles am modernen saudischen Selbstverständnis lässt sich auch mit den Entwicklungen seit 2011 erklären. Der berühmte Arabische Frühling begann eigentlich schon im Dezember, und er wurde ausgelöst von der Verzweiflungstat des tunesischen Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi, der sich am 17. Dezember 2010 in Sidi Bouzid verbrannte. Zuerst standen die Massen in Tunesien auf, dann erhoben sie sich in Ägypten – und schließlich folgten Millionen Menschen in einer ganzen Reihe von arabischen Staaten und protestierten gegen ihre autoritären Regierungen.


Auch in Saudi-Arabien. Es gab wenige Dinge, die das saudische Herrscherhaus mehr fürchtete als eine solche Aufstandsbewegung.

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