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Corona-Impfstoffmythen widerlegt

So sieht ein Impfstempel aus, wenn man sich gegen den Corona-Virus impfen lässt. [Foto: Canberk Köktürk]

Weltweit wird bereits gegen den Corona-Virus geimpft. Bevor die Impfstoffe überhaupt zugelassen wurden, gab es schon Mythen über angebliche Nebenwirkungen. Dr. Wibke Bayer vom Institut der Virologie des Universitätsklinikums Essen hat für uns vier Mythen widerlegt und die Diskussion über den AstraZeneca Impfstoff eingeordnet.

In den Smalltalks, die wir in unserem Alltag mit Familie, Freund:innen und Nachbar:innen führen, spricht man über die Pandemie. Eines der zentralen Themen ist der Impfstoff und seine angebliche Nebenwirkungen, die im Netz oder durch Hörensagen kursieren. Ein häufiger Mythos, der bei Gesprächen oft aufkommt, ist, dass eine Impfung gegen den Corona-Virus zur Unfruchtbarkeit bei Frauen führen würde. „Diese Sorge beruht auf der nicht korrekten Aussage, dass durch die Impfung gegen SARS-CoV-2 Immunantworten gegen das humane Syncytin-Protein induziert würden.", sagt Dr. Bayer, die die Entwicklung von anti-retroviralen Impfstrategien im Institut der Virologie leitet.


Das humane Syncytin ist ein Protein, dass für die Ausbildung und Funktion der Plazenta äußerst wichtig ist. „Es handelt sich hier um ein Protein viralen Ursprungs: es ist ein Retrovirus-Hüllprotein. Unser Erbgut enthält eine große Menge an (Retro-)Virus-Sequenzen, die im Laufe der Jahrmillionen der Evolution in unser Erbgut integriert wurden, manche von ihnen, wie beispielsweise das Syncytin-Protein, haben mittlerweile für uns wichtige Funktionen.", so Dr. Bayer weiter. Da es sich bei dem Syncytin um ein Retrovirus-Protein und kein Coronavirus-Protein handelt, weist das Binde-Protein, des SARS-CoV-2 keine besondere Ähnlichkeit zu unserem Syncytin auf, was sich in Sequenzanalysen auch veranschaulichen lässt. „Dass eine Impfung gegen SARS-CoV-2 eine Immunantwort gegen das nicht verwandte Syncytin bewirken würde, ist daher nicht plausibel."

Kann eine mRNA-Impfung zu Genveränderungen führen?

Ein weiterer Impfmythos besagt, dass die mRNA-Impfstoffe, wie der von Biontech und Pfizer, zu einer Genveränderung bei der geimpften Person führen würden. „Die mRNA befindet sich nach Aufnahme durch die Muskelzellen im Zytoplasma, wo das kodierte SARS-CoV-2 Spike-Protein von der mRNA 'abgelesen' und produziert wird.", erklärt Bayer. Die mRNA wird nicht in den Zellkern geschleust, und kommt daher nicht in Kontakt mit dem menschlichen Erbgut, welches sich im Zellkern befindet. „Eine mRNA-Impfung kann daher nicht zu Veränderungen des menschlichen Erbguts führen."

Auch auf das Gerücht, dass einige Menschen bei den Testläufen verstorben seien, hat Dr. Bayer eine Antwort: „In den klinischen Studien sind die Impfstoffe an zehntausenden Menschen getestet worden. In den verschiedenen Studien sind einige wenige Todesfälle aufgetreten, die aber nicht durch die Impfstoffe verursacht wurden." Dass in der Statistik Todesfälle vorkommen, erklärt Dr. Bayer mit einem Beispiel: „Ein Proband ist beispielsweise bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Auch dieser erscheint in der Statistik der klinischen Studie." Es sei aus den Impfstoffstudien kein Fall bekannt, in dem durch den Impfstoff aufgrund seiner Wirkung oder von Nebenwirkungen ein Mensch gestorben ist.


Der AstraZeneca Impfstoff in aller Munde

Außerdem wird durch die schnelle Zulassung der Impfstoffe an der Sicherheit der Präparate gezweifelt. „Die bei uns zugelassenen Impfstoffe wurden in großen klinischen Studien getestet, zehntausende Freiwillige haben die Impfstoffe im Rahmen dieser Studien erhalten. Die klinischen Studien wurden wie auch sonst üblich mit großer Sorgfalt und hohen Ansprüchen an die Sicherheit der Probanden durchgeführt.", verdeutlicht die Forscherin. Ein Unterschied im Zulassungsverfahren war das sogenannte "rolling review" durch die Zulassungsbehörden, in dem bereits während der klinischen Studie relevante Daten an die Zulassungsbehörde Europäische Arzneimittelbehörde (EMA), übermittelt wurden. „Die EMA konnte somit schon früh Einsicht in die Daten nehmen und daher sehr zeitnah nach Erreichen des Studienziels über die dann erteilte bedingte Marktzulassung entscheiden."

Dass der zugelassene AstraZeneca Impfstoff momentan mediale Aufmerksamkeit erlangt, liegt an einer Effektivität von 70 Prozent, die somit geringer als bei anderen Impfstoffen ausfällt „Wir nehmen für die nun zugelassenen Impfstoffe an, dass sie bei einem breiteren Einsatz eine ähnliche Effektivität wie in den Studien zeigen, die bei allen nicht bei 100% liegt. Daher sollen sich auch alle Geimpften weiterhin zum Schutz von sich und der Anderen an die geltenden Regeln wie Abstand, Hygiene, Maske halten.", differenziert Dr. Bayer. Wichtig sei mit Blick auf den in der Öffentlichkeit weniger positiv wahrgenommenen AstraZeneca-Impfstoff: „ Auch der AstraZeneca-Impfstoff zeigte in der Studie einen vollständigen Schutz vor schweren Verläufen."

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