Birk Grüling

Bildungsjournalist, schreibender Papa, Spielplatzheld, Buchholz

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Mehr als Bier und Bollerwagen: Acht moderne Väter erzählen, was ihnen am Vatertag wirklich wichtig ist

Kaum traut Mann sich an Christi Himmelfahrt auf die Straße, wird er von grölenden Bollerwagen-Banden daran erinnert, dass der religiöse Feiertag längst zum männlichen Pendant vom Muttertag umfunktioniert wurde. Doch brauchen moderne Väter diesen wirklich noch? Welche Themen beschäftigen sie wirklich? Birk Grüling hat acht Väter gefragt.

„Väter sind heute mehr als nur Familienernährer und Spielkameraden. Sie müssen kein Abklatsch früherer Generationen sein, sondern können ihre Rolle aktiv gestalten - in der Familie, aber auch in den Unternehmen, in denen sie tätig sind. Noch nie waren die Möglichkeiten dazu größer - dank Elterngeld oder flexibler Arbeitsmodelle. Diese sollte man als Vater - wenn möglich - auch ausschöpfen, notfalls sogar einfordern. Und dabei gleich existierende Rollenbilder und Familienmodelle auf den Prüfstand stellen. Will ich wirklich so leben wie meine Eltern?

Das Wichtigste ist aber, sich zu vergegenwärtigen: Nichts ist in Stein gemeißelt, jeder Tag bietet eine neue Chance, jeden Tag kann man ein besserer Vater sein, als noch am Tag zuvor. Ich bin sicher: Es lohnt sich!

Ich verbringe den Vatertag übrigens an der See - mit meiner Frau, den beiden Kindern und unserem Hund. Da in Hamburg in der Woche um Christi Himmelfahrt Schulferien sind, werden wir uns gemeinsam ein wenig vom Homeschooling-Horror erholen, lange Gassigänge am Strand machen, gemeinsam kochen (wenn es das Wetter zu lässt grillen), essen und spielen."

„Ich glaube, der Vatertag hat genauso seine Berechtigung wie der Muttertag - vor allem, wenn es um die Emanzipation der Väter geht. Ich erlebe in meinem Umfeld immer noch einige Männer, die ein sehr klassisches Rollenbild leben. Die Frau bleibt zu Hause bei den Kindern und ist Hausfrau. Papa ist der Ernährer und höchstens am Abend oder bei Ausflügen am Wochenende präsent. Diese Aufteilung halte ich persönlich für überholt. Umso wichtiger ist es, dass Väter sich emanzipieren und aktiv ihre Rolle und Zeit mit den Kindern einfordern - gleichzeitig aber auch Verantwortung für die Familie übernehmen.

Das müssen sie nicht nur bei ihrem Arbeitgeber, wenn es etwa um lange Elternzeit oder Teilzeit-Modelle geht, sondern eben auch zu Hause. Die Mütter müssen genug Platz für aktive Väter lassen. Wir Väter machen das mit Kindern und Haushalt genauso gut, nur vielleicht etwas anders. Gleichzeitig muss es für die Frauen möglich sein, selbstbestimmt in den Job zurückzukehren und ihre Karriere zu verfolgen. Nur wenn alle Möglichkeiten bestehen, können Familien ihr ganz eigenes Modell finden und zwar gemeinsam. Vielleicht ist deshalb der Vatertag ein guter Tag, über seine eigene Vaterrolle nachzudenken und mal etwas mehr zu wagen als unsere Eltern.

Ich verbringe den Vatertag übrigens mit meiner Frau und meinen Jungs. Wir werden grillen und die Sonne im Garten genießen."

