4 Abos und 2 Abonnenten
Interview

Drei Jahre Echo Bücher

Clubkultur gibt es auch außerhalb von Clubs. Seit drei Jahren zeigt dies der Laden Echo Bücher in Berlin-Wedding. Im Interview erklärt der gebürtige Spanier und Inhaber David Armengou, was der Name „Echo“ bedeutet, wie sich sein Laden in den ersten drei Jahren entwickelt hat und warum zurzeit talentierte Designer und Künstler aufgerufen sind, sich mit Entwürfen bei ihm zu melden.

Mit der Digitalisierung haben schon viele Plattenläden ihr Sortiment erweitert, auch um Bücher. Doch einen Buchladen für elektronische Musik zu eröffnen, das tat vor Dir bestimmt noch keiner. Wie hast Du die Lücke entdeckt?
„Ich würde es nicht „Entdeckung“ nennen, sondern „Bedürfnis“. Aus meiner Leidenschaft für Bücher und Clubmusik habe ich einfach einen Raum geschaffen, wo man das alles finden kann. Nicht nur die Bücher sind mein Anliegen, es geht auch darum, die Clubkultur durch Events, Kunst und Merchandising erlebbar zu machen.“

Nun dreht sich ja primär alles um elektronische Musik. Das ist eigentlich schon ein Medium für sich. Welches Potenzial siehst Du für die Literatur in dieser Szene?

„Ich sehe ein sehr großes Potenzial. Das Spektrum ist vielfältig und es erscheinen immer wieder neue Ideen. Das Interessante an der elektronischen Musikszene ist, dass sie ständig im Wandel ist. Und das bereits seit über einem halben Jahrhundert. Bei „Echo Bücher“ setzen wir auch einen Schwerpunkt auf die Pioniere der elektronischen Musik. Also nicht nur Juan Atkins oder Kraftwerk, sondern auch Steve Reich, Stockhausen oder Varèse, die früher als Komponisten bereits einen Grundstein für den heutigen Sound legten. Das zeigt auch, wie offen die Zukunft ist.“

Wie bist Du auf den Namen „Echo“ gekommen?

„Das „Echo“ bezieht sich sowohl auf den Klang in Form von Büchern als auch auf den Rückblick der schönen Jahre, die ich in Berlin erleben durfte. Besonders die 90er Jahre liegen mir am Herzen. Das Echo aus dieser Zeit kommt zurück. Das zeigten uns zuletzt vor allem Bücher wie „Der Klang der Familie“ von Felix Denk und Sven von Thülen oder „Lost & Sound“ von Tobias Rapp. Ich präsentiere in meinem „Echo“ viele Künstler, die damals sehr aktiv in der Berliner Szene waren. Bezeichnend sind etwa Visomat inc., Telematique oder U-matic, die den Crossover zwischen Medienkunst und Clubkultur damals stark geprägt hatten.“

Im Juli 2013 hattest Du „Echo Bücher“ eröffnet. Was ist seitdem passiert? Welche Entwicklung zeichnet sich derzeit ab?

„Besonders freue ich mich über die vielen tollen, interessanten Menschen, die wir hier schon kennenlernen durften: Künstler, Musiker, Journalisten, Label-Betreiber und viele Musik-Enthusiasten. Es gibt jetzt nicht nur noch mehr Bücher im Programm, sondern auch eine große Auswahl an Platten, Tapes und Soundobjekten. Die Ausstellungen und Events spielen nach wie vor eine sehr wichtige Rolle. Bald gibt es zudem einen Online-Shop.“

Welche Events plant Ihr aktuell?

„Im Moment präsentieren wir eine sehr schöne Ausstellung von Marie Staggat. Sie zeigt hier Porträts von DJs, Produzenten und Musikern, die sie in den letzten zehn Jahren fotografiert hat. Außerdem bereiten wir gerade ein sehr spannendes Projekt vor. Zum zweiten Mal findet der „Echo Open Call“ statt. Dazu sind talentierte Designer und Künstler herzlich aufgerufen, eigene Entwürfe für die Gestaltung eines neuen Artist-Labels vorzuschlagen.“

Wow, spannend! Wie kam es dazu?

„Letztes Jahr veranstalteten wir bereits einen „Echo Open Call“ für Sound-Installation. Dieses Jahr wollten wir eigentlich kreative Vorschläge für ein imaginäres Label ausstellen. Als neulich ein britischer Label-Betreiber herkam, der nach frischen Ideen für sein neues Artist-Label suchte, passte das wunderbar zusammen. Als hätte er telepathisch von unserem Projekt erfahren …“

Das heißt, Designer und Künstler reichen ihre Vorschläge für die Label-Gestaltung bei Euch ein und diese werden dann ausgewertet?

„Ja, wenn die Entwürfe dem Label-Betreiber gefallen, treten wir mit der oder dem Auserwählten bezüglich einer Verwertung in Kontakt und klären alles Weitere. Darüber hinaus soll aber auch eine Auswahl unter allen eingesandten Vorschlägen hier im Laden ausgestellt werden.“

Eine tolle Chance für Nachwuchstalente.

„Ja, das denken wir auch. Wir wollen damit auch dazu beitragen, die Synergien zwischen Musik und Kunst neu auszuloten und sind sehr gespannt auf die Ergebnisse.“

Wie heißt das Label, das da nach kreativem Input sucht?

„Sorry, das halten wir noch geheim. Die Teilnehmer erfahren natürlich mehr, aber vorerst wollen wir es nicht öffentlich machen. Sobald die Ausstellung steht, wird es aber sicher offiziell bekannt gegeben.“


Interview: Christoph Krelle
Foto: Juny Brullet