Birk Grüling

Bildungsjournalist, schreibender Papa, Spielplatzheld, Buchholz

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Kindermusik: Diese Bands sind auch was für Eltern

Haben Sie auch schon Albträume von " Schni-- Schnappi" oder dreht es sich in Ihrem Kopf alles nur noch um den " Gorilla mit der Sonnenbrille "? Kinderlieder sollen eingängig sein, leicht zu merken - soweit so gut. Wenn man sie aber zum tausendsten Mal hört, können sie doch ein wenig nervig sein. Unser Autor und Vollblut-Papa Birk Grüling hat gute Nachrichten für alle gebeutelten Eltern: Nicht alle Kinderlieber müssen nerven. Seine Top5 Bands mit erträglicher Kindermusik.

Unter meinem Bett

Die Kinderlieder von "Unter meinem Bett" muss man eigentlich fast nicht mehr vorstellen. Immerhin gibt es inzwischen fünf Alben mit Songs von den "besten deutschen Bands und Songwritern" (O-Ton Label). Tatsächlich versammeln sich auf den Alben einige sehr illustre Künstler. DOTA singt von ausgedachten Monstern, Maxim über einen geflüchteten Jungen und seine Angst vor Wasser und Singer/Songwriter Gisbert zu Knyphausen über Zwänge des Kinderalltags. Auch bekannte Stimmen wie Olli Schulz, Rapper Maeckes, Pohlmann, das Duo Laing oder EULE waren ebenfalls bereits mit dabei. Klar könnte man denken, Ausflüge von Popmusikern in die Kindermusik gibt es schon genug, aber das Niveau bei "Unter meinem Bett" ist enorm hoch. Musikalisch ist von Indie über Rap bis zum Punk alles dabei. Die intelligenten Texte nehmen Kinder als Hörer wirklich ernst und biedern sich nicht unnötig an. Mal rockig, mal ruhig, mal lustig, mal nachdenklich - erzählt so jedes Lied eine eigene, kleine Geschichte, an der auch die großen Hörer viel Freude haben.

Hörtipp: Gisbert zu Knyphausen - Immer muss ich alles sollen Rotz'N'Roll Radio

Kai Lüftner ist auf den ersten Blick kein "typischer" Kindermusiker. Glatze, Vollbart, tätowiert bis zum Anschlag und Berliner Schnauze. Er war schon Bauarbeiter, Türsteher und Sozialpädagoge, heute produziert er Hörspiele, schreibt Kinderbücher über furzende Drachen und macht - für diesen Artikel besonders relevant - verdammt coole Kindermusik. Sein Rotz'N'Roll Radio ist eine verrückte Mischung aus Hörspiel und Musikalbum. Die Songs sind schräg, laut und punkig, die Texte eingängig und ziemlich witzig. Es geht um die Zahnfee, Kinderzimmer-Hooligans oder die Lieblingsantwort von Kindern auf elterliche Fragen - "Nee". Daran haben nicht nur Kinderohren ihre Freude.

Hörtipp: Rotz'N'Roll Radio feat Bürger Lars Dietrich - Nee Bummelkasten

Die Geschichte von Bummelkasten ist eine klassische Berliner Musikerstory. Bernhard Lütke war schon lange Klangkünstler, stand bei Theaterprojekten auf der Bühne oder unterhielt Menschen auf der Straße. Für einen Freund nahm er "Rolltreppenmax" auf, einen Song über einen Jungen, der täglich neue Abenteuer-Reisen auf Rolltreppen erlebt, mit hellblauer Mütze und Lutscher hinterm Ohr. Über Umwege landete der A-Capella-Song bei einem Kinderradiosender und wurde schnell zum Hit. Der Rest ist Geschichte: Auf YouTube hat der im eigenen Wohnzimmer und mit Freunden und Nachbarn gedrehte Video-Clip inzwischen über zwei Millionen Aufrufe. Lütke tritt mit seinen witzigen Texten und dem für Kindermusik eher untypischen A-Capella-Gesang inzwischen vor großem Familienpublikum auf. Und am allerwichtigsten: Der Name Bummelkasten fehlt in kaum einer "Gute-Kindermusik-Liste".

Hörtipp: Bummelkasten - Rolltreppenmax Heavysaurus

Finne Mirka Rantanen ist Schlagzeuger der bekannten Metal-Band Thunderstone und Papa. Er wollte seinem kleinen Sohn die Liebe zur lauten Rockmusik nahebringen, fand aber keine Texte, die für Kinderohren geeignet waren. 2009 beschloss er deshalb, eine Heavy Metal-Band für Kinder zu gründen. Seine Idee: Heavysaurus besteht aus vier Dinos und einem Drachen, die Millionen von Jahren unter der Erde lagen und durch einen Hexenzauber zu neuem Leben erwachten. Rocker in Dino-Kostümen und eingängige Gitarren-Riffs mit kinderfreundlichen Texten kamen bei den finnischen Kids dermaßen gut an, dass Sony Music beschloss, die Idee weltweit zu exportieren. Seit 2017 gibt es Heavysaurus auch bei uns in Deutschland und hat sich längst zu einem Geheimtipp entwickelt. Das liegt auch daran, dass in den Kostümen echte Metalmusiker stecken, die allesamt Kinder haben und damit ihre Hörerschaft und Vorlieben genau kennen.

Gorilla Club

Auch hinter Gorilla Club verbergen sich bekannte und begnadete Musiker und zwar die Kölner Indie-Pop-Band "Locas In Love" - von Musikpresse mehr gefeiert als vom klassischen Charthörer, eher Dauer-Geheimtipp als Ausnahmeband. 2016 schrieben sie den großartigen Song "Von hier oben" für den zweiten "Unter meinem Bett"-Sampler. Angefixt vom Schreiben für Kinder entstand die Idee unter dem Namen "Gorilla Club" gleich ein ganzes Album zu produzieren. Dafür holten sich die Musiker einige Hilfe von Kindern und Freunden aus der deutschen Musikszene. Mit "Stereo Total"-Sängerin Francoise Cactus und Tele-Mitglied Francesco Wilking singen Stefanie Schrank und Björn Sonneberg ein fünfsprachiges Gutenachtlied und mit Gisbert zu Knyphausen über das Schüchternsein. Es geht um Zombies im Keller oder auch leckeres und gesundes Obst. Der Verlag nennt das Album "das Sgt. Pepper des Kinder-Indie-Pop". Das ist natürlich hochgradig übertrieben. Trotzdem macht "1-2-3-4" viel Spaß und lässt nur hoffen, dass wir noch mehr Gorilla-Club-Alben zu hören bekommen.

Hörtipp: Gorilla Club - Mach die Taube
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