„Ich persönlich finde den Vatertag ziemlich sinnlos. Ich brauche keinen Tag zum Dank für Selbstverständlichkeiten. Ich würde mich freuen, wenn die tägliche Freude, Kraft und Arbeit, die man in seine Familie investiert, wertgeschätzt wird. Das muss kein Schulterklopfen oder Dankeschön sein. Es geht eher um ein Gesehen werden - im Privaten, aber auch in der Gesellschaft. Wenn es also schon diesen Vatertag gibt, sollte man ihn doch nutzen, um über wichtige Dinge wie moderne Rollenbilder, eine gerechte Aufteilung von Care-Arbeit oder Gender-Pay-Gap zu sprechen - und zwar nicht nur in der eigenen aufgeklärten Filterblase, sondern in einer breiten Öffentlichkeit.

Was ich am Vatertag mache, weiß ich noch gar nicht. Wahrscheinlich setzen wir uns mit den Kindern in den Park und genießen die Sonne. Mit Bier durch die Gegend gezogen, bin ich genug, als ich jung und kinderlos war."

„Ich möchte den Vatertag nutzen, um Netzwerke und mehr Sichtbarkeit für moderne und neue Väter zu schaffen. Das versuche ich schon länger über meinen Blog und in meinem Podcast. Am Vatertag werbe ich unter dem Hashtag #VaterschaftIstMehr um aktive Vaterschaft und gleichberechtigte Partnerschaft. Ein großes Anliegen ist es mir, zu zeigen, dass auch Väter die gleiche Verantwortung für die Familie übernehmen können wie die Mütter. Und zwar eine Verantwortung, die weit über die reine Ernährerrolle hinausgeht.

Auch Männer können den Haushalt schmeißen und sich um die Kinder kümmern. Wenn wir mehr moderne Väter in den Fokus rücken, ermutigt das hoffentlich auch andere Männer, den gleichen Schritt zu tun und vielleicht die Arbeitszeit zu reduzieren oder lange in Elternzeit zu gehen. Genau das lohnt sich - für die Familie und für einen selber. Ich bin im Moment selbst Hausmann und habe das Gefühl, an dieser Aufgabe stark gewachsen zu sein.

Am Vatertag besuchen wir die Großeltern. Spannenderweise war mein Schwiegervater ein Vorreiter. Lange bevor von „neuen Vätern" gesprochen wurde, hat er schon seine Arbeitszeit reduziert und die Kinder beim Aufwachsen aktiv begleitet. Ich könnte mir kaum einen besseren (Groß-)Vater vorstellen, mit dem ich diesen Tag verbringe."

„Brauchen Väter wirklich einen ganzen Tag Freiraum von ihrer Familie? Müssen die Väter, die sich (aus welchen Gründen auch immer) eh oft schon wenig oder gar nicht um die Kindererziehung kümmern und die Carearbeit größtenteils an ihre Partnerinnen abgegeben haben, am Vatertag gemeinsam mit anderen Vätern mit dem Bollerwagen, Musik und Bier durch die Gegend laufen? Wäre es nicht viel eher ein Vatertag, wenn die Väter an dem Tag nur für ihre Kinder Zeit hätten und gemeinsam ein paar schöne Stunden erleben würden?

Wir genießen den Vatertag übrigens in der Eifel. Wir freuen uns über den Ortswechsel. Mal kein Homeschooling und kein Homeoffice machen. Wir werden nichts Berufliches anfassen. Die Zeit gehört der Familie. Erst wird lange im Bett vorgelesen und gekuschelt, dann folgt ein langes Frühstück, anschließend - das habe ich ihr fest versprochen - fahre ich mit der Sechsjährigen eine Runde Mountainbike. Für den Nachmittag steht eine kleine Wanderung mit der Familie an. Zusammengefasst: Schöne Zeit ohne Stress mit der Familie erleben."

„Ich finde, am Vatertag sollte über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesprochen werden. Die Möglichkeit, die Elternzeit länger, attraktiver und finanziell ausgeglichener zu gestalten, würde ich sehr begrüßen.

