Björn Haase-Wendt

Freier Journalist, Bernau bei Berlin

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Anschub für Elektroautos | rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg

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Das kleine Elektroauto "Twizy" bietet nur für eine Person Platz (Quelle: rbb/Björn Haase-Wendt)

Die Energiewende ist beschlossene Sache, Windräder schießen aus dem Boden, nur auf der Straße geht der Elektromobilität sprichwörtlich der Strom aus. Eine Million Elektrofahrzeuge sollen 2020 über deutsche Straßen rollen. Bis jetzt sind es aber gerade einmal 23.000 Autos, LKW und Motorräder. In zwei Brandenburger Städten soll die Elektromobilität nun vorangetrieben werden. Von Björn Haase-Wendt


Sauber, leise und elektronisch - so stellen sich Eberswalde und Hohen Neuendorf die Mobilität der Zukunft vor. Damit aus der Vision auch Wirklichkeit wird, werden die beiden Städte zur Testregion im Rahmen des EU-Projekts "Emobility Works". Dabei sollen sie vor allem eine Vorbildrolle einnehmen. "Es geht in erster Linie um die Dienstfahrzeuge, die elektrisch angetrieben werden sollten, aber auch um den Einsatz von E-Bikes", sagt Silke Leuschner, die Leiterin des Eberswalder Stadtentwicklungsamtes zum Auftakt. Bereits im kommenden Jahr werden die Mitarbeiter mit dem ersten Elektroauto zu ihren Dienstterminen unterwegs sein. Die notwendige Infrastruktur wie Ladesäulen und gesonderte Parkplätze für Elektrofahrzeuge sollen folgen.

Wenn die Eberswalder sehen, dass es bei der Verwaltung läuft, würden vielleicht auch sie auf Elektroautos setzen - so die Hoffnung. Bislang ist der Funke noch nicht übergesprungen.  Gerade einmal 23.000 Autos, LKW und Motorräder sind auf deutschen Straßen elektrisch unterwegs. 2020 sollen es nach den Plänen der Bundesregierung schon über eine Million Fahrzeuge sein. Ambitionierte Ziele, die kaum noch einzuhalten sind. Deshalb setzt das Projekt auch auf die Anschaffung von Elektrofahrzeugen.

Kosten von umgerechnet einem Liter Super auf 100 Kilometer

Der Finowfurter Hartmut Ginnow-Merkert ist einer der wenigen, die mit dem Elektroauto unterwegs sind. Vor gut anderthalb Jahren hat er seinen kleinen Flitzer für knapp 10.000 Euro gekauft. Für die Strecken rund um Eberswalde reicht der Wagen. Wenn es nach Berlin gehe, werde es aber schon schwieriger und auch das Platzangebot sei dürftig. "Hinter dem Fahrer ist noch Platz für einen Mitfahrer, bei längeren Fahrten wird es aber unangenehm", so der 67-Jährige.

Trotzdem würde er sich immer wieder für ein Elektroauto entscheiden. "Wenn ich öfter nach Berlin müsste, hätte ich mir einen größeren gekauft. Aber so reicht der kleine Wagen", sagt Ginnow-Merkert. Sorgen, dass ihm der Strom ausgeht, hat er nicht. In Restaurants oder bei Gesprächsterminen bekomme er immer eine freie Steckdose und zuhause lade er den Wagen an der eigenen Solaranlage. "Umgerechnet sind das Kosten von einem Liter Superbenzin auf 100 Kilometern."

Ladesäulen an Bahnhöfen geplant

Von Modellprojekten, wie sie Eberswalde und Hohen Neuendorf jetzt starten, hält der Finowfurter nicht viel. Es werde zu viel geredet und Akteursnetzwerke gebe es bereits. Konkrete Maßnahmen wünscht er sich stattdessen, zum Beispiel eine Art Abwrackprämie für Elektroautokäufer. "Man muss eine Anfangsförderung leisten, wenn man es ernst meint. Dass es diese aber nicht gibt, zeigt, dass der Bund es nicht ernst meint."

Denn bislang ist der Kauf von Elektrofahrzeugen für den Privathaushalt nicht attraktiv genug, räumt auch Hohen Neuendorfs stellvertretender Bürgermeister Michael Oleck (parteilos) ein: "Da braucht es sehr viel Idealismus dazu. Ich glaube, dass Verwaltungen und Firmen die Vorreiter deshalb sein sollten." In den nächsten Monaten sollen an den Bahnhöfen der Gemeinden Ladesäulen für Elektrofahrzeuge errichtet werden.

Denn auch die Infrastruktur muss ausgebaut werden, damit die Elektromobilität an Attraktivität gewinnt. Erst wenn die Autofahrer keine Sorgen haben müssen, dass ihnen unterwegs und besonders auf dem Land der Strom ausgeht, können Elektroautos zur echten Alternative werden.

Stand vom 27.10.2014
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