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Fahrprüfung: 5 Tipps fürs Bestehen beim ersten Mal

Führerschein: „Viele denken, das ist nur ein bisschen kuppeln, schalten und lenken.“ (Foto: Imago)

Jeder Dritte fällt durch die theoretische oder praktische Führerscheinprüfung. Ein Fahrlehrer gibt dir fünf Tipps, wie du deine Prüfung meisterst.

Mein Fuß zittert so heftig, dass ich es beim Starten des Motors kaum schaffe, die Kupplung richtig durchzutreten. Die Hände sind schweißnass, der Kopf knallrot. Alles dreht sich, dabei sind wir noch nicht einmal losgefahren.


Während der Fahrt vergesse ich irgendwann vor lauter Nervosität zu atmen, sodass der Prüfer mich rechts ran fahren und dreimal ums Auto laufen lässt. Nach nur 30 Minuten ist die Horrorfahrt vorbei. Den Führerschein bekomme ich aber leider nicht. Durchgefallen.


Fahrprüfung: 5 Tipps fürs Bestehen beim ersten Mal

Ich bin damit keine Ausnahme. Fast jeder Dritte (32 Prozent) fiel im Jahr 2017 durch die theoretische oder praktische Autoführerscheinprüfung, wie das Kraftfahr-Bundesamt jetzt bekannt gab. 2008 lag die Durchfallquote noch unter 29 Prozent. Woran liegt das?


Ich frage nach bei Erdi Kurtman. Der 31-jährige Verkehrspädagoge führt eine Fahrschule im Kölner Süden. Er ist seit neun Jahren Fahrlehrer, pro Tag sitzt er etwa elf Stunden mit seinen Fahrschülern im Auto. Erdi macht vor allem die zunehmende Zahl an Autos und Lkw dafür verantwortlich, dass immer mehr Menschen durch die Prüfung rasseln. Das führe zu komplexeren Situationen im Fahrverkehr.


Doch auch bei den Schülern selbst sieht er die Ursache: „Die Hobbies der Jugendlichen haben sich verändert. Nur die wenigsten Jugendlichen fahren Fahrrad, spielen Fußball oder gehen Inline-Skaten oder Ähnliches. Das sind alles Dinge, die die motorischen Fähigkeiten stärken“, so Erdi.

Erdi Kurtman in seiner Fahrschule (Foto: Privat)


Außerdem sei das Verhältnis zwischen Fahrlehrer und Schüler heute anders. „Viele Schüler sehen den Prüfer als Sensemann, der gar nicht will, dass sie bestehen.“ Dabei leidet der Fahrlehrer genauso mit demjenigen, der die Prüfung nicht schafft, erklärt der 31-Jährige. Damit das nicht passiert, hat Erdi ein paar Tipps für Führerscheinanwärter.   

 

Fahrprüfung – Tipp 1: Zeit nehmen für die Ausbildung

Wer sich dazu entscheidet, den Führerschein zu machen, sollte sich dafür ausreichend Zeit nehmen. Das gehe nicht mal eben neben Abitur, Sportverein und Nachhilfe: „Viele denken: ein bisschen kuppeln, schalten, lenken und man fährt Auto.“ Es gehe aber nicht darum, ein paar Stunden in der Fahrschule abzusitzen und ein bisschen zu fahren.

Erdi empfiehlt, sich auf die Ausbildung zu fokussieren und das Fahren nicht zu unterschätzen. Sobald du den Schein in der Hand hast, bist du auf der Straße nämlich nicht nur für dich, sondern auch für alle anderen mitverantwortlich.     

 

Fahrprüfung – Tipp 2: Die richtige Fahrschule finden

Im nächsten Schritt solltest du dich nach der richtigen Fahrschule umschauen. Am besten informierst du dich in einem Beratungsgespräch über die entsprechende Ausbildung. Wichtige Fragen sind hierbei: Wird die Ausbildung individuell auf dich zugeschnitten? Wie viele Fahrlehrer gibt es? Wie oft werden Theorieeinheiten angeboten?

