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Feature

Sind das Frauen da im Management?

Aufgeregt spricht sie ins Mikrofon. Eine, die so wirkt, als wüsste sie nicht, ob sie in diesem Moment mehr Frau oder Mann sein sollte. Christina Jagdmann, Vizepräses der Handelskammer Hamburg, hält das Grußwort zur diesjährigen Verleihung des Helga-Stödter-Preises. Die Abwesenheit ihres männlichen Vorgesetzten bittet sie zu entschuldigen. „Das schöne Wetter“, lächelt sie. Die Gäste, fast nur Frauen, reagieren mit Raunen. Natürlich sei der Herr durch einen Termin verhindert, klärt sie auf.

Drei mittelständische Unternehmen werden an diesem Abend ausgezeichnet – für ihr frauenfreundliches Betriebsklima und eine hohe Anzahl weiblicher Führungskräfte. Sowohl Frau Jagdmann als auch die Vorsitzende der Helga-Stödter-Stiftung, Henriette Böckel, kommen nicht wirklich in Fahrt. Es geht um Prozente, die Anteile weiblicher Fach- und Führungskräfte in Unternehmen, Branchen und Indexen. Derweil wandert mein Blick durch die Reihen des Publikums: marineblaue Hosenanzüge, flache Schuhe, streng nach hinten gebundene Frisuren – rational, kühl – emotionslose, fast unnahbare Blicke in Richtung der Bühne. Sind das die Frauen, die die Chefetagen bunter machen? Oder sind das Frauen, die uns Männern zeigen wollen, was männlich ist?

Bühne frei für Weiblichkeit: Julia-Niharika Sen, eine bekannte Moderatorin aus dem NDR Fernsehen, führt durch die Veranstaltung. Sie macht aus dem festlichen Anlass fast eine Show. Wortgewandt, flexibel, emotional: Einen Moment lang denke ich, sie ist das weibliche Pendant zu Thomas Gottschalk. Anders als die Frauen, die hier die Preise abräumen. Das mag ihr Beruf mit sich bringen. Oder es sind ihre indischen Wurzeln, die eine leichte, dennoch scharfsinnige Person aus ihr hervorzaubern. Was es auch ist, diese Frau wirkt echt.

Damit sie hier nicht allein ist, wurde wohl Giovanni di Lorenzo als Festredner geladen. Wie sie erklärt, kennen sich beide schon länger. Di Lorenzo, Chefredakteur der ZEIT, lobt das Engagement der Frauenbewegung, die ja auch für Männer wünschenswerte Ziele anstrebt: flexible Arbeitszeiten, Sabbatical, Elternfreiräume und so weiter. Seine Rede ist mit Anekdoten gespickt. Ein perfekter Erzähler, sensibel, raffiniert – ganz im Kontrast zu den rationalen Beiträgen der Vorrednerinnen.

Im Nachgang der Veranstaltung mache ich mir Gedanken:

Frauen sind schön, viel schöner als wir. Sie haben hübschere Gesichter, die längeren Beine und tragen höhere Absätze. In Drogerien und Modehäusern haben Frauen eine breitere Auswahl – mehr Farben und Varianten. Frauen haben höhere, weichere Stimmen. Sie brauchen sich im Gesicht nicht zu rasieren. Frauen sind geistig klarer, weil sie weniger an Sex denken. Und sie haben es leicht, schamlos auszukosten, dass wir häufiger an Sex denken.

Eine Frau betritt immer zuerst den Saal, der Gentleman hält ihr die Tür auf. Frauen wird öfter die Hand gereicht – nicht nur zur Begrüßung, auch zum Überwinden von Hindernissen oder einfach nur aus Sympathie. Frauen durften schon in der Steinzeit Lorbeeren ernten. Frauen dürfen öffentlich weinen und wirken am Telefon sympathischer. Sie bekommen Speisen und Getränke zuerst, denn sie haben auch zuerst bestellt. Frauen haben Verehrer. Wir Männer merken nicht oder erst, wenn es zu spät ist, dass wir verehrt werden. Sie sind feinfühliger, bewusster als wir. Sie haben einen Sinn für Form und Farbe.

Frauen brauchen nicht zu überzeugen, sie wirken einfach. Sie werden an Warteschlangen öfter mal vorgelassen. Frauen können Kinder gebären und haben dann die tiefere Bindung zu ihnen. Sie können auf dem Mutter-Kind-Parkplatz stehen. Mancherorts gibt es sogar Frauenparkplätze. Frauen sind öfter in der Werbung zu sehen. Sie dürfen von Natur aus modeln, wir Männer müssen das hart erarbeiten. Frauen sind geschickter in Verhandlungen und Diplomatie. Nicht umsonst werden sie in manchen Berufen bevorzugt eingestellt.

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Sie inspirieren die Männer. Sie sind die Musen großer Künstler und ziehen entscheidende Fäden in der Politik. Die Frauen sind die Perfektion Gottes, denn als er die Männer schuf, war das nur eine erste Übung. Ja, selbst beim Schach ist es die Dame, die die stärkste Figur darstellt. Sie kann in alle Richtungen unbegrenzt weit wandern. Noch dazu ist sie auf dem Spielbrett die einzige Frau.

Deshalb, liebe Frauen, nehmt Euch doch einfach alles, was Ihr braucht. Nur, bitte, verstellt Euch nicht dafür, denn die Männer, das sind wir.

Text: Christoph Krelle