Mir als Erzieher - mit dem sehr niedrigen Gehalt - war es schlichtweg nicht möglich, länger in Elternzeit zugehen. Das finde ich sehr schade. Der Ruf nach aktiven Vätern und Familien wird immer lauter. Aber keiner der Verantwortlichen will sich so richtig drum kümmern oder neue Modelle aufzeigen, wie es funktionieren kann.

Ich werde mit meiner Frau und meiner Tochter, meinem besten Freund und seiner Freundin grillen, Bier trinken und einen schönen, hoffentlich sonnigen, ersten Vatertag zelebrieren."

„Es gibt immer noch genug Unternehmen, die nicht bereit sind, Väter in der Elternzeit oder bei dem Wunsch nach Teilzeit für die Familie zu unterstützen. Dahinter steht ein völlig überholtes Rollenbild, in der Familienzeit nur der Mutter zusteht und der Vater gefälligst zu arbeiten hat.

Doch wir sind hoffentlich in der Gesellschaft längst weiter. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau macht große Fortschritte. Auch die meisten Papas bringen sich viel aktiver in die Erziehung ein, als noch ihre eigenen Väter. Deshalb würde ich mich freuen, wenn mehr Unternehmen junge Väter ermutigen und aktiv dabei unterstützen würden, in Elternzeit zu gehen - gerne auch länger als nur zwei oder drei Monate. Ich selbst habe das große Privileg, mir meine Arbeitszeit gut einteilen und so ein sehr präsenter Vater sein zu können.

Ich genieße jede freie Minute mit meiner Familie - auch am Vatertag. An diesem Tag hat mein Sohn Geburtstag. Deshalb wird es ein großer Familientag. Wir werden in den Wald fahren und dort spielen. Anschließend gehen wir noch grillen."

„Ich finde, wir Väter sollten den Vatertag - und die restlichen 364 Tage im Jahr - nutzen, um uns für Gleichberechtigung und Chancengleichheit einzusetzen. Wir müssen den Teufelskreis aus traditionellem Rollenbild, Gender-Paygap und Klischees durchbrechen. Erst, wenn gleiche Chancen für Frauen herrschen, können viele Eltern Erwerbsarbeit und Carearbeit frei und anders aufteilen - ohne finanzielle Nachteile oder das Stigma des Pantoffelhelden und der Rabenmutter.

Es würde selbstverständlicher, dass Väter eine ebenso aktive Rolle wie Mütter bei der Betreuung und Erziehung der Kinder spielen. Und das wäre gut, denn: Die Einbindung eines Vaters in den frühen Lebensabschnitt seines Kindes hat nachweislich positive Auswirkungen auf dessen Entwicklung - und meiner Meinung nach auch auf die Partnerschaft.

Ich persönlich werde den Vatertag deshalb auch mit meiner Familie verbringen. Sie ist es schließlich, die mich zum Vater macht."

„Am Vatertag sollten wir heutzutage über moderne Väter sprechen, die versuchen, sich Gehör zu verschaffen und ihrer modernen Rolle in der Familie und der Gesellschaft gerecht zu werden. Leider leben wir gefühlt noch in einer Zeit, in der es unausgesprochen Standard ist, ein traditionelles, altbackenes Familienbild zu leben. Wer damit gut leben kann, dem sei es gegönnt. Aber ich will mehr. Ich möchte Zeit mit meinen Söhnen verbringen und mich aktiv an ihrer Erziehung beteiligen. Ich möchte eine Bindung zu ihnen aufbauen und sie begleiten auf ihrem Weg - ihn mit ihnen gemeinsam gehen.

Am Vatertag werde ich deshalb auch mit meiner Familie Freunde besuchen, die - wie wir - auch junge Eltern sind. Wir werden lecker essen, mit den Kindern spielen und tun, was Väter und Familien eben tun. Abends gibt es bestimmt ein Bier mehr, aber das hat mit dem Tag nichts zu tun. Ich verstehe diese Horden schwadronierender Jungspunde nicht, die betrunken mit einem Bollerwagen Theater machen."

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