Ganz entscheidend ist für Fahrlehrer Erdi aber auch das Bauchgefühl. „Wenn die Harmonie und die Zusammenarbeit zwischen Fahrlehrer und Schüler nicht stimmt, wirkt sich das negativ auf die gesamte Ausbildung aus.“ Ausschlaggebend sollte übrigens nicht der Preis der Ausbildung sein. Manchmal lohne es sich, ein bisschen mehr Geld zu investieren, damit die Qualität stimmt und der Fahrlehrer sich für jeden einzelnen ausreichend Zeit nehmen kann. Eine realistische Kostenkalkulation liegt in Köln laut Erdi zwischen 1800-2300 Euro für einen Autoführerschein.

Tipp von Erdi: Immer auch im persönlichen Umkreis nach Erfahrungsberichten fragen. Den Führerschein mache man, wenn es gut läuft, nur einmal im Leben, die Entscheidung sollte gut überlegt sein.  


Fahrprüfung – Tipp 3: Theorie zu Hause lernen

Erdi bezeichnet die Ausbildung als Mini-Studium. Die Schüler hätten mehr davon, wenn sie mitschreiben, statt einfach nur im Theorieunterricht zu sitzen. Auch die Wiederholung zu Hause sei ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung, das würden viele Schüler nicht ernst nehmen. Alle Inhalte, die besprochen werden, seien später relevant – nicht nur für die Prüfungen, sondern vor allem für das Fahren danach. Und noch ein Vorteil: Wer sich gut vorbereitet, hat am Ende weniger Prüfungsangst.


Viele Schüler wollen neben den Fahrstunden selbst üben und fahren mit ihren Eltern auf einen Übungsplatz. Laut Erdi bereitet das nicht optimal auf die Prüfungssituation vor. Denn: Der Verkehr ist mit der Realität kaum zu vergleichen. Einparken, Gefahrenbremsung und andere Übungen, die man beim Fahrlehrer gelernt hat, könne man dort aber super üben: „So kann auch die ältere Generation wieder neues Wissen erlangen.“


Fahrprüfung – Tipp 4: Bei Problemen mit dem Fahrlehrer reden

Auch Fahrlehrer können nicht in die Köpfe ihrer Schüler schauen. Sie sehen zwar, ob ein Schüler inhaltlich für die Prüfung bereit ist. Ob aber jemand unter Prüfungsangst leidet und lieber noch ein paar Stunden mehr fahren würde, wissen sie nicht. Für Erdi ist es daher sehr wichtig, dass sich seine Schüler ihm anvertrauen.

Jeder Schüler sei anders. Der eine brauche eine Fahrstunde mehr, der andere eine weniger – man sollte sich daher untereinander nicht vergleichen. Auch während der Übungsstunden ist es für die Fahrlehrer hilfreich, wenn die Schüler von sich selbst sagen, was sie gerne wiederholen möchten oder wenn etwas unklar ist, sagt Erdi. „Der Austausch und die Kommunikation zwischen Fahrlehrern und Fahrschülern ist wichtig. Fragen, die im Kopf eines Schülers schweben, sollten angesprochen und nachbearbeitet werden.“


Fahrprüfung – Tipp 5: Ablenkung hilft gegen Angst

Viele Schüler fallen durch die praktische Prüfung, weil sie eine Rechts-vor-Links-Situation nicht beachten oder in eine verbotene Straße einbiegen. Eigentlich wissen sie es besser, aber die Prüfungssituation setzt sie so sehr unter Druck, dass sie anders als sonst reagieren. „In dem Moment, in dem der Schüler sich zu sehr mit dem Prüfungsergebnis beschäftigt, vergisst er das Autofahren“, erklärt Erdi. Dann fehle die Konzentration und es passierten Missgeschicke.


Bei ihm fallen etwa zehn Prozent der Schüler durch die praktische Prüfung. Der Fahrlehrer vermutet, dass es an der Aufregung liegt, die Schüler könnten zwar fahren, seien in der Prüfungssituation aber zu nervös. Er rät seinen Schülern daher, den Kopf frei zu machen. Einen Tag vor der Prüfung sollten sie Sport machen oder Freunde treffen – aber bloß nicht über die Prüfung nachdenken.


Wenn ich heute mit dem Auto über die Kreuzung fahre, an der ich in meiner Prüfungsstunde das Stoppschild überfahren habe, kann ich darüber lachen. Denn wenn wir mal ehrlich sind: Die besten Geschichten erzählen am Ende diejenigen, die es nicht beim ersten Mal geschafft haben, sondern eine Ehrenrunde drehen durften. Also: Gute Fahrt!

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