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Wenn SPIESSER auf Weltreise gehen

Weltreise teaser 3

365 Tage, 11 Länder, zwei große Rucksäcke: Anna-Karina und ihr Freund Stephan erfüllten sich den lang gehegten Traum einer Weltreise. Wo sie überall waren? Was sie erlebt haben? Und welche Tipps sie für alle haben, die auch mal eine Weltreise machen wollen? SPIESSER-Autor Christoph verrät’s euch.

„Als Erstes sind wir nach Shibuya gefahren. Es hieß, dass sich dort sonntags immer die Cosplayer versammeln würden. Das sind Leute, die sich so verkleiden wie die Figuren aus Mangas, Comics und Computerspielen. Die Einkaufsmeile war schnell gefunden, nur von den Cosplayern war nichts zu sehen. Also sind wir shoppen gegangen“, berichtet Anna von ihrem ersten Tag in Tokyo. „Danach besuchten wir den Meiji-Tempel. Ein krasser Unterschied zur Einkaufsmeile: zuerst alles modern und dann plötzlich ein traditionell angelegter Park. Das war toll, auch wir Touristen durften die Zeremonie mit dem Händewaschen machen und Gebete auf Zettel oder kleine Täfelchen schreiben.“

Etwas später erlebte Anna dort direkt eine Peinlichkeit: „Ich war in einem Restaurant auf der Toilette und habe die Spülung nicht gefunden. In weiser Voraussicht, dass es ja auch spritzen kann, habe ich den Deckel runtergemacht und jeden größeren Knopf gedrückt. Nichts hat geholfen. Zum Glück stand gleich vor der Tür die nächste Japanerin. Die verstand zwar kein Wort Englisch, den richtigen Knopf konnte sie mir aber dennoch zeigen.“ Gezielt eingesetzte Handzeichen und Gesichtsausdrücke brauchten Anna und Stephan jedoch nur selten, um sich zu verständigen. Außer in Japan genügte überall ihr Englisch, um das zu bekommen, was sie wollten.

Sparen, sparen, sparen: Wer reisen will, braucht Geld


Ihre Route führte Anna und Stephan quer durch Asien, Australien, Neuseeland und die USA. „Wir wollten unbedingt auch körperlich fit sein“, sagt Anna. „Ein Jahr vorher meldeten wir uns beim Fitnesscenter an, sind dann aber nie hingegangen.“ Sie lacht.

Über zwei Jahre lang hatten sie und ihr Freund für diese Reise gespart. Sie hatten ein geplantes Tagesbudget von 50 Euro im asiatischen Raum und 100 Euro in den englischsprachigen Ländern. Ihre Rechnung ging auf – nur die USA war doch teurer als gedacht: Am Ende gaben sie etwa 2.000 Euro mehr aus. Dafür erlebten sie aber auch sehr viel. Mit ihren zahlreichen Anekdoten wirken Anna und Stephan auf mich, als wären sie nicht nur ein Jahr, sondern über ein ganzes Jahrzehnt verreist gewesen. Ich glaube, so fühlen sie sich auch.

Einzigartige Erlebnisse


„Der Tauchlehrer und ich sprangen gleich morgens ins kalte Wasser. Bei einer Tiefe von 20 Metern fanden wir die erste Schildkröte. Die hatte noch gar nicht richtig die Augen geöffnet. Sie schielte uns verträumt an. Das war echt toll. Wir tauchten weiter und fanden eine süße Nemo-Familie. Mama und Papa, beide verteidigten ihre Anemone und behielten unsere Bewegungen im Auge. Ein Stück weiter sahen wir eine große Muschel und riesige Fischschwärme“, erzählt Stephan begeistert von seinem Erlebnis am Great Barrier Rief. Das Tauchen dort zählt für ihn und Anna genauso wie das Kayakfahren in den Seen des Grand-Teton-Nationalparks in Amerika zu den schönsten Abenteuern ihrer Reise. Doch auch das Walt Disney World Resort in Florida bleibenden Eindruck hinterlassen: „Wir fühlten uns immer wieder wie kleine Kinder und freuten uns über jede Disneyfigur, die an uns vorbeiging“, schwärmt Stephan.

In den asiatischen Ländern hatten Anna und Stephan das Gefühl, immer irgendwie im Rampenlicht zu stehen – wegen ihrer blassen Hautfarbe. „In Thailand wurde uns von jedem zuvorkommend geholfen. Jeder wusste, dass bei uns Geld zu verdienen ist. Auf Bali wurden wir sogar als „walking money“ bezeichnet“, erinnert sich Anna. „In Australien dagegen gehörten wir nach Ansicht der Einheimischen zu den Goon-Trinkern (Goon ist billiger Tütenwein). Dort lebten allerdings so viele Deutsche, sodass wir als Touristen gar nicht wahrgenommen wurden.“

Achtung, Touristenfallen!


Und wie „wertvoll“ deutsche Touristen in Asien sein können, sollten die beiden schließlich am eigenen Leib erfahren: „Wir wurden von einer Gruppe Chinesen angesprochen, die uns in Shanghai auf eine Tee-Party einladen wollten. Wir sagten zu. Voller guter Laune und Begeisterung tranken wir die verschiedensten Tees, natürlich nach der traditionellen Trinkhaltung mit abgespreiztem Finger. Als wir dann später die Rechnung sahen, wurde uns allmählich klar, wer hier eigentlich wen eingeladen hatte“, lacht Stephan heute.

Darin steckt eine der drei Lehren, die er und Anna aus ihrer Reise gezogen haben: „Als Deutscher ist man nicht arm. Es gibt sehr viele Menschen, die einfach weniger haben.“ Die zweite Erkenntnis ist, dass im Ausland unter den vielen fremden Menschen oft auch Deutsche zu finden sind, man ist also nicht allein. Und drittens: Im Notfall gibt es immer nette Menschen, die einem weiterhelfen können.

Anna und Stephan empfehlen deshalb: „Habt den Mut zu reisen. Plant nicht zu viel, sondern macht es einfach. Im Zweifel könnt ihr vor Ort andere Reisende nach Tipps und Tricks fragen. Oder ihr geht eine Strecke mit denen zusammen.“ Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Anna und Stephan selbst schon bald wieder ihre Rucksäcke packen.

Text: Christoph Krelle

Foto: Anna-Karina Drews und Stephan Malek; privat


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