Christin Hartard

Journalistin. Video. Text. Foto., Ravensburg

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Der Mann, der Lächeln zaubert

Rald Harsch sorgt als Zahntechniker dafür, dass seine Kunden wieder unbeschwert lächeln können. Foto: Hartard

Ellwangen - Wenn Ralf Harsch auf der Straße von Passanten angelächelt wird, kann es gut sein, dass die Zähne, die ihm entgegen strahlen, in seinem Labor entstanden sind. Seit 21 Jahren betreibt der 50-Jährige ein Labor für Zahntechnik in Aalen. Brücken, Kronen oder Gebisse: Vor allem im Alter brauchen viele Menschen dritte Zähne. Als Zahntechniker ist es Harschs Aufgabe, den Zahnersatz herzustellen.

Spricht er über seinen Beruf, betont Harsch immer wieder die Handarbeit. Harsch legt Wert darauf, dass bei ihm jede Anfertigung ein Unikat ist. Denn eine Entwicklung bereitet ihm Sorgen: „In den letzten Jahren wird immer mehr maschinell gemacht“, erklärt er. Computer scannen die Kiefermodelle und leiten die Daten an eine Fräsmaschine weiter. Das sei billiger, komme für ihn aber so nicht infrage. „Ich mache meine Arbeiten so, als müsste ich sie selbst am Ende tragen“, erklärt er seine Arbeitsphilosophie.

Dafür arbeitet Harsch eng mit den Zahnärzten zusammen. Aus den Praxen bekommt er den Silikonabdruck des Patientenkiefers. Daraus fertigt er ein Gipsmodell, das ihm später als Vorlage für Kronen, Brücken, Inlays oder Prothesen dienen. Zig kleine Bürstchen, Schleif- und Polieraufsätze in allen Formen und Größen im Labor lassen erahnen, wie viel filigrane Arbeit in so einem Zahnersatz steckt, bis er sich perfekt in den Mund eines Kunden fügt. Passt die Form, geht es oft noch um die Farbe. Schließlich soll der Ton genau getroffen werden, sodass der Zahnersatz am Ende nicht auffällt.

Zufall führt zum Traumjob

Zu seinem Beruf ist Ralf Harsch durch Zufall gekommen. Nach dem Realschulabschluss steht mit 17 Jahren die Frage nach der beruflichen Zukunft im Raum. Seine Mutter arbeitet damals als Kurierfahrerin für ein Dentallabor und bringt ihn so auf die Idee, den Beruf des Zahntechnikers zu erlernen. „Filigrane Geschichten waren schon immer meins, von daher hat das ganz gut gepasst“, sagt er heute. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung, danach schließt er die Meisterschule ab.

„Damals in den 70er und 80er Jahren war das noch einer der bestbezahltesten Handwerkerberufe“, sagt Harsch. Heute sei das anders. Auch die meisten jungen Leute hätten kein großes Interesse am Beruf des Zahntechnikers. Die Statistiken geben seiner Einschätzung recht. Während es 2012 deutschlandweit noch fast 6490 Auszubildende in der Zahntechnik gab, waren es im vergangenen Jahr mit 5650 fast 900 Azubis weniger. Viele seiner vergangenen Azubis seien Abiturienten gewesen, die die Ausbildung geschmissen haben, sobald sie einen Studienplatz für Zahnmedizin bekommen haben.

Wieso das so ist, versteht Harsch nicht. „Der Beruf ist unglaublich vielseitig, man steht jeden Tag vor neuen Aufgaben und hat mit unterschiedlichsten Materialien zu tun“, schwärmt er. Auf seinen Sohn scheint die Leidenschaft immerhin übergesprungen zu sein. Der 19-Jährige hilft oft im Labor und möchte später vielleicht einmal in die Fußstapfen des Vaters treten.

Einen Eindruck von Ralf Harschs Arbeit erhalten Sie im Video auf www.schwaebische.de/Zahntechniker

Am 18. September dreht sich in Ellwangen alles ums Thema Handwerk. Bei der Veranstaltung „Made by Hand“ zeigen über 20 Betriebe auf dem Marktplatz ihre Handwerkskunst, laden zum Mitmachen ein und bieten ihre Produkte an. Im Vorfeld stellt die Ipf-und Jagst-Zeitung in ihrer Sommerserie Handwerk jede Woche einen Handwerksberuf vor. Aktuell stehen im Ostalbkreis noch über 170 Ausbildungsstellen offen. Die Handwerkskammer Ulm hilft gerne weiter unter Telefon 0731 / 1425 227.

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