Birk Grüling

Bildungsjournalist, schreibender Papa, Spielplatzheld, Buchholz

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Kochen mit Kindern: Mit diesen Tipps klappt's in der Küche

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Wenn ihr als Mama und Papa oft und gerne in der Küche steht, weckt das die kindliche Neugier. Die meisten Kinder sind ganz begeistert davon, die Welt der Lebensmittel für sich zu entdecken. „Wir haben leider den Bezug zum Kochen und Essen etwas verloren. Umso wichtiger ist es, spielerisch ein Bewusstsein für frische Lebensmittel und gesunde Ernährung zu schaffen. Das gelingt am besten durch das Selberkochen", sagt Lena Thyra Meyer. Die Hamburgerin ist Küchenmeisterin und Ökotrophologin und bildet für die Initiatvie Ich kann kochen! der Sarah Wiener Stiftung und BARMER regelmäßig Pädagogen zu Genussbotschaftern aus, die mit Kindern kochen. Sie ist fest davon überzeugt, dass Kinder vom gemeinsamen Kochen gewaltig profitieren können. „Sie lernen neue Lebensmittel kennen und erfahren, wie man sie zubereitet. Ganz nebenbei fördert das Schneiden und Schälen die motorischen Fähigkeiten", sagt Meyer. Außerdem sei Kochen eine sehr soziale Angelegenheit, die viele Absprachen in der Gruppe erfordere. Ein weiterer, positiver Nebeneffekt: Viele Pädagogen und Eltern berichten, dass nach dem gemeinsamen Kochen selbst ungeliebtes Gemüse ohne Murren gegessen wird - vielleicht auch, weil die Kinder vom ganzen Helfen umso hungriger sind. Klingt das nicht verlockend?

Ein schöner Einstieg seien die Lebensmittel selber, rät die Küchenmeisterin. Gesund oder ungesund sind für Kinder keine Auswahlkriterien. Umso wichtiger ist Abwechslung bei den Zutaten. Die entsteht bereits im Einkaufskorb. Geht mit euren Kindern auf den Wochenmarkt oder nehmt euch in der Obst- und Gemüseabteilung des Supermarktes viel Zeit für die Auswahl. Bei gutem Wetter lohnt sich ein Besuch auf dem Bauernhof. Hier könnt ihr gemeinsam viel über Lebensmittel erfahren: Wie sehen Kartoffeln frisch aus der Erde aus? Welche Formen und Farben können Äpfel haben? Wie entsteht Honig im Bienenstock? Eine spannende Methode, wie ihr Lebensmittel ganzheitlich kennenlernen könnt, zeigt Meyer bei ihren Workshops für die Sarah Wiener Stiftung - und zwar eine Brotverkostung. Gemeinsam kauft ihr mit euren Kindern verschiedene Brotsorten beim Bäcker - etwa Roggenbrot, Weizenmischbrot, Graubrot und ein helles Baguette. Zusammen schaut ihr euch dann das Brot an, riecht daran, horcht, wie die Kruste kracht, fühlt es und probiert es natürlich.

Das Kochen mit euren Kindern muss nicht kompliziert sein. Oft sind es die einfachen Rezepte, die am meisten Spaß machen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Butterschütteln. Frische Sahne wird in einem Glas mit Schraubdeckel geschüttelt, bis sich das Fett (also die Butter) von der Sahne trennt. Gut für erste Kochversuche geeignet sind Quark mit Früchten und Vanille oder Kräuterbutter. Auch Pfannkuchen oder Brote mit lustigen Gesichtern aus Gemüse oder Käse sind schnell und einfach umsetzbar. Der Vorteil: Mit diesen leichten Rezepten könnte ihr euch auf das gemeinsame Kochen eingrooven und Routine als Küchen-Team entwickeln. Klappen die ersten Rezepte gut, könnt ihr euch langsam steigern und beispielsweise gemeinsam Aufläufe, Nudeln mit selbstgemachter Soße oder Ofengemüse zubereiten.

Schon kleine Kinder können in der Küche helfen. Sie können zum Beispiel Zutaten in den Teig rühren, probieren und abschmecken, eine Pizza belegen oder mit Mamas oder Papas Hilfe Gemüse waschen. Ab etwa zwei Jahren ist auch schon ein bisschen schnippeln drin. Bananen, reife Birnen oder Erdbeeren lassen sich auch mit einem Kindermesser und kleinen Händchen leicht zerschneiden. Ganz nebenbei könnt ihr den Kleinen dabei wichtige Grundlagen des Kochens beibringen - zum Beispiel: mit dem Messer wird nicht gelaufen, immer auf dem Brett und vom Körper wegschneiden. Auch beim Tischdecken oder Spülmaschine einräumen, können Kinder schon früh helfen.

Kochen mit Kindern will gut geplant und vorbereitet sein. Kinder können sich nicht stundenlang konzentrieren und verlieren bei zu eintönigen Aufgaben wie langwierigem Gemüseschneiden schnell die Lust. Das Geheimnis heißt gute Vorbereitung. Überlegt euch genau, was euer Kind übernehmen kann und soll. Wollt ihr gemeinsam das Gemüse waschen und klein schneiden oder geht es eher darum, die Zutaten zu verrühren und abzuschmecken? Je nachdem könnt ihr das gemeinsame Kochen vorbereiten, Gemüse schon klein schneiden oder alle passenden Zutaten bereitstellen. Besonders schön ist es, wenn ihr eure Kinder schon in die Vorbereitung einbindet. Zum Beispiel könnt ihr gemeinsam ein leckeres Rezept aussuchen und die Zutaten einkaufen.

Beim Thema Kochen denken wir Eltern erst einmal an heiße Herdplatten, kochendes Wasser und scharfe Messer. Doch keine Angst, mit ein paar klaren Regeln und Vorkehrungen können sich eure Kinder in der Küche weitgehend gefahrlos bewegen. Ein paar Vorschläge für Küchenregeln:

Essenwünsche können gemeinsam bestimmt werden. Beim Kochen selbst hört aber alles auf Mamas oder Papas Kommando. Der Herd oder der Backofen wird nur von Mama oder Papa benutzt. Ohne Aufsicht sind die Küchengeräte tabu. In der Küche wird nicht gelaufen oder getobt, Gleiches gilt mit Messer oder spitzen Gegenständen in der Hand. Vor und nach dem Kochen werden die Hände gewaschen, auch der Platz soll aufgeräumt werden.

Tipp: Richtet euren Kindern einen kleinen Arbeitsplatz mit rutschfestem Schneidebrett und eigenem Messer ein - am Tisch oder bei kleineren Kindern im Hochstuhl.

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