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Trauer um den Schöpfer des Garchinger Planetariums

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Garching - Ein besonders beliebter Lehrer wird fehlen, wenn im September der Unterricht am Werner-Heisenberg-Gymnasium Garching wieder beginnt. Wolfgang Heinrich, Mathematik- und Physiklehrer, ist im Alter von 62 Jahren gestorben.


Wolfgang Heinrich hat 32 Jahre lang am Werner-Heisenberg-Gymnasium Garching unterrichtet. Seine erste und einzige Lehrerstelle nach dem Referendariat in Wasserburg und Landshut. „Er hat sich in Garching ganz wohl gefühlt, besonders wegen einiger Kollegen", erinnert sich seine Witwe Marianne. Auch der Garchinger evangelische Religionslehrer Werner Greese sagt: „Der Kollege Heinrich war ein sehr geselliger Mensch." Und zudem: ein guter Mathematiker.


Sehr anwendungsorientiert habe Heinrich gearbeitet, erinnert sich der ehemalige Schulleiter Ulrich Hauner, damit sich die Schüler die schwierige Materie auch vorstellen konnten. Und Wolfgang Heinrich kam bei den Schülern manchmal ganz anders an, als er eigentlich war. „Wir dachten, wir hätten den strengsten Mathelehrer der ganzen Schule bekommen", beschreibt der ehemalige Garchinger Schüler Daniel Hoyer seine erste Begegnung mit Wolfgang Heinrich. Total grimmig habe Heinrich gewirkt, dabei sei Heinrich sehr nett und, auf seine Art, witzig gewesen: Einmal sei er sogar mit einem Bierglas aus dem Biergarten nach der Mittagspause im Unterricht erschienen. Die Schüler fanden das super.


Im Hintergrund schuf Heinrich als Fachbetreuer Mathematik Kontakte zur Technischen Universität in Garching und den dort angesiedelten Instituten. Forscher besuchten das Werner-Heisenberg-Gymnasium und stellten den Schülern ihre Projekte vor. Wolfgang Heinrich habe vielen Schülern Mut gemacht, Naturwissenschaften zu studieren, sagt Ulrich Hauner: „Er hatte teilweise richtige Fans, die ihn als besonders cool empfanden." Die Schüler ermutigte Heinrich dazu, selbstständig zu werden: „Er hat uns einen Anstoß gegeben, dann sollten wir ein Thema selbst bearbeiten", erinnert sich Daniel Hoyer.

Doch Heinrichs Lieblingsthema war nicht mathematisch, sondern physikalisch: die Astronomie. Er begann nicht nur, Kurse über das Thema anzubieten, sondern baute mit einigen Schülern sogar ein eigenes Planetarium in die Schule, das er mit vielen Schülergenerationen erweiterte und nutze. Zwar wurde das alte Schulgebäude des Garchinger Gymnasiums inzwischen abgerissen, doch auch der Neubau soll bald wieder ein Planetarium bekommen.


Im Jahr 2011 richtete Heinrich mit einem Kurs den Garchinger Planetenweg am Mühlbach ein, auf dem das Sonnensystem maßstabsgetreu nachgebaut war. Auch in seiner Freizeit beschäftigte sich Wolfgang Heinrich mit Astronomie und rechnete schwierige Mathematikaufgaben. „So Tüfteleien, das war sein's", sagt seine Witwe Marianne.

Doch auch abseits des Schreibtisches war er unterwegs, in den Bergen. Egal ob Klettern, Skifahren oder Skitouren, Heinrich hat alles ausprobiert. Als Lehrer begleitete er das Skilager, auch in seinen letzten Lebensjahren fuhr er mit dem Rad zur Schule, immerhin 15 Kilometer. Seit 26 Jahren lebten er und seine Frau Marianne, mit der er 33 Jahre lang verheiratet war, in Pliening im Landkreis Ebersberg. Die beiden haben drei Kinder, die 13 bis 25 Jahre alt sind.


Noch bis zum Februar 2013 war Wolfgang Heinrich ganz regulär am Werner-Heisenberg-Gymnasium eingesetzt. Doch dann traf ihn eines Tages überraschend die Diagnose: Hirntumor. Seitdem kämpfte er gegen die Krankheit, hatte einigen Erfolg. „Wir waren frohen Mutes, ihn wieder zu sehen", sagt Werner Greese. Doch in den vergangenen Monaten verschlechterte sich Heinrichs Gesundheit. Am 11. Juli 2014 starb Wolfgang Heinrich. Wenige Tage später wäre er Opa geworden. bew

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