Birk Grüling

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SZ Kinderseite: Sag mal Piep!

Von Birk Grüling

Wondiwoi-Baumkänguru

Vor über 90 Jahren entdeckte der Biologe Ernst Mayr das Wondiwoi-Baumkänguru in Neuguinea. Er zückte sein Gewehr, erschoss das Tier und nahm es zur Untersuchung mit. Danach wurde so lange kein weiteres Tier dieser Art gefunden, dass man es für ausgestorben hielt. Bis wieder ein Biologe ein ungewöhnliches Baumkänguru sah. Zum Glück zog dieser kein Gewehr, sondern nur eine Kamera. Nun sind sich alle sicher: Es gibt noch Wondiwoi-Baumkängurus, vielleicht sogar viele.

Laotische Felsenratte

Das Comeback der laotischen Felsratte ist ein bisschen tragisch: 2006 entdeckte man die Ratte mit dem buschigen Schwanz und dem dunklen Fell auf einem Markt in Laos. Dort wurde sie als gegrillte Delikatesse angeboten. Dabei galt das Nagetier als seit elf Millionen Jahren ausgestorben. Glücklicherweise fanden die Wissenschaftler auch noch lebende Exemplare - in Laos und Vietnam. Wirklich auszusterben, davor konnte die Ratte seitdem bewahrt werden. Trotzdem wirkt sie etwas aus der Zeit gefallen: Sie watschelt beim Gehen wie eine Ente und ist ein miserabler Kletterer.

Sehuencas-Wasserfrosch

Der vermeintlich letzte Wasserfrosch dieser Art hieß Romeo und lebte zehn Jahre lang allein im Aquarium eines Naturkundemuseums in Bolivien. Um etwas gegen seine Einsamkeit zu tun, machten sich Forscher im Urwald auf die Suche nach Artgenossen und fanden tatsächlich vier weitere Frösche - zwei Weibchen, zwei Männchen. Eines der Weibchen, Julia, zog vergangenes Jahr bei Romeo ein. Jetzt hoffen die Forscher auf Nachwuchs.

Quastenflosser

Bereits vor mehr als 360 Millionen Jahren schwammen Quastenflosser durch die urzeitlichen Meere. Damit sind sie älter als die Dinos. Genau wie sie galten auch Quastenflosser lange als ausgestorben. 1938 wurde vor der Küste Südafrikas ein anderthalb Meter langer Quastenflosser entdeckt wurde. Seitdem gelten sie als lebende Fossilien.

Chaco-Nabelschwein

Einen Fisch in der Tiefsee oder einen Frosch im Urwald kann man schon mal übersehen und für ausgestorben halten. Aber ein ganzes Schwein? Vom Chaco-Nabelschwein kannte man lange nur versteinerte Überreste - bis 1971 in Argentinien eine ganze Herde auftauchte. Wahrscheinlich blieben sie so lange unentdeckt, weil sie in einer sehr heißen Region leben, in der die meisten Pflanzen spitze Dornen und Stachel haben. Ungemütlich für Forscher! Leider wird ihr Lebensraum inzwischen durch Ackerbau und Brände bedroht - weshalb die Schweine nun wirklich auszusterben könnten.

Baumhummer

Ein Baumhummer sieht aus wie eine schwarze Wurst mit sechs Beine. Früher lebten sehr viele dieser Insekten in den Wäldern einer Insel vor Australien. Dann kamen durch Menschen Ratten auf die Insel und fraßen alle Tiere innerhalb von zwei Jahren auf. Fast alle: Viele Jahrzehnte später entdeckten Forscher auf einer winzigen Felseninsel ein paar Baumhummer. Zwei Paare wurden mitgenommen und zur Zucht in einen Zoo gebracht.

Voeltzkow-Chamäleon

Voeltzkow-Chamäleons schillern in auffällig bunten Farben. Trotzdem wurde über hundert Jahre kein einziges Tier dieser Art gesichtet. Dann aber entdeckte eine Gruppe Biologen in den Wäldern von Madagaskar ein paar Weibchen. Wie konnten sie sich so lange verstecken? Ganz einfach: Sie leben nur ein paar Monate und nur in der Regenzeit. In dieser Zeit ist es im Wald so ungemütlich, dass sich kaum Menschen hineinverirren.

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