Birk Grüling

Bildungsjournalist, schreibender Papa, Spielplatzheld, Buchholz

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Warum Kinderbuchillustrator trotz schlechter Bezahlung ein Traumjob ist

Die Tür von Kathrin Wessels Ladenatelier schließt nicht richtig. Durch den Spalt dringen die Geräusche der Großstadt. Davon bekommt die Hamburger Illustratorin wenig mit. Konzentriert zeichnet sie an den Seiten eines neuen Kinderbuches. Viel verraten will sie nicht, außer dass die Hauptfiguren Tiere sind. Für die Natur hat Wessel seit Kindertagen ein besonderes Faible, genau wie für das Zeichnen.

Kein Job zum Reichwerden

Nach dem Grafikdesign-Studium arbeitet Wessel beim Oetinger Verlag und entwirft Brotdosen und Trinkflaschen mit Kinderhelden wie Pippi Langstrumpf darauf. Nebenbei näht sie unter dem Namen Käselotti bunte Tier-Geldbörsen. Die sind bei den Kollegen begehrt. „Irgendwann fragte mich eine Lektorin, ob ich nicht ein Kinderbuch zeichnen wolle. Ich sagte sofort zu", sagt sie.

2015 erscheint das Bildwörterbuch „Hallo Tiere". Sechs weitere folgten bisher. Wessels Stil ist unverwechselbar: Tiere gezeichnet mit Flächen und kräftigen Farben, dazu eine große Portion Humor. Ihre Bücher verkaufen sich gut. Von jedem Verkauf bekommen Illustratoren einen kleinen Anteil. Dazu gibt es einen Verlagsvorschuss - meistens eine mittlere vierstellige Summe. Reich wird man nicht.

Die Konkurrenz ist groß. Nur wenige Kinderbücher werden Bestseller. Dazu kommt der lange Vorlauf. Von der Idee bis zum fertigen Buch vergehen oft ein bis zwei Jahre. „Kinderbücher zu illustrieren, macht mir Spaß und bietet kreative Freiheiten. Das lässt den Verdienst und die ganze Arbeit manchmal vergessen", sagt Wessel. Allein von den Büchern könnte sie nicht leben, auch wenn sie aktuell gleich an drei Projekten parallel arbeitet. Zum Glück läuft ihr Label Käselotti nach wie vor gut.

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Kontaktbörse Buchmesse

Zusätzliche Standbeine sind für Illustratoren nichts Ungewöhnliches. Laut einer Umfrage des Berufsverbands „Illustratoren Organisation" verdient die Hälfte aller Befragten weniger als 1500 Euro brutto monatlich, fast alle arbeiten als Freiberufler. Wirklich gut bezahlt sind eigentlich nur Illustrationen für Unternehmen, große Magazine oder die Werbung.

Für die Verlage sind Illustratoren mit Erfahrungen aus unterschiedlichen Bereichen ein Gewinn. „Wir arbeiten neben etablierten Größen auch mit vielen Newcomern zusammen. Sie bringen neue Impulse auf den Kinderbuchmarkt", erklärt Ruth Prenting, Kinderbuchredakteurin beim Kosmos Verlag. Neben der Betreuung von Buchprojekten hält sie regelmäßig nach neuen Künstlern Ausschau. Eine wichtige Quelle sind die Portfolios. Sie zeigen den Stil eines Illustrators.

Nach wie vor spielen Buchmessen wie die Bologna Children's Book Fair eine wichtige Rolle für Illustratoren - nirgendwo ist es einfacher, mit Verlagsvertretern ins Gespräch zu kommen. „Ich achte vor allem auf einen unverwechselbaren Stil, Humor und die Fähigkeit, sich auf die kindliche Sichtweise einzulassen. Gerade am Anfang sind die Bilder fast wichtiger als der Text", weiß Prenting. Wenn alles passt, bittet sie um erste Skizzen, oft auf Basis eines fertigen Textes. Anders als Autoren arbeiten Illustratoren vor allem auf Zuruf.

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Ideen aus dem heimischen Atelier

Eine Ausnahme ist Constanze von Kitzing. Statt ihr Portfolio zu verschicken, entwickelt sie lieber eigene Ideen im heimischen Atelier - oft gemeinsam mit befreundeten Autoren. Die Konzepte samt Textproben und ersten Zeichnungen werden großen Verlagen angeboten. So entstand auch die Erstlese-Reihe „Leonie Looping" aus dem Ravensburger Verlag. Ausgangspunkt war von Kitzings Elfen-Coverzeichnung für ein US-Kindermagazin. Gemeinsam mit der befreundeten Autorin Cally Stronk ersann sie daraus eine ganze Welt.

Bereits in der Grundschule wusste von Kitzing, dass sie Illustratorin werden möchte. Dieser Wunsch ging in Erfüllung: Über 40 Kinderbücher hat von Kitzing schon veröffentlicht.

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Die bislang siebenbändige Erstleserreihe „Leonie Looping" von Constanze von Kitzing und Cally Stronk ist im Ravensburger Verlag erschienen. Im Mittelpunkt steht Heldin Leonie, kurz „Leo", die sich mittels Schrumpferbsen in eine kleine Elfe verwandeln kann und mit ihren Freunden Mücke und Luna viele Abenteuer erlebt.

Kinderbuchillustratorin Constanze von Kitzing.

Käselotti heißt das Label von Illustratorin Kathrin Wessel. Hier dreht sich alles rund ums Tier - von Einhorn über Fuchs bis Faultier. Einen umfangreichen Eindruck gibt es im Netz auf kaeselotti.de

Kinderbuchillustratorin Kathrin Wessel.

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